Rassismus gegen Mbappé - Macron schaltet sich ein
Frankreichs Fußballverband FFF kündigte an, juristisch gegen die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia vorzugehen. Ihre Bemerkungen seien "verabscheuungswürdig und inakzeptabel", hieß in einer Stellungnahme des Verbands. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen öffentlicher Beleidigung auf rassistischer Grundlage sowie wegen öffentlicher Aufstachelung zu Hass oder Gewalt ein, wie die Behörde in Paris mitteilte. Amarilla de Boccia hatte nach dem WM-Achtelfinale zwischen Paraguay und Frankreich (0:1) über Mbappé unter anderem geschrieben, er sei ein "kolonisierter Kameruner", der den harten Franzosen spiele, "voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich, arrogant und hässlich". Mbappé, der für Frankreich das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg gegen Paraguay im Sechzehntelfinale der WM erzielte, ist in Paris geboren, seine Eltern stammen aus Kamerun und Algerien. "Sie sind eine verachtenswerte Frau und unwürdig Ihres Amtes", schrieb der Stürmer von Real Madrid. Sie vertrete nicht das Paraguay, das während der WM "von Leidenschaft und Ehre durchdrungen" gewesen sei. Er werde Menschen wie Amarilla de Boccia "niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der Welt zu verbreiten". Macron: "Ein weiteres Tor für Mbappé - gegen Rassismus" "Ich sichere unserem Kapitän, den Spielern und ganz allgemein allen Opfern solch abscheulicher Äußerungen meine volle Unterstützung zu", schrieb Frankreichs Verbandspräsident Philippe Diallo: "Die Spieler der französischen Nationalmannschaft repräsentieren Frankreich. Es ist unser Land, das hier beleidigt wird." Die Äußerungen seien "strafbar" und "verwerflich". Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron meldete sich zu Wort. "Ein weiteres Tor für Kylian Mbappé. Diesmal gegen Rassismus", teilte der 48-Jährige mit: "Ich unterstütze ihn voll und ganz. Wenn Worte verletzen, setzen unsere Werte ein Zeichen: Würde, Respekt, Brüderlichkeit." Senatorin bedauert Teile ihrer Aussagen Amarilla de Boccia hatte Mbappé darüber hinaus als "Trottel" bezeichnet, der "nicht mal schreiben gelernt" habe: "Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen. Hättest du ihm doch den Mittelfinger gezeigt, Orlando Gill. Ich mache das im Senat auch, und da passiert überhaupt nichts!" Nach Spielende hatte Mbappé Paraguays Torwart Orlando Gill den Handschlag verweigert. Amarilla de Boccia veröffentlichte später einen Brief und erklärte sich. Kernbotschaft: Ihr Problem sei zwischen ihr und dem Spieler - es beziehe sich nicht auf das Land Frankreich. Sie bedauere Teile ihrer Aussagen. "Schon nach kurzer Zeit bereute ich es, dich mit denselben Beleidigungen beschimpft zu haben, die ich selbst zu hören bekomme", schrieb Amarilla de Boccia. Auch sie werde als Latina und wegen ihrer Hautfarbe angegangen. Amarilla de Boccia forderte dann selbst eine Entschuldigung von Mbappé - und setzte zu neuen herben Aussagen an. Sie warf ihm geschlechtsspezifische Gewalt in seinen Äußerungen über sie vor und drohte ebenfalls mit rechtlichen Schritten, sollte er diese nicht zurücknehmen. Mbappé warnt stets vor Rechtsextremismus Mbappé bezieht immer wieder politisch Stellung. Vor der WM hatte er seine Warnung vor der extremen Rechten in Frankreich erneuert und damit die Spitze des Rassemblement National (RN) gegen sich aufgebracht. In einem Interview der Zeitschrift "Vanity Fair" sagte Mbappe: "Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen." 2027 steht in Frankreich die Präsidentschaftswahl an. Als Fußballspieler habe er das Recht, wie jeder andere seine Meinung zu äußern, sagte Mbappé. Während der EM 2024 hatte Mbappé vor der Parlamentswahl 2024 in Frankreich ebenfalls gegen das RN Stellung bezogen.