Reisen mit Behinderung - So hart muss Robert für seinen Traum von Vietnam kämpfen
Letzter Wunsch "Ihnen einmal persönlich gegenüberstehen": Schwerkranker Thüringer träumt von Vietnamreise Stand: 30.07.2026 14:30 Uhr Schwer krank kämpft Robert Hoffmanns aus Eisenberg darum, zwei Freunde in Vietnam zu treffen - eine Reise, die für ihn organisatorisch und finanziell kaum zu stemmen ist. von Olaf Nenninger, MDR THÜRINGEN Robert Hoffmanns aus Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) ist schwer krank. Bevor seine Gesundheit die Reise unmöglich macht, möchte er zwei Menschen treffen, die ihm über Jahre ans Herz gewachsen sind. Doch für einen Schwerbehinderten wird eine Fernreise schnell zum finanziellen Kraftakt. Ich möchte diesen beiden Menschen einmal persönlich gegenüberstehen. Robert Hoffmanns Die Fotos aus Vietnam kennt Robert Hoffmanns fast auswendig. Immer wieder schaut er sie an. Auf einem Bild hält Phuong lächelnd ein Paket aus Deutschland in die Kamera. Auf einem anderen ist Sony zu sehen. Seit Jahren schreiben sie sich Nachrichten, Hoffmanns schickt gelegentlich kleine Geschenke nach Vietnam. Persönlich begegnet sind sie sich noch nie. Das möchte der 62-Jährige aus Eisenberg ändern. Solange er es noch kann. Kennengelernt über Social Media "Ich möchte diesen beiden Menschen einmal persönlich gegenüberstehen", sagt Hoffmanns. Mehrfach fällt dieser Satz im Gespräch. Es geht ihm nicht um Sehenswürdigkeiten oder einen Traumstrand. Er möchte die beiden Menschen kennenlernen, die für ihn über die Jahre zu Freunden geworden sind. Kennengelernt hat er sie über einen YouTube-Kanal, später verlagerte sich der Kontakt auf WhatsApp. Seit drei bis vier Jahren schreiben sie regelmäßig miteinander. Meist geht es um alltägliche Begebenheiten. Wie Freunde das eben so machen. Ein Körper, der ständig kämpft Dass dieser Wunsch so dringend geworden ist, hat mit seiner Gesundheit zu tun. Hoffmanns lebt seit Jahrzehnten mit chronischen Schmerzen und mehreren Autoimmunerkrankungen. Morbus Crohn, Gelenkerkrankungen und die Folgen zahlreicher Operationen bestimmen seinen Alltag. Es wird körperlich irgendwann nicht mehr gehen. Robert Hoffmanns Hinzu kommen die Verletzungen eines schweren Unfalls, bei dem ein mehrere hundert Kilogramm schwerer Tank auf ihn stürzte. Die Liste seiner Verletzungen, Krankheiten und Behandlungen füllt sieben dicht beschriebene Seiten. Heute kann er nur noch kurze Strecken an Unterarmgehstützen laufen, meist ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Seit Jahren verschlechtert sich sein Gesundheitszustand. "Es wird körperlich irgendwann nicht mehr gehen", sagt er nüchtern. Gerade deshalb möchte er sich diesen einen Wunsch noch erfüllen. Für ihn sei die Reise etwas, "wovon ich bis zum Rest meines Lebens zehren kann". Eine Reise, die viel mehr kostet als ein Urlaub Doch schon für gesunde Menschen ist eine Fernreise nach Vietnam teuer. Für einen schwerbehinderten Menschen wird sie schnell zur organisatorischen und finanziellen Herausforderung. Hoffmanns hat einen Grad der Behinderung von 100, die Merkzeichen B, G und aG sowie Pflegegrad 3. Er ist auf eine Begleitperson angewiesen. Für Vietnam plant er deshalb, gemeinsam mit einer vietnamesischen Pflegekraft zu reisen, die ihn nicht nur unterstützt, sondern auch zwischen Deutsch und Vietnamesisch übersetzen kann. Zu Flugtickets und Unterkunft kommen Kosten hinzu, die viele Urlauber gar nicht auf dem Schirm haben: der Transport des Elektromobils, ein behindertengerechtes Mietfahrzeug, Versicherungen oder zusätzliche Fahrdienste. Je nach Flugroute und Saison summieren sich die Ausgaben nach seinen Berechnungen auf mehrere tausend Euro. [...] Größere Sprünge machen, das geht nicht. Robert Hoffmanns Gerade diese zusätzlichen Belastungen zeigen ein Problem, das viele Menschen mit schweren Behinderungen kennen: Mobilität endet nicht an der Haustür. Je weiter das Reiseziel entfernt ist, desto größer werden Aufwand und Kosten. Zum Leben reicht es gerade so Finanziell hat Hoffmanns dafür keine Rücklagen. Er bezieht eine Erwerbsminderungsrente von 599 Euro und zusätzlich Grundsicherung. "Ich kann davon leben", sagt er. "Aber größere Sprünge machen, das geht nicht." Auch der Versuch, eine geringfügige Beschäftigung zu finden, sei trotz zahlreicher Bewerbungen an seiner Behinderung gescheitert. Deshalb sammelt er nun Spenden. Zuvor ließ er sich beim Sozialamt bestätigen, dass er den rechtlichen Weg einhält und zweckgebundene Spenden ausschließlich für die Reise verwendet werden sollen. Mehr als nur eine Fernreise Wer Hoffmanns zuhört, merkt schnell: Es geht ihm nicht um Luxus. Immer wieder spricht er davon, in seinem Leben oft Pech gehabt zu haben. Von Krankheiten, Unfällen und Rückschlägen. Gleichzeitig erzählt er von den kleinen Glücksmomenten, die ihm geblieben sind. Und davon, wie sehr er sich wünscht, wenigstens diesen einen Traum noch verwirklichen zu können. Vielleicht wird die Reise nach Vietnam für Robert Hoffmanns tatsächlich der letzte große Aufbruch seines Lebens. Für ihn wäre sie vor allem eines: die Begegnung mit zwei Menschen, die bisher nur auf einem Smartphone-Bildschirm existieren - und endlich einmal keine Nachricht mehr, sondern ein Händedruck. MDR (jn)