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Rechenzentren: Das Surren, das Techbranche und US-Bürger entzweit

Technologie

Das beschauliche Loudoun County ist etwa eine halbe Stunde vom Polittrubel in Washington entfernt. Eine ruhige, klassische Vorstadtgegend - nun, wäre da nicht manchmal dieses wahnsinnig laute Rasenmäher-Geräusch. Und die Milliardenindustrie hinter dem Geräusch, auf die große Techkonzerne wie Microsoft und Amazon setzen. Loudoun County gilt als das Daten-Mekka der USA, und eigentlich der ganzen Welt. Nirgendwo ist die Dichte an Rechenzentren so hoch wie hier. Doch während die Branche wächst, kämpfen Menschen im ganzen Land dagegen an, dass auch ihre Wirklichkeit bald so aussieht wie die von Hari Doue und ihrer Familie. Hari Doue führt eigentlich ein amerikanisches Durchschnittsleben. Sie arbeitet als Angestellte in einer Finanzberatung, hat zwei Söhne, ein kleines Reihenhaus - und eben diesen riesigen, dunkelblauen Klotz als Nachbarn. Rechenzentren werden notfalls mit Diesel betrieben In dem gewaltigen Industriebau schwirren Daten hin und her, und das rund um die Uhr. Ein Rechenzentrum schläft nicht, erst recht nicht beim wachsenden Hunger der KI-Branche. "Wenn es richtig laut ist, dann hatten sie wieder einen Stromausfall und sind nicht am Netz", erklärt Doue. Wie man sich das vorstellen kann? Na so, als würden 45 Rasenmäher gleichzeitig laufen, erklärt Doue. Doch es sei nicht nur das Geräusch, das sie beunruhige. "Wir wissen nicht, was wir da einatmen." Rechenzentren: Goldesel oder Dystopie? Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass das Rechenzentrum beinahe an Doues Vorgarten grenzt. Schon lange vor dem KI-Boom galt Loudoun als Rückgrat der Techbranche. "Wir waren das Zuhause von AOL, das damals für die meisten Menschen praktisch das Internet war", erklärt Buddy Rizer. Er kümmert sich um die wirtschaftliche Entwicklung des Countys. Ein großer Teil des weltweiten Internetverkehrs sei einst durch die Region geflossen, erzählt Rizer. Irgendwann ploppten an anderen Orten auf der Welt neue Internetknotenpunkte auf, doch die gute Infrastruktur in Loudoun blieb. Und mit ihr ein Plan, für den Rizer später vom Wall Street Journal bescheiden als "Godfather of Data Centers" getauft wurde. Mehrheit der Amerikaner lehnt Datacenters ab Die Techkonzerne suchten neue Standorte für ihre Rechenzentren - und Loudoun County bot sie ihnen. Rund 45 Prozent der Steuereinnahmen entfallen hier inzwischen auf die Datenindustrie. Quer über den County verteilt finanziere sie die Ausgaben für neue Schulen, Parks oder Bibliotheken, betont Rizer. Inzwischen stehen rund 200 Rechenzentren in der Region. Und die Nachfrage der Branche bleibt hoch: Seit mehr als 15 Jahren habe es keinen Tag mehr gegeben, an dem in Loudoun nicht an einem Datenzentrum gebaut wurde, wirbt der County auf seiner Website. Anderswo wollen sie verhindern, zum nächsten Loudoun zu werden. Mehr als 70 Prozent der Amerikaner lehnen ein Rechenzentrum in der eigenen Gegend ab, ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts. Zuletzt verhängte der Bundesstaat New York sogar ein einjähriges Moratorium gegen den Bau großer Rechenzentren. Die Begründung: Der Energiebedarf würde die Stromrechnungen der Anwohner in die Höhe kraxeln lassen, außerdem belasteten die Standorte die Umwelt. Umweltschützer kritisieren Wasserverschwendung Auch in Loudoun County sorgen sich Naturschützer um die Auswirkungen der unzähligen Rechenzentren. "Wir wissen nicht, wie viel Wasser die Rechenzentren für ihre Kühlung entnehmen", sagt Renee Grebe vom Umweltverband "Nature Forward". Den Stromhunger der Rechenzentren müssten auch Kohle- oder Gaskraftwerke stillen - und wenn es sein muss, dann eben die rasselnden Dieselgeneratoren vor Ort. Was das für die Bevölkerung bedeuten könnte, rechnete der Harvard-Forscher Michael Cork für ein ausgewähltes Rechenzentrum in Loudoun aus. Der Standort wird mit Gasturbinen und Notstrom-Generatoren betrieben - dadurch könnten laut der Modellrechnung jährliche Gesundheitskosten zwischen 53 und 99 Millionen US-Dollar entstehen. Dafür sei laut der Schätzung vor allem der zusätzliche Feinstaub in der Luft verantwortlich. Luft, die Anwohner wie Hari Doue und ihre kleine Familie vor Ort direkt einatmen. Als sie in ihr Haus zog, blickte sie auf ein braches Bauland. Seit dort das riesige Rechenzentrum in die Höhe ragt, spielen ihre Söhne seltener im Garten. "Wir wissen nicht, was aus diesem Gebäude ausgestoßen wird", sagt Doue. "Diese Gesundheitsprobleme zeigen sich ja erst nach zehn, 20 oder 30 Jahren." Rechenzentren sorgen für Tausende Jobs County-Verantwortlicher Buddy Rizer teilt diese Sorgen nicht. Die Luft in der Region sei besser als noch vor zehn Jahren, sagt er. Außerdem hätten die Datenzentren ein "Job-Ökosystem" geschaffen - rund 50.000 Beschäftigte hingen direkt oder indirekt an der Industrie. "Es hat uns zu einer der finanziell gesündesten Kommunen im ganzen Land gemacht", so Rizer. Und trotzdem sei nicht jede Baugenehmigung in der Rückschau richtig gewesen, gesteht Rizer. Doch der County lerne, mit der neuen Industrie umzugehen und die Bürger besser zu schützen. Für ihn bleiben die Rechenzentren eine Erfolgsgeschichte - trotz aller Umwelteinwände und Sorgen der Bürger. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.

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