Reinhard Mey spricht über seinen eigenen Tod: „Sehe meinen Sohn wieder“
Der Liedermacher erlebt den Gedanken an das Lebensende nicht nur als Abschied, sondern auch als Suche nach Trost. Im Gespräch mit der „FAZ“ erzählt Reinhard Mey (83), welche Bilder ihm Halt geben und warum der Verlust seines Sohnes bis heute nachwirkt.
Reinhard Mey verrät: Was ihm am Lebensende Trost gibt
Reinhard Mey, der dank Rapper Haftbefehl überraschenden Rekord aufstellte, sagt von sich, er sei ein „bekennender Agnostiker“. Trotzdem gibt es eine Vorstellung, die ihm guttut. „Ich sehe meine Eltern wieder, ich sehe meinen Sohn wieder“, sagt er. Diese Bilder nennt er selbst „kindliche Vorstellungen“, doch sie könnten ihn „wärmen“.
Besonders schwer wiegt für ihn der Tod seines Sohnes Maximilian. Er starb im Mai 2014 nach einer verschleppten Lungenentzündung im Alter von 32 Jahren. Mey sagt über sein Leben, es habe ihn beschenkt, „auch mit abgrundtiefem Schmerz“. Mit 83 beschäftigt sich Reinhard Mey längst auch mit dem eigenen Ende.
Reinhard Mey: Seine letzte Ruhestätte steht für ihn fest
Beim Nachdenken über den Tod meldet sich bei Mey eine alte Furcht zurück. Es ist ein Gefühl, das ihn schon als Kind begleitet hat. „Die kindliche Angst vor der Dunkelheit, die kindliche Angst vor der Nacht, die verlässt einen auch im neunten Lebensjahrzehnt nicht. Es wird sogar etwas stärker“, sagt der 83-Jährige.
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Für die eigene Beisetzung hat Mey bereits einen klaren Wunsch. Er möchte an dem Ort bestattet werden, an dem auch sein Sohn ruht. „Unter einem Baum, wo schon mein Sohn liegt. Da ist noch Platz für den Rest der Familie. Es ist eine tröstliche Vorstellung“, sagt Reinhard Mey, der Helene Fischer im TV zum Weinen brachte.
Reinhard Mey: „Ich mache weiter, ich lebe“
Mey weiß zugleich sehr genau, wie nüchtern der Tod betrachtet werden kann. Ihm ist bewusst, dass am Ende nur Asche bleibt. Dennoch hält er an seinem inneren Bild fest: „Man braucht solche Sachen, um sich daran festzuhalten. Und es kann nicht schaden.“
Trotz aller Gedanken ans Sterben beschreibt er sich nicht als jemanden, der sich verabschiedet. „Ich mache weiter, ich lebe“, sagt er. Seinen Gesundheitszustand schildert er positiv: guter Blutdruck, acht Kilometer zu Fuß, gutes Sehen und Hören. Selbst Wein vertrage er noch.
So wirkt auch sein neues Album nicht wie ein Schlussstrich. Eher zeigt es einen Moment im Leben eines Künstlers, der über Verlust, Endlichkeit und die bleibende Nähe zu seinem Sohn nachdenkt.