Rechenzentren-Boom in SH: Was bedeutet das für Anwohner?
Von außen unterscheidet sie wenig von großen Lagerhallen. Bei begrenzt verfügbarer Fläche gehen Projektierer gerne in die Höhe. In Langenhorn besteht der Wunsch, 22 Meter hohe Gebäude mit fünf Meter hohen Aufbauten unter anderem für die Klimatisierung zu errichten. Die Grundstücke sind umzäunt. Rechenzentren, die kritische Daten verarbeiten, verlangen spezielle Sicherheitsstandards und sind daher stärker abgeschirmt. Diese müssen auch größere Abstände zum Beispiel zu Munitionsdepots einhalten. Rechenzentren müssen sich an geltende Grenzwerte halten. Die geplanten Standorte befinden sich meist in Gewerbegebieten mehrere Hundert Meter von Wohnsiedlungen entfernt. Leichte Geräusche entstehen durch die Lüftung. Transformatoren surren etwas. Entscheidend ist die Nähe zu Umspannwerken, da zusätzliche Stromleitungen hohe Kosten verursachen würden. Ja. Im ländlichen Raum wird die meiste Wärme voraussichtlich ungenutzt in die Umgebung abgegeben. Nach einer Studie der Universität Cambridge kann dadurch die Temperatur im direkten Umfeld um wenige Grad steigen. Bei frischem Wind ist der Effekt geringer. Stromausfälle betreffen Schleswig-Holstein durchschnittlich nur sechs Minuten im Jahr. Einmal im Monat müssen die Dieselgeneratoren nach Angaben der Projektierer in Langenhorn jedoch für etwa eine Stunde getestet werden. In dieser Zeit können rechnerisch mehrere Tausend Liter verfeuert werden. Notwendig ist die Zustimmung der Gemeindevertretung. Diese legt den Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet fest und kann darin formulieren, welche Art von Unternehmen sich dort ansiedeln dürfen. Im Verfahren können Bürger und Verbände Einwendungen einreichen, die dann abgewogen werden. Auch Vorgaben zu Höhe und Abständen sind möglich. Jedoch setzt die Landesplanung Grenzen: Kleine Gemeinden dürfen keine großen Gewerbegebiete ausweisen. Deshalb versucht die Gemeinde Schuby jetzt grünes Licht durch eine Kooperation mit Schleswig und den Umlandgemeinden zu bekommen. Mehrere Millionen Euro pro Jahr. In Langenhorn nannten Projektierer als Faustregel die Summe von 25.000 bis 40.000 Euro pro Jahr und Megawatt. Zudem stellten sie Garantiezahlungen ab dem ersten Betriebsjahr in Aussicht. Ohne diese Zusage würde es mehrere Jahre dauern, bis die Investitionen abgeschrieben sind und Gewerbesteuer tatsächlich fließt. Mit dem Plus in der Gemeindekasse können sich kleine und mittlere Orte viele Extras leisten - vom Ausbau der Schulen und Sportanlagen bis zur Straßenunterhaltung. Einen Teil müssen sie als Umlagen abgeben. Davon profitieren wiederum der jeweilige Kreis und das Land Schleswig-Holstein. Bisher noch nicht. Die Energie wird dem Stromnetz entnommen, in das europaweit sämtliche Kraftwerke einspeisen. Der Anteil erneuerbarer Energie lag 2025 in Deutschland bei 55 Prozent. Er schwankt stündlich, erreicht aber selten 100 Prozent. Durch neue Rechenzentren entsteht also im Moment noch zusätzlicher Bedarf, den vor allem Gas- und Kohlekraftwerke decken. Das belastet das Klima und verteuert den Strompreis. Langfristig sollen günstige erneuerbare Energien aber den gesamten Strombedarf decken. Bereits jetzt werben einige Betreiber mit Klimaneutralität. Die Bilanzierung mit Ökostrom-Zertifikaten ist aber umstritten. Insbesondere mit dem massiven Ausbau von Windenergie auf der Nordsee ab 2030 wird immer mehr Strom im Norden generiert. Wenn er hier genutzt wird, bleiben die Leitungswege kurz. Damit entstehen weniger Kosten für Stromkunden und Steuerzahler, als wenn die Rechenzentren im Süden gebaut würden. Wind- und PV-Anlagen müssen dann auch nicht so oft abgeschaltet werden, weil das Stromnetz die Energie nicht abtransportieren kann. 2025 betraf dies nur 3,5 Prozent der erneuerbaren Strommenge in Schleswig-Holstein. Doch der Wert könnte steigen, da sich der Netzausbau nach Süden verzögert. Apple, Meta, Google oder europäische Dienstleister überlassen die erste Phase oft den Projektierern vor Ort. Diese suchen nach potenziell geeigneten Flächen und schließen Vorverträge mit den Eigentümern ab. Bekannt ist dieses Vorgehen bereits bei Wind- und Solarparks. Es folgt die Entwicklung zur Baureife, verbunden mit viel Bürokratie. Einige Projektierer verhandeln parallel mit Banken, um die Milliardeninvestitionen zu finanzieren. Erst dann entscheidet sich, wer die Rechenzentren letztlich für KI oder Cloud-Speicher nutzt. In den vergangenen Jahren haben Musik- und Videostreaming steigenden Bedarf nach Rechenzentren ausgelöst. Fotos und Videos werden in der "Cloud" statt nur auf den Geräten gespeichert. Den neuen Boom löst die Künstliche Intelligenz aus. Nur wenige Unternehmen erzielen bisher damit Gewinne. Jedoch sind die Erwartungen hoch, sodass Milliarden investiert werden. Im Gegensatz zum gescheiterten Northvolt-Projekt erhalten die Unternehmen keine staatliche Förderung. Die Abwärme aller angedachten Rechenzentren würde rechnerisch ausreichen, um Schleswig-Holstein oder Hamburg komplett zu beheizen. Jedoch sind die Standorte meist abgelegen. Zwar sind Betreiber gehalten, bei den geplanten Anlagen 20 Prozent der Abwärme einer Nutzung zuzuführen. Doch die neue Energieeffizienzrichtlinie, die das Bundeskabinett im Juni beschlossen hat, entschärft die Vorgaben, wenn kein Abnehmer verfügbar ist. In Flensburg und Schleswig gibt es erste Überlegungen, dass Fernwärmenetze von den Rechenzentren im Umland mitversorgt werden. Die Umweltorganisation BUND fordert, den Bau von Rechenzentren landesweit mit dem Ziel zu koordinieren, die Abwärme optimal zu nutzen. Ein Ansatz wären kleinere Anlagen im städtischen Bereich. Der Wasserbedarf hängt vom Kühlkonzept ab. Bei 100 MW und Verdunstungskühlung entspricht er dem einer Kleinstadt. Ein geschlossener Wasserkreislauf muss dagegen nur gelegentlich nachgefüllt werden. Hier wird nach Angaben der Investoren in Langenhorn nur so viel benötigt, wie ein normaler Industriebetrieb braucht.