Rebellen bekennen sich und attackieren erneut: Zwölf Tote bei Angriff auf Flughafen von Riad – Ministerin Reiche sitzt fest
Bei einem neuen Angriff auf den internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad hat es am Sonntag wieder Verletzte gegeben. Die saudiarabische Luftfahrtbehörde teilte mit, der neue Angriff am Sonntagnachmittag habe mehrere Verletzte zur Folge gehabt. „Die Beurteilung der Schäden und die Überprüfung der Sicherheit der Anlagen dauern noch an“, fügte die Behörde hinzu.
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die jemenitische Huthi-Miliz hatte zuvor mitgeteilt, ein Geschoss sei im Terminal 4 des Flughafens eingeschlagen und habe einen Brand ausgelöst. Die Luftabwehr habe zudem „einen Marschflugkörper in der Nähe des Flughafens abgefangen und zerstört“, teilte der Koalitionssprecher Turki al-Maliki mit.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP und Bewohner Riads hatten zuvor zwei starke Explosionen gehört. „Das ganze Haus hat gebebt“, berichtete ein Mann aus dem Stadtviertel Al-Aarid im Norden der Hauptstadt. Nach Angaben von Anwohnern eilten zudem Rettungswagen zum Flughafen, der im Nordosten der Hauptstadt liegt. Gut eine Stunde später wurde Riad erneut von zwei heftigen Explosionen erschüttert.
Angriffe auf Dammam und Vergeltung gegen Jemens Hauptstadt Sanaa
Am Samstag wurden bei einem Angriff auf den Flughafen Riad nach Angaben der staatlichen Luftfahrtbehörde zwölf Menschen getötet, 309 weitere wurden demnach verletzt, einige schwebten in Lebensgefahr.
Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bekannten sich in einer Fernsehansprache zu dem Angriff. Zudem erklärte die Gruppierung, sie habe den Flughafen Dammam sowie Anlagen des Ölkonzerns Aramco in der Ostprovinz Saudi-Arabiens angegriffen. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kündigte an, „mit Entschlossenheit auf diesen terroristischen Angriff zu reagieren“.
Saudi-Arabien attackierte nach Angaben der Huthi am Sonntag den Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Saudische Kampfjets hätten den Airport bombardiert, berichtete die von den Huthi kontrollierte Nachrichtenagentur Saba.
Wadephul verurteilt Angriffe scharf – Reiche kommt nicht weg
Außenminister Johann Wadephul verurteilte den Angriff scharf. Auf der Plattform X sprach der CDU-Politiker von einem Terrorakt gegen Saudi-Arabien und die zivile Luftfahrt. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, den Angehörigen gilt mein tiefes Beileid“, schrieb Wadephul weiter.
Wegen der Angriffe wurde der Betrieb am King-Chalid-Flughafen vorübergehend eingestellt. Davon betroffen ist auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die an der „Energy Week“ in Riad teilgenommen hatte. „Aufgrund der Sperrung des Flughafens kann die für morgen geplante Rückreise voraussichtlich nicht wie vorgesehen stattfinden“, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Es würden auch „alternative Rückreisemöglichkeiten geprüft“, etwa über die katarische Hauptstadt Doha. Auch Reiche verurteilte den Terrorakt der Huthi. Er erfülle sie mit „Entsetzen und tiefer Trauer“, schrieb sie auf X.
Laut der Luftfahrtbehörde haben vier der getöteten Menschen die saudische Staatsangehörigkeit und zwei die von Bangladesch. Ums Leben kamen auch jeweils eine Person aus den USA, Ägypten, Jordanien, Syrien sowie aus dem Sudan und den palästinensischen Gebieten.
Die Verletzten wurden mit Krankenwagen und Rettungshubschraubern in Kliniken gebracht und dort zum Teil auf der Intensivstation behandelt.
Ein Augenzeuge berichtete, er habe am Flughafen eine Explosion gehört. Ein anderer Augenzeuge sagte, er habe den Einschlag gesehen. „Ich war am Gate 403“ im Terminal 3 für Inlandsflüge. „Ich sah, wie (Gate) 401 getroffen wurde, ich sah Verletzte direkt vor meinen Augen. Alle rannten.“ Drei Augenzeugen berichteten, der Flughafen sei geräumt worden, es habe Panik gegeben. Laut Flightradar sollte von diesem Gate ein Flug der Airline Saudia nach Medina starten. Dieser und viele weitere Flüge wurden gestrichen.
Auch US-Präsident Donald Trump hat den Angriff verurteilt. „Was in Saudi-Arabien passiert ist, ist nicht akzeptabel“, sagte Trump am Samstag auf dem Regierungsflughafen Joint Base Andrews vor Journalisten. Er werde mit Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman darüber „sprechen“.
Die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt. „Diese Angriffe stellen eine schwerwiegende Eskalation dar“, erklärte der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, am Samstag in New York. „Solche Handlungen sind eine ernsthafte Gefahr für die regionale Sicherheit, verstetigen Kreisläufe der Gewalt und komplizieren die Friedensbemühungen für den Jemen noch mehr.“
Bundesregierung warnt Reisende
Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war auch der Konflikt im Jemen wieder eskaliert. Zudem griffen die Huthis mit Drohnen und Raketen verstärkt Flughäfen, Ölanlagen und andere zivile Ziele in Saudi-Arabien an.
Die Bundesregierung rät bis auf Weiteres dringend von der Nutzung des Flughafens Riad ab. Wie das Auswärtige Amt am Samstag in Berlin mitteilte, muss in Saudi-Arabien mit weiteren Luftangriffen sowie mit Beeinträchtigungen des Flugverkehrs gerechnet werden. Auch die USA, Spanien und Kanada warnen ihre Staatsangehörigen. (vib, jmi, dpa, AFP, Reuters)