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Wirtschaft

Allianz-Aktie notiert knapp fünf Prozent unter ihrem Rekordhoch

Operativ meldete der Versicherer 2026 zwei Rekordquartale in Folge

Mit dem Ende des Rückkaufs fällt eine wichtige Kursstütze vorerst weg

Die Aktie der Allianz legt am Donnerstag auf XETRA zeitweise um 1,24 Prozent auf 431,50 Euro zu und arbeitet sich damit wieder an ihr Rekordhoch heran. Am 3. September hatte das Papier bei 454,60 Euro den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht, danach folgte ein Rücksetzer. Bis zur alten Bestmarke fehlen nun knapp fünf Prozent, und die Frage nach neuen Rekorden stellt sich operativ wie an der Börse.

Allianz erzielt zwei Rekordquartale in Folge

Im zweiten Quartal steigerte der Versicherer das operative Ergebnis um 10,6 Prozent auf den Rekordwert von 4,87 Milliarden Euro, nachdem bereits das erste Quartal einen Höchstwert gebracht hatte. Im Halbjahr summierte sich das Ergebnis auf 9,39 Milliarden Euro, das sind 54 Prozent der Mitte des Jahresziels von 17,4 Milliarden Euro, plus/minus 1 Milliarde Euro. Nach Angaben des Konzerns liegen alle Segmente über der Mitte ihrer jeweiligen Jahresprognose.

Getragen wurde das Quartal von allen drei Sparten. Schaden-Unfall erzielte mit 2,46 Milliarden Euro das höchste Quartalsergebnis seiner Geschichte, die Schaden-Kosten-Quote lag im Halbjahr mit 91,4 Prozent besser als der Zielkorridor von 92 bis 93 Prozent. Das Asset Management steigerte sein operatives Ergebnis um 19,8 Prozent auf 933 Millionen Euro und sammelte im Halbjahr Rekordzuflüsse von 84 Milliarden Euro ein. Die Solvency-II-Quote kletterte zum 30. Juni auf 225 Prozent nach 218 Prozent Ende 2025.

Ein Schönheitsfehler steckt im Nettogewinn. Der bereinigte Quartalsüberschuss der Anteilseigner sank um 12,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Grund waren Sondereffekte: ein Veräußerungsgewinn aus dem Vorjahr sowie Gegenmaßnahmen nach dem Verkauf der Beteiligung an den indischen Gemeinschaftsunternehmen. Bereinigt um diese Effekte wuchs der Gewinn laut Allianz um zehn Prozent.

Allianz-Aktie verliert vorerst ihre Rückkaufstütze

An der Börse wirkt dagegen ein anderer Faktor. Vom 13. März bis zum 22. September kaufte die Allianz eigene Aktien für 2,5 Milliarden Euro zurück, insgesamt rund 6,25 Millionen Stück oder 1,64 Prozent des Grundkapitals. Der Durchschnittspreis lag bei gut 400 Euro, alle Papiere werden eingezogen. Ein halbes Jahr lang stand damit ein verlässlicher Käufer im Markt, der nun fehlt. Die vorangegangenen Programme hatte der Konzern jeweils Ende Februar mit den Jahreszahlen angekündigt. Neue Rückkaufnachrichten sind nach diesem Muster eher mit den Zahlen für 2026 zu erwarten als in den kommenden Wochen.

Zum Rücksetzer nach dem Rekordhoch trugen zudem Sorgen bei, KI-basierte Vertriebskanäle könnten das Geschäftsmodell klassischer Versicherer angreifen. Jefferies-Analyst Philip Kett hielt die Marktreaktion darauf in einer Studie vom 3. Oktober für übertrieben, weil Investoren die geringeren Kosten je Vertragsabschluss und den Größenvorteil der Allianz übersähen.

Analysten-Kursziele für die Allianz-Aktie gehen weit auseinander

Wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen, zeigt die Spanne der Kursziele. Am oberen Ende bestätigte die Privatbank Berenberg Ende September ihr Votum "Buy" mit einem Kursziel von 684 Euro. Analyst Michael Huttner bleibt für das Umsatz- und Ergebniswachstum mindestens bis zum Ende des Strategieplans 2027 optimistisch. Die DZ Bank hob den fairen Wert für die Allianz-Aktie unterdessen von 486 auf 495 Euro an und rät zum Kauf. Thorsten Wenzel lobt die Kombination aus hohen Ausschüttungen und Gewinnwachstum.

Zurückhaltender ist Jefferies: Kett traut dem Anteilsschein statt 420 Euro nun zwar 440 Euro zu, bleibt aber bei "Hold". Angesichts der volatilen Anleihemärkte würden ihn Verluste aus festverzinslichen Wertpapieren in der Branche nicht überraschen. Am unteren Ende steht Barclays. Analystin Claudia Gaspari bestätigte Anfang September ihre Einschätzung "Underweight" mit einem Kursziel von 353 Euro, weil die positiven Überraschungen der Branche im ersten Halbjahr vor allem auf geringeren Großschäden beruhten und schwächere Trends überdeckt hätten.

Allianz-Aktie: Chancen und Risiken vor neuen Rekorden

Für die Aktie sprechen die Rekordergebnisse, eine Kapitalausstattung auf dem höchsten Stand seit 2018 und eine Prognose, die nach dem Halbjahr eher Luft nach oben als nach unten lässt. Dass der Konzern im Rückkauf im Schnitt gut 400 Euro je Aktie bezahlte, zeigt zudem, auf welchem Niveau das Management selbst noch Wert sah.

Dagegen stehen zwei Risiken. Ohne Rückkauf muss die Aktie den Weg zu neuen Höchstständen aus eigener Kraft finden, und das Gros der Analysten sieht bei "Hold" nur begrenzten Spielraum. Zudem hängt das zweite Halbjahr stärker an Faktoren, die der Konzern selbst nicht steuert. Die Allianz nennt Naturkatastrophen und Kapitalmarktverwerfungen ausdrücklich als Risiken für das Jahresziel.

Quartalszahlen am 12. November als nächster Prüfstein

Den nächsten Prüfstein liefern die Zahlen zum dritten Quartal am 12. November. Entscheidend wird, ob die Schaden-Kosten-Quote trotz der Naturkatastrophensaison besser als der Zielkorridor von 92 bis 93 Prozent bleibt und ob das Management das obere Ende der Ergebnisspanne in Aussicht stellt.

Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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