Reinhard Zellner hat eine Umweltkatastrophe verhindert
Als das Telefon an diesem Tag klingelt, kann der Chemiker seine Freude kaum verbergen. Jahrzehntelang hat er geforscht, diskutiert, gewarnt und politische Entscheidungen mit vorbereitet. Nun scheint sich zu bestätigen, was Wissenschaftler wie er schon vor vielen Jahren vorhergesagt hatten: Mit einem FCKW-Verbot kann sich das Ozonloch wieder erholen.
Zellner nennt diesen Tag seinen „Muttertag". Einen Tag, an dem sich die Prognosen bestätigen, die er und sein Wissenschafler-Team vor 40 Jahren aufgestellt hatten.
Als das Ozonloch zur Bedrohung wurde
Heute wirkt die Geschichte fast selbstverständlich. In den 1980er Jahren war sie das keineswegs. Damals entdeckten Forscher über der Antarktis das sogenannte Ozonloch. Die Sorge war enorm. Die Ozonschicht schützt nicht nur die Erde vor schädlicher UV-Strahlung. "Die Ozonschicht war eine Voraussetzung für die Entwicklung des höheren Lebens", erklärt Zellner. Entsprechend alarmierend war die Vorstellung, dass dieser Schutzschild dauerhaft beschädigt werden könnte. Die Folgen hätten dramatisch sein können: mehr Hautkrebs, mehr Augenerkrankungen und tiefgreifende Auswirkungen auf Ökosysteme.
Die Spur führte zu den FCKW
Schnell gerieten Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, in den Fokus. Die Stoffe galten lange als technische Wunderwaffe. Sie waren ungiftig, nicht brennbar und wurden millionenfach in Kühlschränken, Spraydosen oder Schaumstoffen eingesetzt. Doch in der Atmosphäre entfalteten sie eine zerstörerische Wirkung.
"Das läuft katalytisch und das bedeutet: In kleinen Mengen können sie eine große Menge an Ozon zerstören", sagt Zellner. Gemeinsam mit Forschern aus aller Welt arbeitete er daran, die chemischen Prozesse besser zu verstehen. Besonders rätselhaft war zunächst, warum das Ozonloch vor allem über der Antarktis entstand, obwohl die meisten FCKW auf der Nordhalbkugel freigesetzt wurden. Jahrelange internationale Forschungsprogramme lieferten schließlich die Antworten.
Als die Welt handelte
Der entscheidende Wendepunkt kam 1987 mit dem Montrealer Protokoll. Staaten auf der ganzen Welt verpflichteten sich, die Produktion und Nutzung von FCKW schrittweise zu beenden. Für Zellner ist das bis heute ein Paradebeispiel erfolgreicher Umweltpolitik.
Ein wichtiger Grund: Die Verursacher waren bekannt und überschaubar. Gleichzeitig fanden Unternehmen vergleichsweise schnell Ersatzstoffe. Die Wissenschaft sagte voraus, dass sich die Ozonschicht erholen würde. Genau das geschieht nun.
Eine Erfolgsgeschichte, die Hoffnung macht
Für Zellner steckt in der Geschichte des Ozonlochs aber noch eine zweite Botschaft. Sie betrifft die großen Umweltfragen der Gegenwart. Damals habe die Wissenschaft zunächst Antworten finden müssen. Heute sei die Situation anders.
Gerade im Klimaschutz sieht der Forscher diesen Unterschied deutlich. Die Ursachen seien bekannt, viele technische Lösungen ebenfalls. Schwieriger sei es geworden, weltweit politische Einigkeit herzustellen und Veränderungen umzusetzen.