Rätsel um Venezuelas Ölmilliarden: Wo ist das Geld?
Venezuelas Öl-Milliarden Wo ist das Geld? Von t-online Aktualisiert am 30.07.2026 - 06:09 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die USA haben große Mengen Öl aus Venezuela verkauft. Doch was ist mit den Erlösen geschehen? Donald Trump versprach den Venezolanern nach dem Sturz des Diktators Nicolás Maduro, dass Millionen Dollar aus dem Ölexport des Landes treuhänderisch von den USA für sie verwaltet werden. Er macht sich sogar selbst dafür zuständig: "Donald Trump schützt Venezuelas Öleinnahmen zum Vorteil des amerikanischen und venezolanischen Volkes", hieß es in einer präsidialen Anordnung. Doch jetzt stellt sich die Frage: Wo ist das Geld aus dem Verkauf des Rohstoffs? Das US-Außenministerium, dessen Chef der Trump-Vertraute Marco Rubio ist, schreibt auf seiner Webseite: "Wir werden sicherstellen, dass diese Gelder transparent und zum Wohle des venezolanischen Volkes verwendet werden." Doch von Transparenz ist wenig zu sehen, wie jetzt die "Financial Times" (FT) herausgefunden hat. Reporter der Zeitung haben ausgerechnet, dass die USA etwa 13 Milliarden US-Dollar (etwa 11,3 Milliarden Euro) seit dem Umsturz im Januar mit Ölverkäufen eingenommen haben. Trump regiert die USA: der Newsblog Spannungen: Venezuela tritt aus Internationalem Strafgerichtshof aus US-Geschäftsträger nennt keine konkreten Zahlen Die Zeitung kalkulierte die Einnahmen basierend auf Daten der Handelsplattform Argus Media und dem Logistikanalysten Kpler. Die Regierung von Venezuela hatte eine Webseite eingerichtet, die die Ölverkäufe anzeigen soll, doch dort ist nur ein Eintrag aus dem März zu sehen. Dabei könnte das Land das Geld nach dem verheerenden Erdbeben am 24. Juni dringend für den Wiederaufbau gebrauchen. John Barrett, der US-Geschäftsträger in Caracas, erklärte laut der Zeitung Anfang Juli, dass Mittel aus den Öl-Einnahmekonten "für diese konkreten Wiederaufbaumaßnahmen bereitgestellt" würden, nannte jedoch keine genauen Zahlen. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst von Treuhänderschaft gesprochen, dann sagte er, die USA würden "eine Menge Geld mit Öl aus Venezuela" verdienen. Amerikanische Politiker wollen jetzt wissen, wo die Gelder sind. "Bei Trumps Invasion in Venezuela ging es von Anfang an um Öl, Macht und Korruption, wobei Milliarden von Dollar an venezolanischen Öleinnahmen von der Trump-Administration ohne Transparenz oder Schutzvorkehrungen kontrolliert werden", sagte Joaquin Castro, ein prominentes demokratisches Kongressmitglied, der "Financial Times" und fügte hinzu, dass der Kongress "im Dunkeln gehalten" werde. Am vergangenen Dienstag fragte laut "FT" die republikanische Abgeordnete María Elvira Salazar nach einem Bericht über den Verbleib der Ölmilliarden. Das amerikanische Energieministerium hatte im Januar erklärt, dass die USA das Öl aus Venezuela dem Weltmarkt anbieten. "Alle Erlöse aus dem Verkauf von venezolanischem Rohöl und Ölprodukten werden zunächst auf von den USA kontrollierten Konten bei weltweit anerkannten Banken verbucht, um die Rechtmäßigkeit und Integrität der endgültigen Verteilung der Erlöse zu gewährleisten. Diese Mittel werden nach Ermessen der US-Regierung zum Wohle der amerikanischen und der venezolanischen Bevölkerung ausgezahlt", heißt es auf der Webseite des Ministeriums. US-Außenministerium soll Finanzen von Venezuela kontrollieren Im April hatte Michael Kozak, Sprecher des US-Außenministeriums, bekannt gegeben, dass drei Milliarden US-Dollar aus Ölgeschäften nach Venezuela geschickt wurden und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG den Transfer prüfe. Es wurden vierteljährliche Berichte angekündigt. Aber demokratische Abgeordnete aus dem auswärtigen Ausschuss im Kongress sagten der Zeitung, sie hätten keine erhalten. Vergangenen Dienstag sagte er laut "FT": "Es ist zwar ihr Geld, aber... sie müssen unsere Genehmigung einholen." Es seien Mittel bereitgestellt worden, um Kosten wie die Gehälter der Regierungsangestellten und Ausrüstung für die Ölindustrie zu decken, erklärte er. Wie die "New York Times" vor Kurzem berichtete, soll Außenminister Marco Rubio de facto Venezuela verwalten und einen großen Teil der Staatsfinanzen kontrollieren. Er sei in ständigem Kontakt mit der vorläufigen Maduro-Nachfolgerin Delcy Rodríguez, zum Teil auch über WhatsApp und auf Spanisch. Das US-Finanzministerium nehme die Einnahmen aus dem Großteil der venezolanischen Exporte entgegen und leite sie anschließend über das venezolanische Bankensystem weiter. Rubio und sein Team legen aber laut "New York Times" fest, wofür dieses Geld ausgegeben werden darf und von wem. Doch wo genau das Geld ist, ist unklar. José Guerra, ein venezolanischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Abgeordneter der Opposition, sagte, die Öleinnahmen sollten deutlich höher sein als in den vergangenen Jahren. "Wo ist das Geld? Es gibt keine Transparenz, und die US-Regierung gibt uns keine Auskunft."