Regionalliga: Nach Anpfiff bei Traditionsklubs! Fan-Protest auf dem Stadion-Rasen
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Der Zoff um die Reform im deutschen Fußball wird heißer! Beim Spiel am Freitagabend des SV Babelsberg gegen Carl Zeiss Jena (0:1) gab es erneut heftige Protestaktionen der Fans und Klubs. Der Ball ruhte minutenlang, beide Fan-Lager standen vor dem Anpfiff gemeinsam auf dem Spielfeld. Friedlich, aber entschlossen! Am ersten Spieltag hatten alle 18 Vereine den Ball nach dem Anstoß für mindestens eine Minute liegen gelassen, Fans zogen Spruchbänder raus und es kam zu Stadiondurchsagen. Denn der Streit mit dem DFB und den Regionalverbänden gärt weiter. Hintergrund: Von fünf Regionalliga-Meistern steigen nur die aus dem Westen und Südwesten direkt auf. Die Sieger der Staffeln Bayern, Nord und Ost müssen in zwei von drei Jahren in eine Relegation untereinander, ein Team darf trotz Titel nicht hoch in den Profifußball der 3. Liga. Mit dem viergleisigen Kompassmodell liegt ein Reformvorschlag, nach dem alle Meister aufsteigen, vor und er hat nach einer Klub-Abstimmung eine bundesweite Mehrheit hinter sich. Die Regionalverbände im DFB forderten aber im Rahmen einer informellen Absprache eine Zustimmung in allen fünf Regionalligen, obwohl das in den DFB-Strukturen so nicht festgeschrieben ist. Jetzt verkündet Ralph Grillitsch (56), Präsident von Carl Zeiss Jena : „Wir haben in dem Reformprozess seit Februar 2025 deutschlandweit große Unterstützung und nun auch die Rückendeckung der 3. Liga. Für eine faire Lösung haben wir Zeit, Aufwand und Emotionen investiert. Wir bleiben da, lassen nicht locker und es uns nicht kaputt machen. Daher werden wir bis auf Weiteres mit verschiedenen Aktionen den Druck steigern, damit das Thema nicht mehr verschwindet.“ Wie BILD erfuhr, ist angedacht, den Widerstand Woche für Woche zu verschärfen. Flächendeckende Spielstörungen wie der ruhende Ball bleiben nur ein Mittel. Offenbar bereiten die Ostklubs weitere und kreativere Ausdrucksformen vor. Die Regionalliga Nordost wechselt in einen dauerhaften Streik-Betrieb! Ärger gibt es hinter den Kulissen auch, weil der Fernsehpartner „OSTSPORT.TV“ in seinen Spielzusammenfassungen den Protest des ersten Spieltags gar nicht beachtete. Skurril wird es beim ersten Heimspiel des Serienmeisters Lok Leipzig, der trotz drei Titeln gesamt und zwei in Folge nie in die 3. Liga durfte. Der Traditionsklub empfängt mit Magdeburg II den Gegner, gegen den er am letzten Spieltag vergangener Saison (5:2) Meister wurde. Lok-Sportchef Toni Wachsmuth (39): „Das ist schon kurios genug. Wir wollen weiter auf dringende Notwendigkeit der Aufstiegsreform aufmerksam machen. Der DFB ist zum Handeln gezwungen, weil ganz Fußball-Deutschland eine Änderung verlangt.“ Mit der DFL und der 3. Liga stehen nun alle Klubs der drei höchsten Spielklassen hinter der Reformbewegung und positionierten sich fürs Kompassmodell. Nur die Regionalverbandschefs, die wie Peter Frymuth (69/Westen) teils DFB-Vize sind, stellen sich dagegen. Grillitsch wird sauer: „Wir müssen da etwas geraderücken. Die Landes- und Regionalverbände sind nämlich eigentlich für die Vereine da und nicht umgekehrt. Aber bei diesen Abläufen bin ich fast geneigt, einem alten Fan-Spruch recht zu geben: unsere Verbände, echte Amateure!“ Wachsmuth: „Erklären Sie mal jemandem in irgendeinem europäischen Land, wie bei uns der Aufstieg von der 4. in die 3. Liga geregelt ist. Er wird es nicht verstehen. Offensichtlich ist manchen im deutschen Fußball der eigene Posten wichtiger als der Mehrheitswille und die Gebote der Fairness.“ Aber wie schätzen Experten den Konflikt ein? Fanforscher und Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange (58) von der Universität Würzburg: „Der Prozess wird sportpolitisch blockiert. Die Gängelung des Ostfußballs ist unangemessen. Beispiele wie Energie Cottbus zeigen, dass der Osten leistungsfähig sein kann.“ Experten stimmen Ostklubs zu Sky-Kommentator Hansi Küpper (65) im YouTube-Format „Familie Fußball“: „Ich verstehe jeden Fan im Osten, der sagt, ihr habt uns damals schon bei der Wiedervereinigung schlecht behandelt und immer etwas von mehr Bundesligisten erzählt. Die Funktionäre waren immer auf der anderen Seite und haben den Ostfußball fast systematisch plattgemacht. Wenn diese Regionalliga-Reform zulasten der Nordost-Staffel geht, dann kann ich wirklich nur sagen, darf das Protestieren nicht aufhören. Dann müssen die Menschen auf die Barrikaden und den Funktionären, die das im Westen mit purem Egoismus durchziehen wollen, darf man keine Ruhe mehr lassen.“