Reality-TV-Star Leyla Heiter eröffnet Penny-Filiale
„Ich sag schon, dass Kim K mein Vorbild ist, sie hat es nach ganz oben geschafft“, sagt Reality-TV-Darstellerin und Influencerin Leyla Heiter und strahlt. Sie steht vor den Eisfächern einer Penny-Filiale in Frankfurt-Praunheim, umringt von Kameras. Ihre Schuhe sind hoch, sie glitzern silbern, über dem Riemchen hat sie ihr Geburtsjahr tätowiert: 1996. Auch das Kleid glitzert: pink. Oft wird es zurechtgerückt und der Lipgloss nachgeschminkt, alles soll perfekt sitzen. Über den Kühltruhen neonpinke Schriftzüge: Pizzamour, Great Catch und Cool Like You steht da. Weiter hinten grüßt eine goldene Statue von Leyla Heiter in Originalgröße, daneben eine riesige goldene Palme. Zwischen Zigarettenregal und Alkoholtheke hängt ein Gemälde, es zeigt Heiter mit Ehemann und Reality-TV-Partner Mike. In ihrer rechten Hand hält sie einen Döner, neben den beiden steht eine Penny-Einkaufstüte mit Obst. Ein bisschen Kardashian-Feeling für Frankfurt. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. F.A.S. jetzt lesen Leyla Heiter, der zwei Millionen Menschen auf Instagram und 1,1 Millionen auf Tiktok folgen, eröffnet an diesem Donnerstagmittag bei 35 Grad das „Leylaland“, ihre eigene Penny-Filiale. Bekanntheit und Image der Influencerin tragen, so hofft zumindest Penny, zur Popularität der Marke und vielen Einkäufern bei. In den sozialen Medien postet Leyla Heiter Inhalte zu Kosmetik, Outfits oder Ernährung. Und natürlich zu Mike, mit dem sie erst am Tag zuvor aus dem Tunesien-Urlaub heimgekehrt ist. Leyla Heiter hat so ziemlich jedes Reality-TV-Format durchgespielt: „Dschungelcamp“, „Promi Big Brother“, „Ex on the Beach“, „Let’s Dance“. Sie ist der Inbegriff von berühmt und normal: für Penny nicht so teuer wie eine Kim, aber mit einem gewissen kiezigen Image. Softeis und Waffeln gratis Vorab wurde das Projekt nur kryptisch angekündigt. „Glaubt mir, in dieser Filiale steckt so viel Leyla, dass man schon denken könnte, ich wäre selbstverliebt. Aber ganz ehrlich, wir müssen uns alle selbst lieben“, so Leyla Heiter in einem Video auf Instagram. Man konnte also gespannt sein. Der Penny sieht dafür aber ziemlich normal aus. Normal sind auch die Besucher: ein Querschnitt aller Altersgruppen, die an so einem Vormittag einkaufen gehen. Ein paar ältere Frauen, die wahrscheinlich auch dafür zuständig sind, zu beobachten, was in der Nachbarschaft passiert. Jungs, die in den Sommerferien herumlungern und gerne Softeis und Waffeln gratis abstauben. Aber eben auch: Mädchen mit ihren Freundinnen und Müttern, die Heiter persönlich kennenlernen wollen. Ein „Leylaland“ zu eröffnen, ist Influencer-Marketing der neuen Generation, kein Pop-up-Store, sondern ein Versuch, dauerhaft aufzufallen. Discounter kooperieren schon lange mit Prominenten. Aldi 2019 mit Philipp Lahm, Lidl mit einer Heidi-Klum-Modekollektion. Nena war 2019 Werbebotschafterin für die Penny-Bio-Eigenmarke „Naturgut“. In der sehr erfolgreichen Serie „Die Discounter“, die von den Mitarbeitern des chaotischen Supermarkts „Feinkost Kolinsky“ in Hamburg erzählt, tauchen immer wieder unvermittelt Prominente auf, die Joghurt oder Radieschen kaufen gehen. Seitdem können sich sehr viele junge Menschen vorstellen, dass es genau so läuft: Man steht gerade an der Frischetheke, und der Held aus der Berliner Gangsterserie greift im selben Moment nach dem Ziegenkäsequark. „Wer mich kennt, weiß, was ich am meisten liebe“ Imagebildend für Penny wiederum war zuletzt eine Spiegel-TV-Dokumentation über Deutschlands berühmtesten Kiez-Supermarkt (bereits aus dem Jahr 2007): den Penny an der Reeperbahn. Die Doku-Reihe zeigt merkwürdig aufdringlich Obdachlose, morgendlich verkaterte Feiergäste und Alkoholabhängige, die tagein, tagaus den Supermarkt besuchen. Begleitet werden die kuriosen Gespräche, die sich dabei ergeben, mit Akkordeon-Musik. Ein heimliches Vorbild für „Die Discounter“? Eine Welle von Internet-Memes aus dem Jahr 2020 brachte den Film bei jüngeren Menschen ins Gespräch, der „Kiez-Penny“ wurde zum meistgefilmten Supermarkt in Deutschland. Daher wohl die Instagram-Werbung von Penny mit jungen Paaren und chilligen Atzen (also Leuten von nebenan). Auch zwei Supermärkte auf dem Elektro-Festival Parookaville, zu dem immerhin 225.000 Menschen kamen, sollten den Markt beliebt machen. Das ist nötig, denn Penny geht es im Vergleich zu seinen Konkurrenten Aldi, Lidl und Netto nicht besonders gut. Er rangiert irgendwo am Ende der Tabelle, in Umsatz wie Wachstum. Also kann eine Leyla Heiter als Markenbotschafterin nicht schaden. Die bleibt gerade vor dem Kühlregal hinter der Frischetheke stehen und zeigt auf einen großen Karton mit Ayran. „Ich trinke zwei bis drei pro Tag“, sagt sie. Ihre Fans wüssten das. Sie wüssten auch, welche Produkte sie künftig im Penny platzieren würde, weil sie sie selbst so gerne mag. „Ich darf nicht zu viel verraten, aber ich würde mal sagen: crunchy. Und wer mich kennt, der weiß, was ich am meisten liebe“. Eine Art Challenge also für die künftigen Kunden. Dann geht es weiter zur goldenen Leyla-Statue neben der goldenen Palme. Eigentlich sollte Champagner aus ihrer Hand spritzen. Aus der Hand? Aber hier bei Penny gibt es Sekt zu kaufen. Also eben Sekt. Menschen mit Bezug zur Realität trinken sowieso lieber Sekt. Aber was ist das an den Einkaufswagen im „Leylaland“? Natürlich, eine Selfie-Halterung. Der Besuch soll ja gefilmt und im Internet geteilt werden. Wer weiß, wem man begegnet oder was sich auf so einer Reise durch die Produktpalette von Penny auch emotional entwickeln könnte. Heiter hält, was ihr Name verspricht, jetzt sind die Kundinnen und Kunden gefragt, das Beste aus ihrem Angebot zu machen: „Selbst, wenn man traurig ist, aber noch Milch braucht, kommt man wieder glücklich raus.“