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Raphinha erfindet sich beim FC Barcelona dank Trainer Hans Flick noch einmal neu: Auf den Spuren von Pelé und Ronaldinho

Sport

Von Thomas Gaber

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Als Hansi Flick 2024 Trainer des FC Barcelona wurde, war Raphinha gedanklich schon auf dem Absprung. Heute führt er die Katalanen als Kapitän an und sorgt in einer ungewohnten Rolle für Furore. Seine bemerkenswerte Entwicklung verändert auch Raphinhas Status außerhalb Barcelonas. In Brasilien beginnt für ihn nun ein neues Kapitel - als Erbe von Pelé, Ronaldinho und Co.

Es gibt im brasilianischen Fußball keine Rückennummer, die schwerer wiegt als die 10. Pelé trug sie, später Zico, Rivaldo, Ronaldinho, Kaká und zuletzt Neymar. Nun gehört das vielleicht berühmteste Trikot des Weltfußballs einem Spieler, dessen Karriere lange Zeit kaum darauf hindeutete, dass er einmal in diese Reihe treten würde: Raphinha.

Der 29-Jährige vom FC Barcelona übernimmt zu Beginn des neuen WM-Zyklus die Nummer 10 der Seleção. Nachdem Neymar seine Nationalmannschaftskarriere nach der WM 2026 beendet hat, wurde Raphinha für die Länderspiele gegen Australien und Indien mit dessen alter Nummer ausgestattet. Bei der WM war er noch mit der 11 aufgelaufen.

Die Entscheidung besitzt mehr als nur symbolischen Wert. Sie erzählt einiges über den Status, den sich Raphinha erarbeitet hat. Denn der Brasilianer ist weder bei Barça noch in der Seleção der spektakulärste Dribbler oder der größte Individualist.

Neben Spielern wie Lamine Yamal oder Vinícius Júnior könnte er beinahe unscheinbar wirken. Seine Stärke besteht darin, dass er einer Mannschaft Dinge gibt, die sich nicht allein an Tricks oder Ballkontakten messen lassen: Intensität, Tiefenläufe, Pressing, Torgefahr und vor allem taktische Flexibilität.

Flick macht mit Raphinha aus der Not eine Tugend

Seit seinem Wechsel von Leeds United zu Barça 2022 hat Raphinha offensiv schon alles gespielt. Überwiegend war er auf dem linken Flügel beheimatet, weil diese Position seinen Fähigkeiten am besten entsprach - dachte man zumindest lange Zeit. In der Sommerpause kam Hansi Flick auf die Idee, Raphinha als Nummer neun auszuprobieren - gezwungenermaßen.

Mit Robert Lewandowski und Ferran Torres verließen zwei Stürmer den Verein und im intensiven Werben um Julian Alvarez musste sich Barça letztlich der Hartnäckigkeit von Atlético Madrid beugen. Die Neunerposition war vakant und Flick zog den Raphinha-Joker.

Diese Maßnahme ging bislang voll auf. Raphinha erzielte in acht Pflichtspielen 14 Tore, zuletzt traf er in der Liga zweimal gleich dreifach. "Das war eine Anpassung, die sich über die beiden vergangenen Jahre hingezogen hat und die dazu führte, dass ich nach und nach immer weiter nach innen gerückt bin, zentraler spielte, als ich es gewohnt war. Dadurch rückte ich sukzessive näher ans gegnerische Tor. Mir gefällt das, denn es geht wunderbar auf", sagte Raphinha in einem Interview mit der "SZ".

Raphinha ist Flick auf immer und ewig dankbar

Der Brasilianer fühlt sich pudelwohl in seiner neuen Rolle und ist Flick dafür dankbar. "Der Mister hat mein Leben verändert, das werde ich auf immer und ewig so sagen", so Raphinha. Das Verhältnis zu Flick ist seit dem ersten Tag ein besonderes. Als der Ex-Bayern- und ehemalige Bundestrainer 2024 in Barcelona anheuerte, war Raphinha gedanklich schon weg.

"Ich war nach der Copa América mit Brasilien noch in den Ferien, als er mich anrief und mir sagte: 'Ehe du eine Entscheidung triffst, kommst du her und wir reden.' Natürlich bin ich dem nachgekommen, ich war noch bei Barcelona unter Vertrag. Er sagte mir, dass er das Gefühl habe, dass ich noch sehr wichtig für die Mannschaft werden würde. Und dass die Mannschaft wichtig werden würde, um mich als Spieler zu verändern. Heute muss man im Rückblick sagen: So kam es auch", erinnert sich Raphinha.

Das Gespräch mit Flick, das Raphinha als entscheidend für seinen Entschluss in Barcelona zu bleiben ansieht, habe nicht lange gedauert, aber "wenn ein Trainer dir Vertrauen vermittelt, reichen wenige Worte. Und ich habe sofort gespürt, dass er mir absolutes Vertrauen entgegenbringt. Die Beziehung zwischen Trainer und Spieler ist die wichtigste im Fußball." Seit dieser Saison ist Raphinha erster Kapitän bei Barça - ein Amt, von dem er gar nicht wusste, "dass ich es so gern ausüben würde, dass ich es so sehr genieße, Verantwortung zu spüren und zu tragen."

Erster Kapitän auf ungewohnter Position - Raphinha hat sich mit 29 noch einmal neu erfunden. Er ist als Nummer neun Barças erster Verteidiger im pressingintensiven Spiel gegen den Ball und hauptverantwortlich fürs Toreschießen. Und er führt eine Mannschaft an, aus der Flick ein Monster erschaffen hat und für die die Wettquoten auf den Champions-League-Titel 2027 sukzessive fallen.

2030 womöglich letzte Chance für den sechsten Stern mit Brasilien

Der Henkelpott ist das erklärte Ziel nach fünf nationalen Titeln in den letzten zwei Jahren. "2025 gegen Inter (Halbfinal-Aus nach 3:4 und 3:3, Anm. d. Red.) hatten wir nicht die Reife, um solche Spiele zu verwalten. Jetzt fühlen wir uns besser vorbereitet. Wir haben alles, um jeden Titel zu holen", sagte Raphinha der "SZ".

Der große internationale Wurf war ihm bislang nicht vergönnt. Mit Barcelona dürfte Raphinha noch ein paar Chancen bekommen, mit Brasilien eher nur noch eine. Bei der WM 2030 wäre er 33 Jahre alt. Brasilien hat seit dem letzten Titelgewinn 2002 nur noch ein Halbfinale erreicht - und dort beim 1:7 gegen Deutschland die schlimmste Schmach ihrer Geschichte erlebt.

Raphinha wurde nun auserkoren, die Seleção zum sechsten Stern zu dirigieren. Er hat die Nummer 10 nicht als Wunderkind geerbt, sondern sich dieses Trikot über Umwege erarbeitet. Und seine Geschichte ist noch nicht fertigerzählt.

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