DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei -0,80 % 62.189,65 Pkt 07:45:03 Gold -0,31 % 4.025,90 USD 23:58:31 Silber -0,68 % 53,97 USD 23:58:20 Brent -0,42 % 110,28 USD 23:57:20 WTI -0,39 % 101,36 USD 23:57:49 Bitcoin -0,40 % 79.703,91 USD 00:08:30 EUR/USD -0,39 % 1,11770 USD 00:07:43 EUR/GBP +0,05 % 0,83750 GBP 00:08:30 EUR/CHF +0,49 % 0,92450 CHF 00:08:31 EUR/JPY +0,21 % 175,959 JPY 00:08:30

Raser in Berlin: Wie die Polizei Kontrollen durchführt

Nation

Mit über 100 Kilometer pro Stunde geht es über die Stadtautobahn in Richtung Flughafen. Lars und Robert verfolgen einen roten Kleinwagen. Die beiden Polizisten sitzen in einem schwarzen Auto – in Zivil. Ein Donnerstagabend im September, das eingespielte Zweier-Team will Raser aufspüren. Die Tachonadel dreht weiter: 110, kurz sogar mal 115 Stundenkilometer. Erlaubt sind auf der Stadtautobahn 80.

Robert hat eine Fernbedienung in der Hand. "Ich starte mal eine Messung", sagt er. Das Auto, mit dem die beiden unterwegs sind, ist mit dem sogenannten "Pro Vida"-System ausgestattet. Ein Instrument, mit dem die Polizei Raser auch ohne Blitzerfoto überführen kann. Auf einem Bildschirm vorne im Auto sieht Robert, was die Frontkamera einfängt. Dazu technische Daten: Abstand zum vorweg fahrenden Auto, Geschwindigkeit und Distanz.

Während der Messung kommentiert er das Geschehen für die spätere Auswertung. "Fahrzeug überholt andere Fahrzeuge mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit", beschreibt er die Situation, während es durch einen Tunnel geht. Nach gut einem Kilometer stoppt Robert die Messung. Im Schnitt fuhr das rote Auto deutlich mehr als 20 km/h zu schnell, zeigt das System an.

Die Berliner Polizei fasst jedes Jahr Hunderttausende Raser. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 1,1 Millionen Geschwindigkeitsverstöße registriert, heißt es auf Anfrage von rbb|24. Den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre gab es 2019: 1.155.472 Raser wurden damals erfasst. In diesem Jahr könnte ein neuer Rekord fallen: Zwischen Januar und Juli wurden bereits 665.937 Menschen beim Rasen erwischt.

Die allermeisten sind nur leicht zu schnell, zeigt die Statistik. Von den 1,1 Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen, die 2025 registriert wurden, waren knapp 940.000 (knapp 85 Prozent) weniger als 20 km/h zu schnell unterwegs. Dafür droht ein Bußgeld von 30 bis 70 Euro, aber keine Punkte in der Verkehrssünderkartei.

Etwa ein Prozent der Erwischten war jedoch mindestens 31 km/h und damit deutlich zu schnell unterwegs. 127-mal wurden Personen aufgegriffen, die mehr als 70 km/h zu schnell unterwegs waren. In solchen Fällen droht ein Bußgeld von mindestens 800 Euro, Punktstrafen sowie ein Fahrverbot. Wenn grob verkehrswidrig oder rücksichtslos gefahren wurde, kann auch ein Strafverfahren eingeleitet werden.

Verkehrspolizisten in Zivil, wie Robert und Lars, suchen die Raser, die deutlich über 20 km/h zu schnell fahren. Erst dann lohne sich der Einsatz, sagen sie. Die Verkehrssünder müssen nicht nur eingeholt und überholt werden, sondern auch rausgewunken, von der Autobahn geführt und in einem Gespräch mit dem Vorwurf konfrontiert werden. Das dauere. Im Fall des roten Kleinwagens rund 20 Minuten.

Die Fahrerin habe schnell nach Hause gewollt, sagt sie. "Wir haben einen gemessenen Wert von 115 Stundenkilometern", sagt Robert, weil sie mit dem Pro-Vida-System und nicht mit einer Blitzanlage gemessen haben, müssten aber noch zehn Prozent vom Messwert abgezogen werden. Trotz der Toleranzabzüge war die Frau immer noch mehr als 20 km/h zu schnell. Sie wird wahrscheinlich einen Punkt in Flensburg und eine Strafe von mindestens 100 Euro erhalten.

Dass eine Frau den Fuß so fest auf dem Gaspedal hat, ist laut der Polizei eine Ausnahme. Laut dem Fahreignungsregister des Kraftfahrtbundesamts sind mehr als drei Viertel aller Rasenden Männer. Die darüber hinaus auch besonders riskante Fahrmanöver verursachten: 645 Fälle von Raserei wurden im vergangenen Jahr von der Berliner Polizei als illegale Autorennen gewertet. In diesem Jahr wurden bis Ende Juli bereits 422 solcher Rennen registriert.

Um Rasern auf die Schliche zu kommen, wurde das Netz aus stationären Blitzern in den vergangenen Jahren immer dichter gesponnen. Aktuell gibt es 50 permanente Blitzanlagen in der Stadt, heißt es. Vor zehn Jahren waren es noch 15. Die Wirkung sei jedoch meist lokal begrenzt: "Häufig reduzieren ortskundige Fahrzeugführende ihre Geschwindigkeit lediglich im unmittelbaren Bereich der Messanlage und beschleunigen anschließend wieder", so die Pressestelle der Polizei.

Ein positives Beispiel seit jedoch eine Blitzanlage auf der A111 im Bereich des Tunnels zum ehemaligen Flughafen Tegel, heißt es. "Während sich dort vor der Installation regelmäßig mehr als zehn geschwindigkeitsbedingte Verkehrsunfälle pro Jahr ereigneten, wurden nach Inbetriebnahme der Messanlage keine entsprechenden Verkehrsunfälle mehr registriert." Trotz all dieser Maßnahmen: Es gebe immer noch genug Raser, die der Polizei entkommen. Vorgewarnt durch Blitzer-Apps oder weil sie Fahrzeuge von zivilen Verkehrspolizisten erkennen.

Den Verkehrspolizisten Lars und Robert fällt ein Porsche auf, der rund 160 km/h schnell sein könnte - also rund 80 km/h zu viel. Er beschleunigt, um hinterher zu kommen. Als sich das Fahrzeug der beiden in bester Messposition befindet und Robert damit starten will, geht der Porsche-Fahrer vom Gas. Die beiden Polizisten nehmen es sportlich: Sie scheren aus, überholen und gehen wieder vom Gas.

Wenige Augenblicke später näher sich der Porsche erneut von links. Der Fahrer guckt ins Auto der Zivilpolizisten und zieht dann geschwindigkeitskonform an ihnen vorbei. An der nächsten Ausfahrt schert er rechts rüber und winkt zum Abschied aus dem Seitenfenster. Spätestens jetzt ist klar: Er hat die Polizisten in Zivil erkannt.

Neben den fest installierten Blitzanlagen sind im Durchschnitt rund neun Blitzteams pro Tag in Berlin unterwegs, die sich mit Handlasermessgeräten an wechselnden Orten positionieren. Mehr als 3.000 solcher Einsätze führt die Polizei laut eigener Angaben pro Jahr durch. Außerdem haben die Berliner Verkehrswächter noch sechs sogenannte "Enforcement Trailer" oder kurz EFT. Gemeint sind damit mobile Blitzanlagen, die auf einen Pkw-Anhänger montiert sind.

Allein für Geschwindigkeitsverstöße wurden im vergangenen Jahr Bußgelder in einer Gesamthöhe von 37.877.736,65 Euro ausgestellt. Seit 2019 hat sich dieser Wert nahezu verdoppelt. Zum einen liegt das an den immer dichter werdenden Kontrollen, zum anderen aber auch an Erhöhungen der Strafzahlungen. Werden auch andere Verstöße mit einbezogen - überfahrene rote Ampeln, Falschparken und andere - wurden zuletzt Bußgelder in einer Höhe von 118,9 Millionen Euro ausgestellt.

Manchmal endet die Jagd nach Rasern auch ganz anders: Später am Abend in der Innenstadt fällt Robert und Lars ein Auto auf. Der Fahrer war kurz vor einer Ampel in Friedrichshain-Kreuzberg über eine durchgezogene Linie gefahren, um zu wenden. Die beiden Polizisten fahren hinterher. "Selbstgesteller" nennen sie solche Fahrer, die mit einer Ordnungswidrigkeit auf sich Aufmerksam machen. Nicht selten zeigten sich in solchen Fällen weitere Delikte beim Check von Fahrzeug und Fahrer.

Schon kurz nachdem sie den Wagen angehalten haben, zeigt sich: Roberts Instinkt war richtig. Das Auto hat kein gültiges Tüv-Siegel, der Fahrer zunächst keine Papiere dabei. Er ist kein Deutscher, die Kommunikation ist schwierig. Aber schnell wird klar: Das Auto soll erst kurzfristig erworben worden sein, er wollte es für seine zwei Begleiter in eine ruhige Ecke fahren, damit sie darin schlafen können. Das Problem: Der Fahrer ist vorbestraft und auf Bewährung - und das Fahren mit einem unversicherten Auto ist eine Straftat.

Zehn Stunden sind Berliner Verkehrspolizisten pro Schicht unterwegs. Manchmal fahren sie einen Großteil davon die Autobahn hoch und runter, ohne einen Raser zu finden. An diesem Donnerstag stehen sie um kurz nach Mitternacht an der Warschauer Brücke und warten auf einen Gefangenentransporter für den Fahrer ohne Papiere. Und auf den Abschleppdienst. Danach müssen sie noch stundenlang Papierkram erledigen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren