RAM, SSD und HDD auf Rekordniveau
Die drei marktbeherrschenden DRAM-Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Fertigungskapazitäten weiter zugunsten von KI-Rechenzentren verlagert. Die Rechnung dafür zahlen inzwischen alle, die im deutschen Einzelhandel aufrüsten. Wer in diesen Wochen einen Gaming-PC auf 32 GiB bringt, ein NAS erweitert oder eine defekte SSD ersetzen muss, zahlt für dieselbe Kapazität ein Vielfaches dessen, was im Sommer 2025 aufgerufen wurde. Mitte August 2026 erreichen alle drei Speicherkategorien, DDR5- und DDR4-Speicher, SSDs und Festplatten, gleichzeitig das Rekordniveau. Beim Arbeitsspeicher wurden die bisherigen Höchstwerte vom Januar sogar übertroffen. Das über Monate ersehnte Preisplateau existiert dementsprechend inzwischen nicht mehr und es geht noch einmal weiter nach oben. Speicherpreise im August 2026: Was RAM, SSDs und HDDs kosten Die Datenbasis stammt aus zwei Quellen. Die monatliche Stichprobe von ComputerBase verfolgt seit Mitte September 2025 jeweils ein Dutzend populärer Produkte pro Kategorie und klammert Angebote von eBay sowie aus dem Amazon-Marketplace aus. Hinzu kommt der PCGH-Preisvergleich mit den jeweils zehn populärsten Kits, SSDs und Festplatten. Bereits der Unterschied zwischen beiden Erhebungen ist aufschlussreich: Für die Samsung 990 Pro mit 2 TB nennt der Preisvergleich als günstigstes Angebot rund 290 Euro. Die um Marketplace-Händler bereinigte Stichprobe weist hingegen 336 Euro aus. Diese große "Differenz" ist kein Messfehler, sondern der "Aufpreis" für einen Händler mit einer nachprüfbarer und belastbaren Historie und klammert eBay-Angebote aus. DDR5-RAM: 32 GiB DDR5-6000 CL30 kosten oft über 500 Euro Ein Kit mit 32 GiB und DDR5-6000 CL30 kostet im August 2026 zwischen 475 und 540 Euro. Das entspricht rund dem Vierfachen des Vorkrisenpreises. Das Kingston Fury Beast kostet 523 Euro, nachdem es Mitte September 2025 für 114 Euro erhältlich war. Das G.Skill Trident Z5 Neo RGB liegt bei 539 Euro, zuvor waren es noch 122 Euro. Den stärksten Anstieg in diesem Feld verzeichnet das Patriot Viper Venom. Sein Preis ist von 87 auf 429 Euro gestiegen, ein Plus von 394 Prozent von einem auf den anderen Sommer. Bei den 64-GiB-Kits wurde inzwischen die Marke von 1.000 Euro überschritten. Das Kingston Fury Beast kostet 1.036 Euro, das Corsair Vengeance RGB 1.189 Euro. Umgerechnet sind das 16,19 beziehungsweise 18,58 Euro je GiB. Die DDR5-Speicherkits mit 32 GiB liegen zwischen 16,35 und 16,84 Euro je GiB und die Tendenz ist auch weiter steigend. Der früher übliche Mengenrabatt für die doppelte Kapazität ist verschwunden. Teilweise zahlen Käufer je GiB sogar mehr. Wer ein bestehendes System lediglich entlasten möchte, kommt mit DDR4 weiterhin etwas günstiger weg. Ein G.Skill Aegis mit 32 GiB DDR4-3200 und einer CAS-Latenz von 16 Taktzyklen kostet aktuell im Einzelhandel ab 210 Euro. SSD-Preise: Der Aufschlag beschleunigt sich wieder Die SSD-Preise liegen im August 2026 durchschnittlich 126 Prozent über dem Stand von Mitte September 2025. Vier Wochen zuvor waren es noch 118 Prozent. Den stärksten Preissprung verzeichnet die Kingston NV3 mit 1 TB, die von 50 auf 145 Euro gestiegen ist. Die Samsung 990 Evo Plus mit 4 TB kostet inzwischen 572 statt 240 Euro, die Variante mit 1 TB 180 statt 75 Euro. Am geringsten fällt der Aufschlag bislang bei der Samsung 9100 Pro mit 2 TB aus. Ihr Preis ist von 217 auf 379 Euro und damit um 75 Prozent gestiegen. Aussagekräftiger als die prozentualen Aufschläge ist der Preis je Terabyte. Hier kehrt sich das Bild gegenüber dem Arbeitsspeicher um. Modelle mit 1 TB kosten 145 bis 180 Euro je TB, Modelle mit 4 TB dagegen nur 111 bis 149 Euro je TB. Zwei Lexar NM790 mit je 2 TB kosten zusammen 514 Euro, das Modell mit 4 TB dagegen 445 Euro. Kleine Systemlaufwerke sind damit derzeit die schlechteste Wahl am Markt. Festplatten: Hyperscaler haben den Markt leer gekauft Festplatten kosten im August 2026 durchschnittlich 129 Prozent mehr als vor der Speicherkrise. Damit liegen sie erstmals knapp vor den SSDs. Die Toshiba Cloud-Scale Capacity MG09ACA mit 18 TB hat sich von 288 auf 839 Euro verteuert, die MG10ACA mit 20 TB von 310 auf 821 Euro. Auch die breit verfügbare Seagate Barracuda mit 24 TB hat sich mit 805 gegenüber 308 Euro mehr als verdreifacht. Die Ursache liegt nicht im Einzelhandel, sondern in den Auftragsbüchern. Western Digital hat das Kalenderjahr 2026 als praktisch ausverkauft bezeichnet. Seagate hat seine gesamte Nearline-Kapazitäten als vollständig zugeteilt gemeldet. Langfristige Abnahmeverträge mit Enterprise-Kunden reichen bis ins Jahr 2028 und legen sowohl die Mengen als auch die Verkaufspreise fest. Für den freien Einzelhandel bleiben dann nur noch die Reste. Mit 33 bis 52 Euro je Terabyte bleibt die Festplatte trotzdem bei etwa einem Drittel des SSD-Niveaus und damit weiterhin die erste Wahl für besonders große Archiv- und Backup-Lösungen. Ausblick: Apple wartet, Konsolen werden teurer Der Speichermangel erreicht inzwischen auch Konzerne mit langfristigen Lieferverträgen. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit bei Apple. Nach einer Preiserhöhung um 200 Euro im Juni nennt der Hersteller für das MacBook Air je nach Konfiguration Lieferzeiten von zwei bis sechs Wochen. Am längsten müssen Käufer der Varianten mit 24 und 32 GiB warten. Beim Mac Studio hat Apple die maximale Speicherbestückung zunächst von 512 auf 256 GiB und anschließend auf 96 GiB gesenkt. Microsoft hat die Preise für Xbox Series X und Series S zum 1. August weltweit um bis zu 150 US-Dollar erhöht und das Modell mit 2 TB gestrichen. Nintendo verlangt für die Switch 2 ab dem 1. September 499,99 statt 469,99 Euro. Für das dritte Quartal 2026 erwartet Trendforce bei konventionellem DRAM einen Anstieg der Kontraktpreise um 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bei NAND-Flash sollen die Preise um 10 bis 15 Prozent steigen. Das Tempo ist niedriger als zu Jahresbeginn, die Richtung bleibt jedoch dieselbe. Keine der großen Prognosen geht vor 2027 von sinkenden Preisen aus. Bernstein und Gartner nennen übereinstimmend erst 2028 als Jahr eines möglichen echten Preisverfalls. Kauftipps: Was tun bei diesen Preisen? Die Marktlage ist ungewöhnlich, auch wenn man sich mittlerweile bereits daran gewöhnt hat, und erfordert eine andere Einkaufsstrategie als in normalen Zeiten. Unsere wichtigsten Empfehlungen und Strategien für die RAM-Krise: Prognose: Wann sinken die RAM-Preise wieder? Die kurze Antwort lautet: nicht in absehbarer Zeit. Laut den Vertragspreisen, die Hersteller mit Großabnehmern aushandeln, ist davon auszugehen, dass die Einzelhandelspreise noch bis mindestens Mitte bis Ende 2027 auf dem aktuell hohen Niveau verbleiben werden. Neue Produktionskapazitäten werden zwar aufgebaut, liefern aber frühestens Ende 2027 nennenswerte Mengen. Das KI-Segment wird auch zukünftig weiter priorisiert. Eure Meinung ist gefragt! Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich bereits über Ihre Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie hingegen noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 YouTube und 💬 WhatsApp und erhalten Sie Neuigkeiten zu CPUs, Grafikkarten und Gaming direkt in Ihrem Feed.