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Ramelow, Steinmeier und Bovenschulte warnen vor gesellschaftlicher Spaltung

Nation

Stand: 03.10.2026 21:42 Uhr

Die Spitzen der deutschen Politik haben die zentralen Feierlichkeiten am Tag der Deutschen Einheit genutzt, um für mehr Zusammenhalt zu werben. Bundespräsident Steinmeier warnte angesichts politischer Extremisten vor einem Scheitern der Demokratie. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow warnte in einer Kanzelrede vor gesellschaftlicher Spaltung.

von MDR AKTUELL

Steinmeier warnt vor Scheitern der Demokratie

Bundesratspräsident Bovenschulte sieht Einheit als Auftrag

Bundestagsvize Ramelow warnt vor Spaltung

Feiern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Mit einem Festgottesdienst im Bremer St.-Petri-Dom und einem zentralen Festakt im Konzerthaus der Hansestadt haben die Spitzen der deutschen Politik den Tag der Deutschen Einheit begangen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in seiner Festrede vor einem Scheitern der Demokratie und rief zu einem entschiedeneren Kampf gegen politische Extremisten auf. Der SPD-Politiker mahnte, in diesen Zeiten brauche es eine "überlegte, stetige, professionelle, durchhaltefähige Regierungspolitik dringender denn je". Nur so könne man "die tieferen ökonomischen und sozialen Ursachen der Verunsicherung" in der Bevölkerung beseitigen.

Bundesratspräsident Bovenschulte: Einheit als Auftrag

Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte warb für mehr Anerkennung unterschiedlicher Lebenswege und einen entschlossenen Einsatz für die Demokratie. Die deutsche Einheit sei eine gemeinsame Entscheidung gewesen, sagte der SPD-Politiker und Bremer Bürgermeister. "Die Ostdeutschen waren nicht Zuschauer ihrer Geschichte. Sie haben Geschichte geschrieben." Gute Arbeit, Bildung und verlässliche Daseinsvorsorge dürften keine Frage der Postleitzahl sein.

Zugleich warnte Bovenschulte vor Kräften, die gleiche Rechte infrage stellten und freie Medien, unabhängige Gerichte sowie Wissenschaft verächtlich machten. "Demokratie braucht Streit. Aber der politische Gegner ist kein Feind." Die Einheit sei nicht nur ein historischer Akt, sondern ein Auftrag für die Zukunft.

Ramelow warnt in Kanzelrede vor Spaltung

Der Bundestagsvizepräsident und ehemalige thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow warnte vor gesellschaftlicher Spaltung. Auch nach der Wiedervereinigung seien Gräben in Deutschland geblieben, sagte der Linken-Politiker in einer Kanzelrede im Berliner Dom. Die Lebensverhältnisse in Ost und West seien bis heute nicht gleich: "Beschäftigte in Ostdeutschland haben im Schnitt 17 Prozent weniger Bruttoeinkommen als in Westdeutschland."

Ramelow warnte, das Misstrauen sitze tief und die "Räume der Verständigung" seien selten. Die extreme Rechte schüre Verlustängste. Diese ließen sich nur bekämpfen, wenn gezeigt werde, dass genug für alle da ist und die Politik praktische Lösungen liefere. Ramelow rief dazu auf, miteinander im Dialog zu bleiben.

Feiern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Bei der traditionellen Feierstunde im Landtag von Sachsen in Dresden sagte der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière, die deutsche Einheit bleibe für ihn ein Glücksfall der Geschichte. Trotz allem habe es auch Fehler im insgesamt erfolgreichen Einigungsprozess gegeben. Zwar sei die staatliche Einheit vollendet, aber nicht die innere Einheit. "Das kann auch gar nicht anders sein. Innere Einheit kann man nicht vollenden", so der CDU-Politiker.

In Sachsen-Anhalt wurde der Tag der Deutschen Einheit mit Gedenkfeiern am ehemaligen Grenzübergang Marienborn, dem Grenzdenkmal Hötensleben sowie an der Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg begangen. In der Gedenkstätte Marienborn fand ein Tag der Begegnung statt. Das Magdeburger Rathaus lud zu einem Tag der offenen Tür ein. Die Stadt Halle feierte ein Stadtfest, bei dem in diesem Jahr der Fußball "als Integrationsmotor, Identitätsstifter und Symbol für den gesellschaftlichen Zusammenhalt" im Mittelpunkt stand.

In Thüringen fand unter anderem ein Gottesdienst in der Gedenkstätte Point Alpha zwischen dem Thüringischen Rhön-Dorf Geisa und Rasdorf in Hessen statt. In Mödlareuth, das als "Little Berlin" über Jahrzehnte durch die innerdeutsche Grenze getrennt war, erschienen Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu einem Bürgerfest. Jena feierte den Tag der Deutschen Einheit mit Gästen aus der Partnerstadt Erlangen.

AFP, epd, dpa, MDR (smk, dni)

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