Ratzeburg im Kino-Fieber: "Adams Acht" feiert Weltpremiere am Küchensee
Stand: 22.08.2026 13:14 Uhr
Im schleswig-holsteinischen Ratzeburg ist 2025 deutsche Ruder-Geschichte verfilmt worden. Am Freitag kam das Filmteam an den Drehort zurück und feierte die Weltpremiere von "Adams Acht" - mit einer Open-Air-Veranstaltung in Ratzeburg.
von Linda Ebener
Damit hatte kaum jemand gerechnet: Der legendäre Deutschland-Achter und dessen Trainer Karl Adam gewannen bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom überraschend die Goldmedaille. 2025 wurde die Geschichte in Ratzeburg am Küchensee verfilmt - genau dort, wo die Ruderer damals für Olympia trainiert hatten. Sechs Wochen dauerten die Dreharbeiten - und genau dort feierte der Film nun Premiere.
Hauptdarsteller Masucci: "Die Figur erzählt Zeitgeschichte"
"Karl Adam war toll. Das habe ich mir ausgesucht, das wollte ich gerne machen", sagt Schauspieler Oliver Masucci, "weil das eine Figur ist, an der die ganze Zeitgeschichte erzählt wird: Demokratiewerdung, Wirtschaftswunder, ein Ziel haben, die Kraft, die es braucht, um das Ziel zu erreichen, was man sich gesetzt hat und sich zu überwinden, das dann auch zu schaffen und dafür zu leiden", so der Darsteller. Vergangenes Jahr im Spätsommer fanden die Dreharbeiten in und um Ratzeburg statt. Nun sind die Schauspielerinnen und Schauspieler für die Premiere zurückgekehrt.
Für den 34-jährigen Leonard Kunz - er spielt den Ruderer und Schlagmann Manfred Rulffs - fühlt es sich an wie nach Hause kommen: "Das ist eine der schönsten Ecken in Deutschland. Letztens war ich von Hamburg auf dem Rückweg nach Berlin und bin wieder durch Ratzeburg gefahren - und ich fühle mich hier unheimlich wohl."
Kino-Open-Air mit Campingstühlen und Decken
Der Film "Adams Acht" hat nun eine Open-Air-Premiere in Ratzeburg gefeiert, direkt mit seitlichem Blick auf den Küchensee, ein Drehort des Films. Ein paar Tropfen Regen fallen vor der Filmpremiere, doch dann werden die rund 700 Gäste mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Das Interesse an dem Film sei zuvor schon riesig gewesen, sagte eine Sprecherin vorab. Die Karten im freien Verkauf seien so schnell ausverkauft gewesen, dass noch zwei weitere Filmvorführungen geplant wurden.
In Ratzeburg haben sich viele Campingstühle und Decken mitgebracht und platzieren sich vor der aufblasbaren Leinwand. Vor Filmstart können auch noch Bilder mit den Stars gemacht werden. Dann geht es endlich los.
Letzter noch lebender Ruderer aus dem Achter bei der Premiere
Die Gäste sind begeistert, ihre Heimatstadt auf großer Leinwand zu sehen. "Der Film war großartig! Und ich als Ruderin habe das auch sehr genossen, diese Unterwasseraufnahmen und diese technischen Detailaufnahmen. Das fand ich sehr gut gemacht", sagt eine Zuschauerin. "Man hat ihn sehr gut getroffen, das macht sich an vielen Kleinigkeiten fest. Zum Beispiel, wenn dieses Boot über das Wasser schießt, das Geräusch, so ein leises Plätschern. Dann läuft einem Ruderer sofort Gänsehaut über den Rücken", meint ein anderer Besucher.
Ebenfalls vor Ort waren die Töchter von Karl Adam und Klaus Bittner, der letzte noch lebende Ruderer aus dem legendären Achter von 1960: "Der Film war gut", so Bittner, aber: "Meine Erinnerungen sind natürlich anders, weil der Film das nicht wiedergeben kann. Aber ich bin froh, dass das Rudern so gut auf die Leinwand gebracht worden ist, und dass das Rudern und die Zeit damals ganz gut getroffen worden sind." Bittner war auch schon bei den Dreharbeiten zu Besuch. Das sei "Nostalgie pur" gewesen, so Bittner: "Das Bootshaus, der Steg und dieser Platz hier - das ist unverändert geblieben seit damals. Und auch der See und die landschaftliche Atmosphäre, alles ist so geblieben". Selbstverständlich hatte er bei seinem Besuch bei den Dreharbeiten die Goldmedaille von Olympia 1960 getragen.
Der Geist von Karl Adam noch heute in Ratzeburg spürbar
In Ratzeburg ist sein alter Trainer Karl Adam immer noch ganz präsent in den Köpfen, auch bei Jörn Harder. Er ist Vorsitzender des Ratzeburger Ruderclubs: "Eine Tochter von Karl Adam rudert bei uns. Ein sehr verdientes Klubmitglied und eine Herzensdame im Klub, die wir alle sehr gerne haben", erzählt er. "Allein da ist Karl Adam immer präsent und natürlich berufen wir uns auch auf die Tradition von Karl Adam. Das ist derjenige, der den Funken für unseren Ruderclub gesetzt hat."
Nach zwei Stunden ist der Film vorbei - die Gäste sind begeistert, können sich nicht mehr auf ihren Plätzen halten und jubeln den Schauspielerinnen und Schauspielern zu. Ein voller Erfolg einer Weltpremiere in Ratzeburg.