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Reform der Uni Frankfurt: Präsidium will nur noch sieben Fachbereiche

Nation

Der Plan für die Zukunft der Goethe-Universität umfasst 59 Seiten. Auf ihnen legt das Unipräsidium dar, wie es die Hochschule umgestalten will, wie Fachbereiche und Verwaltung neu gegliedert werden sollen und in welchem Zeitrahmen all das geschehen könnte. Am Mittwoch soll sich der Senat der Universität in einer Klausur mit den Vorschlägen beschäftigen, die der F.A.Z. exklusiv vorliegen. Beschlüsse werden zu diesem Termin aber noch nicht gefasst.

In dem Konzept wird zunächst erklärt, warum tiefgreifende Veränderungen innerhalb der Universität nötig seien. Mit Blick auf den Sparkurs, den das Land seinen Hochschulen durch den Hochschulpakt für die Jahre 2026 bis 2031 auferlegt habe, heißt es: „Die finanziellen Rahmenbedingungen verengen sich dauerhaft und deutlich.“ Zudem sähen sich die Universitäten mit weiteren Herausforderungen konfrontiert: wachsender Wissenschafts- und Demokratiefeindlichkeit in der Gesellschaft, Fachkräftemangel und demographischem Wandel sowie der rasanten Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz.

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Aus Sicht des Präsidiums erschwert es die jetzige Organisation der Goethe-Universität mit 16 unterschiedlich großen Fachbereichen, angemessen auf diese Entwicklungen zu reagieren. Ein wesentliches Element des Zukunftsplans ist daher die Idee, ihre Zahl auf nur noch sieben zu reduzieren. In dem Entwurf wird dargestellt, welche Institute und Einrichtungen zu diesen neuen, größeren Einheiten gehören könnten. Jedes Institut sollte nach den Vorstellungen der Hochschulleitung acht bis 16 Professuren umfassen.

Hervorgehoben wird, dass Synergieeffekte zwischen den Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz genutzt werden sollen. Die drei Hochschulen firmieren vom nächsten Jahr an als Exzellenzuniversitäten und werden von Bund und Ländern über sieben Jahre mit bis zu 155 Millionen Euro gefördert.

Im Folgenden werden die Arbeitstitel der sieben Fachbereiche aufgeführt, die es nach dem Willen des Präsidiums künftig geben soll, und es wird kurz skizziert, welche Einsparungen aus dessen Sicht nötig sind.

1. Recht, Wirtschaft und Governance

In dieser Einheit sollen die bisherigen Fachbereiche Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aufgehen, die schon jetzt eng zusammenarbeiten. Die Zahl der Juraprofessuren soll um vier sinken, die der Ökonomieprofessuren um sieben. Die Wirtschaftspädagogik soll nicht weitergeführt werden, dafür könnte die Wirtschaftsinformatik, die bisher auf zwei Fachbereiche verteilt ist, in der neuen Fakultät vereinigt werden.

2. Verhaltens-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Dieser Fachbereich soll Erziehungs- und Politikwissenschaften, Soziologie, Psychologie und Sport umfassen. Außerdem besteht laut dem Konzept „großes Potential“ für die Integration von Humangeographie, Ethnologie und Kulturanthropologie. Die Erziehungswissenschaft und die Psychologie würden jeweils drei Professuren verlieren, die Sportwissenschaft müsste auf zwei Professuren verzichten und Ethnologie/Kulturanthropologie sowie die Humangeographie jeweils auf eine Professur. Die Einsparung in den Sozial- und Politikwissenschaften entspräche sechs Professuren.

3. Geschichte, Kultur und Religion

Diese Fakultät wäre der eine von künftig nur noch zwei statt fünf geisteswissenschaftlichen Fachbereichen. Den Geisteswissenschaften der Goethe-Uni attestiert das Präsidium ein „heterogenes Bild ihrer Leistungsfähigkeit in Forschung und Lehre“. Es gebe eine Vielzahl kleiner Institute, zum Teil mit nur einer Professur, was den effizienten Einsatz von Ressourcen und die Entwicklung leistungsfähiger Forschungsverbünde erschwere. Zudem seien die Geisteswissenschaften besonders von dem in ganz Deutschland zu beobachtenden Rückgang der Studentenzahlen betroffen.

Unter dem Titel „Geschichte, Kultur und Religion“ werden Geschichtswissenschaft, Philosophie, Religions- und Kulturwissenschaften inklusive Islamische Studien und Judaistik, die Theologien sowie eine neu zu bildende Einheit Altertumswissenschaften zusammengefasst. Letztere soll Archäologie, Ethnologie, Klassische Philologie, Alte Geschichte und Antike Philosophie umfassen. Um die Einsparziele zu erreichen, müssten in diesem Fachbereich dem Präsidiumsplan zufolge mindestens acht Professuren gestrichen werden. Die Zusammenführung von Katholischer und Evangelischer Theologie wird wegen der Vorgaben durch das Staatskirchenrecht als kompliziert, aber machbar angesehen.

4. Literatur, Sprache und Kunst

Neuere und Ostasiatische Philologien, Empirische Sprachwissenschaften, Afrikanistik, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik könnten in diesem Fachbereich aufgehen. Insgesamt mindestens zehn Professuren müssten nach Ansicht des Präsidiums wegfallen, um die Einsparziele zu erreichen.

5. Informatik, Mathematik, Physik

Die Natur- und Lebenswissenschaften werden in dem Konzept der Hochschulleitung als in großen Teilen forschungsstark und profilgebend für die Goethe-Universität bezeichnet. Es gebe eine Vielzahl von Kooperationsprojekten und einen von Bund und Ländern geförderten Exzellenzverbund. Andererseits fielen einige Studiengänge durch geringe Studentenzahlen und niedrige Absolventenquoten negativ auf.

Die beiden Fachbereiche Physik sowie Mathematik und Informatik sollen in einer Fakultät zusammengefasst werden. Die Physik würde sechs Professuren verlieren, die Informatik eine. In der Mathematik sei eine Einsparung wegen der Altersstruktur nur langfristig möglich, heißt es in dem Konzept.

6. Lebenswissenschaften

Unter diesem Überbegriff werden die jetzigen Fachbereiche Biochemie, Chemie und Pharmazie sowie Biowissenschaften rubriziert. Auch das Institut für physische Geographie soll der neuen Einheit angehören. Die Pharmazie verlöre eine Professur, die Chemie fünf Professuren und die Biologie vier. Wo das Institut für Atmosphäre und Umwelt sowie das Institut für Geowissenschaften verortet werden sollten, müsse noch geklärt werden.

7. Medizin

Der Fachbereich Medizin ist der einzige, der seinen derzeitigen Namen und Zuschnitt behalten soll. Aus Sicht des Präsidiums ist er schon jetzt der Prototyp eines großen Fachbereichs mit autonomer Budgetverantwortung und entspreche somit dem angestrebten Zielbild. Mit seinen Leistungen in Forschung, Lehre und Innovationstransfer präge er das Profil der Goethe-Universität. Konkrete Einsparziele für die Medizin werden in dem Konzept nicht genannt.

Der Zeitplan

Bis Ende dieses Jahres sollen nach den Vorstellungen der Unileitung drei „Fachbereich-Transformations-Teams“ und ein unterstützendes Kernteam gebildet werden, um die Veränderungen vorzubereiten. Im vierten Quartal 2027 könnte das Entwicklungskonzept beschlossen werden. Die Gründung der neuen Fachbereiche und die Konstituierung ihrer Gremien wird für das Wintersemester 2028/29 avisiert. Bis 2032 soll die neue Gesamtarchitektur der Universität dann „operativ“ sein.

Das Alternativkonzept

Kritiker der Pläne des Präsidiums haben ein Alternativkonzept ausgearbeitet, mit dem sich der Senat ebenfalls beschäftigen wird. Es lehnt Strukturveränderungen nicht grundsätzlich ab und hält den Erhalt bestehender Strukturen nicht automatisch für wirtschaftlicher. Allerdings sei der Nutzen von Organisationsänderungen vorher zu belegen, und die Angehörigen der Universität dürften nicht übermäßig belastet werden. Ausgehend von den bestehenden Fachbereichen solle geprüft werden, inwieweit diese ihre Aufgaben erfüllen könnten. Kooperationen seien auszubauen. Fachbereiche sollten freiwillig fusionieren, wenn sich die daraus resultierenden Vorteile belegen ließen.

Nach Vorstellung der Verfasser sollten das Präsidiumskonzept und das Alternativkonzept im Lauf des ersten Halbjahrs 2027 miteinander verglichen und die Ideen für neue Strukturen von unabhängigen Fachleuten evaluiert werden. Dann solle man erste Veränderungen einleiten und auf ihre Wirkung prüfen. Bei belegtem Nutzen könnten die Reformen bis 2029 ausgeweitet werden. Bis Ende 2031 sei eine Fünfjahresbilanz zu ziehen, und gegebenenfalls könne dann die Fusion einzelner Fachbereiche eingeleitet werden.

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