DAX +0,48 % 26.126,30 Pkt 18:00:00 MDAX -0,26 % 32.426,33 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,15 % 6.476,98 Pkt 18:00:00 Dow Jones +2,20 % 54.349,12 Pkt 23:22:16 S&P 500 +1,62 % 7.723,55 Pkt 22:41:45 Nasdaq +1,73 % 26.363,44 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,01 % 64.969,36 Pkt 03:40:25 Gold +6,18 % 4.348,60 USD 03:45:27 Silber +3,94 % 62,42 USD 03:45:12 Brent +0,93 % 80,10 USD 03:45:28 WTI 0,00 % 75,77 USD 03:45:25 Bitcoin -0,08 % 64.550,21 USD 03:55:24 EUR/USD +0,23 % 1,15580 USD 03:54:55 EUR/GBP +0,07 % 0,85790 GBP 03:55:26 EUR/CHF -0,15 % 0,93160 CHF 03:55:26 EUR/JPY +0,17 % 182,164 JPY 03:55:27

Rechenzentren-Boom: Reicht das Grundwasser im Norden?

Technologie

Stand: 05.08.2026 18:00 Uhr Vielerorts in Norddeutschland sollen Menschen Wasser sparen. Parallel werden neue Rechenzentren geplant - und die benötigen oft viel Wasser. Die Reporter des NDR YouTube-Formats Studio16 gingen der Frage nach: Reicht das Grundwasser für den Rechenzentren-Boom? von Marlene Leinkauf Ein Rechenzentrum in den USA mit 100 Megawatt Leistung verbraucht Schätzungen zufolge im Durchschnitt eine Million Liter Wasser am Tag. Zum Vergleich: Ein Deutscher verbraucht am Tag durchschnittlich rund 126 Liter Wasser. Der Verbrauch für das Rechenzentrum ist allerdings nur eine grobe Schätzung, denn genaue Zahlen sind nicht öffentlich. Zwar müssen Betreiber in der EU nach dem Energieeffizienzgesetz ihre Verbrauchswerte veröffentlichen, diese werden aber als vertraulich eingestuft und sind deshalb nicht einsehbar - ein großer Kritikpunkt. Deutschland will mehr Rechenzentren bauen Die Bundesregierung will die Rechenzentrumskapazität in Deutschland deutlich ausbauen. Insbesondere, was die Rechenleistung der Zentren für KI-Anwendungen angeht, soll Deutschland kräftig zulegen. Auch mit dem Ziel, auf den Servern sensible Daten im Inland zu halten. Im März hat die Regierung dafür sogar eine eigene Rechenzentrumsstrategie verabschiedet. Demnach soll sich die Rechenleistung in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln, die Rechenleistung für KI-Anwendungen sogar vervierfachen. Doch es könnte Hindernisse geben. Rechenzentren brauchen häufig viel Strom und Wasser. Auch wenn das Bundesministerium für Digitales die Themen Nachhaltigkeit, Energie- und Wasserverbrauch in der Rechenzentrumsstrategie behandelt: Mit potenziellen Nutzungskonflikten von Grundwasservorräten wurde sich laut Aussage einer Sprecherin nicht näher beschäftigt. Grundwasser unter Druck: Wo der Norden bereits austrocknet Dabei sind Grundwasserstände regional durch trockene Sommer, milde Winter und intensive Nutzung unter Druck: Laut einer Studie des BUND herrscht bereits in jedem zweiten Landkreis in Niedersachsen Grundwasserstress. Bedeutet: Hier wird mehr Grundwasser entnommen als nachgebildet werden kann. Auch in diesem Sommer sind Menschen bereits dazu aufgerufen worden, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Schon jetzt verbrauchen Industrie und Energieversorger laut Umweltbundesamt in Deutschland das meiste Wasser. Wasserverbrauch in Deutschland (2022): Industrie und Energieversorger: 67,7 Prozent öffentliche Wasserversorgung: 29,8 Prozent Landwirtschaft: 2,5 Prozent Norddeutschland wird attraktiver Standort für Rechenzentren Der Wasserverbrauch eines Rechenzentrums hängt von vielen Faktoren ab: dem Standort, der Größe und vor allem, welche Kühltechnik eingesetzt wird. In Deutschland gibt es laut Branchenverband Bitkom derzeit etwa 2.000 größere Rechenzentren. Die meisten davon stehen in der Region Frankfurt. Norddeutschland hinkt aktuell noch hinterher, aber das könnte sich ändern. Insbesondere der vorhandene Strom aus Windkraft lässt bereits erste Investoren anfragen, die durchaus auch sehr große Rechenzentren planen. In Schuby (Schleswig-Holstein), Dummerstorf (Mecklenburg-Vorpommern) und Mehrum (Niedersachsen) gibt es schon Gespräche zwischen Kommunen und Investoren. Auch in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) machte sich der Bürgermeister große Hoffnungen auf viele Arbeitsplätze. Die Pläne für das große Rechenzentrum dort wurden wegen Strommangels aber erst mal ad acta gelegt. Art der Kühlung ist entscheidend für den Wasserverbrauch Die Recherchen von Studio16 haben ergeben, dass der Wasserverbrauch von Rechenzentren bei den Planungen eher eine untergeordnete Rolle spielt. Eine detaillierte Prüfung, ob das Wasser in der Region reicht, gab es bislang kaum. Dazu ist nur selten bekannt, welche Kühltechnik in den Datencentern eingesetzt werden soll. Davon hängt der Wasserverbrauch stark ab. Ein Rechenzentrum mit Luftkühlung, insbesondere der sogenannten adiabaten Kühlung, braucht meist deutlich mehr Wasser als ein Rechenzentrum mit Wasserkühlung. Denn bei der Wasserkühlung wird mit einem geschlossenen Kreislauf gearbeitet. Bei der Luftkühlung wird die Luft meist mit Wasser gekühlt, das dazu einfach in die Luft gesprüht wird und verdunstet. Experte: Rechenzentren lösen "Goldrauschstimmung" aus In der Planungsphase könnten Kommunen allerdings noch direkt Einfluss auf den Wasserverbrauch nehmen, indem sie den Einsatz einer "adiabaten Kühlung" beispielsweise verbieten, sagt Max Schulze. Er ist Digitalberater und ist in der Funktion auch mit einigen Kommunen, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, im Gespräch. Schulze spricht sogar von einer "Goldrauschstimmung" in vielen Städten und Gemeinden, wenn es um den Bau von Rechenzentren geht. Dass Umwelteinflüsse bei der Standortwahl oft nur eine untergeordnete Rolle spielen, zeigt auch eine Studie der Gesellschaft für Informatik. Nutzungskonflikte bei Planung von Standorten möglich Dabei werden die Grundwasserstände in Norddeutschland regelmäßig gemessen und dokumentiert. Die Daten liefern Grundlage für Karten, die wiederum eine Grundlage für Standortentscheidungen sein sollten, auch bei Rechenzentren. "Es muss ein Standort sein, wo genug Wasser da ist und wo es nicht konkurriert mit bestehenden Wasserentnahmen", sagt Hydrogeologe Gregor Barth. Sonst seien Nutzungskonflikte durchaus zu erwarten. Kühlung von Rechenzentren - es geht auch mit weniger Wasser In Rellingen (Schleswig-Holstein) wurde gerade erst ein neues Rechenzentrum gebaut. Mit etwa fünf Megawatt Leistung zählt es aktuell schon eher zu den kleineren. Die Betreiber sind hier überzeugt von der Wasserkühlung mit dem geschlossenen Kreislauf. Sie haben eigenen Angaben zufolge einmal 80.000 Liter Wasser in die Anlage gegeben, mehr brauche man auch nicht. Es gibt also eine Lösung, doch die sei noch deutlich teurer in der Investition, sagen die Betreiber. Deshalb würden viele weiterhin auf Luftkühlung setzen. Das Datencenter in Rellingen zeigt aber auch, wie eine Kommune tatsächlich profitieren kann. Mit der Abwärme des Rechenzentrums wird die neue Grundschule beheizt. Doch auch das ist nur möglich, weil das Datencenter eher kleiner ist und so direkt an ein Wohngebiet gebaut werden konnte. Ganze Recherche zu Rechenzentren und Wasser jetzt auf YouTube

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