Qiagen Hilden: Übernahmeangebot - Betriebsrat fordert Perspektiven
Der Dax-Konzern Qiagen mit Europazentrale in Hilden steht vor einer Übernahme: Der schwedische Finanzinvestor EQT hat ein Angebot im Wert von rund 9,6 Milliarden Euro für den Labordienstleister unterbreitet. Das Management und der Aufsichtsrat von Qiagen befürworteten die Transaktion, die Mitte 2027 über die Bühne gehen könnte. Analysten gehen davon aus, dass die Aktionäre das Angebot annehmen werden.
Qiagen ist eine Holdinggesellschaft mit Sitz im niederländischen Venlo. Der operative Hauptsitz ist allerdings in Hilden, wo rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt sind. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 5500 Mitarbeiter an mehr als 35 Standorten. Qiagen entwickelt Technologien, mit denen molekulare Informationen wie DNA, RNA und Proteine aus Blut, Gewebe und anderen Stoffen extrahiert und analysiert werden können. Damit können zum Beispiel Kriegstote identifiziert werden.
Wie geht es nun mit dem Hildener Standort weiter? Auf Anfrage unserer Redaktion antwortet EQT nur allgemein: „Qiagen ist ein herausragendes, weltweit führendes Unternehmen im Markt für Life-Science-Instrumente und Diagnostik. Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Qiagen Management und den Mitarbeitenden des Unternehmens und wollen die langfristige Entwicklung von Qiagen unterstützen“, so ein Sprecher. Dazu habe man unter anderem Zusagen in Bezug auf die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Qiagen sowie Regelungen für die Mitarbeitenden getroffen. Auch eine Sprecherin von Qiagen verweist auf die Zusagen von EQT. „Wir freuen uns sehr auf die geplante Partnerschaft mit EQT Private Equity.“
Wie die Betriebsratsvorsitzende Maria Luisa Campobasso gegenüber unserer Redaktion berichtet, sei die Belegschaft in Hilden nicht vor der öffentlichen Bekanntgabe über das Übernahmeangebot informiert worden. Die Mitarbeitenden hätten zeitgleich mit der öffentlichen Kommunikation davon erfahren. „Die Nachricht hat verständlicherweise Fragen innerhalb der Belegschaft ausgelöst“, so Campobasso. Aufgrund der vorausgegangenen Presseberichterstattung sei die Entwicklung jedoch nicht völlig überraschend gekommen. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme von Qiagen gegeben. Das Unternehmen selbst hatte im Frühjahr bestätigt, dass es mit Unterstützung von Banken verschiedene strategische Optionen prüfe.
Für die Mitarbeitenden stünden nun insbesondere die Fragen im Vordergrund, welche Auswirkungen ein möglicher Eigentümerwechsel auf die Arbeitsplätze, die Arbeitsbedingungen sowie die langfristige Zukunft des Standorts Hilden haben könnte. Das ist auch das Anliegen des Betriebsrats, der nach Angaben von Campobasso nicht über die Entscheidung über das Übernahmeangebot informiert war. „Wir werden den weiteren Prozess nun sehr aufmerksam begleiten und erwarten, dass die Arbeitnehmervertretung frühzeitig und umfassend über mögliche Auswirkungen auf die Beschäftigten und den Standort informiert wird.“
Für eine abschließende Bewertung des Übernahmeangebots sei es noch zu früh, sagt Campobasso. „Entscheidend ist für uns nicht allein die Frage eines möglichen Eigentümerwechsels, sondern welche konkreten Auswirkungen dieser auf die Beschäftigten und den Standort Hilden haben wird.“ Die klare Erwartung sei, dass die Beschäftigung und der Standort Hilden nachhaltig gesichert werden. Dazu erwarte man Transparenz über die weiteren Planungen, eine frühzeitige Einbindung der Arbeitnehmervertretung und verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten.
Hildens Bürgermeister Claus Pommer (CDU) zeigt sich gelassen ob der Nachricht des Übernahmeangebots. „Qiagen ist in Hilden groß geworden und heute ein Weltunternehmen“, so Pommer. Am modernen Qiagen-Campus in Hilden würden bedeutende Kostenpflichtiger Inhalt Technologien für die molekulare Diagnostik entwickelt und auch produziert werden. „Hilden ist der größte Standort und das europäische Hauptquartier des Unternehmens und damit dessen operatives Zentrum. Daran wird auch eine veränderte Eigentümerstruktur nichts ändern“, sagt Pommer.
Die IHK Düsseldorf-Mettmann sieht in dem Deal eine Bestätigung für die Arbeit von Qiagen: Es sei ein Vertrauensbeweis, wenn ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen einen Investor gewinne, um sein Wachstum zu beschleunigen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken oder neue Märkte zu erschließen. „Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wäre es allerdings von Vorteil, wenn Kostenpflichtiger Inhalt innovative Unternehmen künftig verstärkt von deutschen Unternehmen übernommen würden“, sagt Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. Entscheidend dafür seien die richtigen Rahmenbedingungen, wie wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten, eine geringere Steuerbelastung und weniger Bürokratie.