Reeperbahn Festival tut dem Kiez gut
Musik ist heilsam und erreicht die Seele
Stand: 18.09.2026 05:00 Uhr
Das Reeperbahnfestival zieht bis 19. September 2026 Zehntausende Musikfans an. Konzerte gibt es an mehr als 80 Spielorten zu hören - auch in der St. Pauli Kirche.
von Pastor Sieghard Wilm
Als Pastor spüre ich, wie gut dieses Festival unserem Kiez tut und ich bin auch etwas stolz darauf, dass wir seit vielen Jahren dabei sind. Eine Kirche ist ja kein Clubhaus wie alle anderen. Dass hier gebetet wird, Kinder getauft werden, Liebende sich das Ja-Wort geben und die Toten beweint werden, genau das macht diesen Ort besonders kostbar. Die Veranstalter holen auf die alten Planken des Kirchenschiffs eher die leisen besinnlichen Töne, weil sie verstehen, dass es genau diesen intimen Raum braucht abseits der lauten aufgekratzten Reeperbahn.
Die Sehnsucht nach "Heilung" wurde zum Gebet
Am Donnerstagabend hat der nigerianische Soulsänger James Emmanuel das Kirchenschiff erfüllt mit seiner kraftvollen, warmen Stimme. Einer seiner Songs klingt in mir nach: "Healing". Die Sehnsucht nach "Heilung" wurde zum Gebet, zur Predigt mitten auf dem Reeperbahnfestival. James Emmanuel, dessen Stimme in einem Kirchenchor groß geworden ist. Sein Vater starb als er 16 war. Der junge Musiker hat sich hochgearbeitet gegen viele Widerstände im Leben. Mit James Emmanuel haben gestern in der rappelvollen St. Pauli Kirche Hunderte von Musikfreunden eingestimmt in dieses eine Wort "Healing", "Heilung". Das war überwältigend stark.
Musik ist heilsam und erreicht die Seele
Ist das nicht der Grund, warum Menschen Musik lieben? Klassische Musik oder Pop? Jazz oder Punk? Weil Musik eine Sprache kennt, die unsere Seele erreicht und manchmal sogar die Kraft hat, etwas in uns heilen zu können. "Healing" mit diesem Song im Ohr gehe ich über die Reeperbahn, beschwingt und nachdenklich über die Wunden, die sich zeigen und die heilsame Kraft der Musik.