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Rekordhitze in deutschen Gewässern: Warum Fische massenhaft sterben

Wissenschaft

Überhitzte Ökosysteme Heiße Flüsse und Seen: Warum Fische aktuell in Gefahr sind Stand: 15.07.2026 13:09 Uhr Die Juni-Hitzewelle hat Deutschlands Gewässer ungewöhnlich früh aufgeheizt. Für kälteliebende Arten wie die Forelle bedeutet das massenhaftes Fischsterben – bis hin zum Totalverlust ganzer Ökosysteme. Forschende warnen: Die eigentliche Gefahr liegt in immer extremeren Temperaturspitzen. von Inka Zimmermann Über dreißig Grad im Berliner Müggelsee meldet das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Das ist ein Rekordwert. Die Seen und Flüsse in Deutschland sind seit Beginn der Hitzewelle im Juni merklich wärmer geworden. Das ist für viele Fische ein Problem. So etwa für die Forellen von Züchter Matthias Schnek in Döbeln bei Sachsen. Forellen sind kälteliebende Tiere. Am wohlsten fühlen sie sich bei Wassertemperaturen unter 15 Grad. Lebensbedrohlich wird es für die Fische, wenn das Wasser 24 Grad erreicht. Die Zschopau, ein kleiner Fluss in Sachsen, in dem Schnek seine Tiere hält, erreichte Ende Juni 28 Grad. Die Folge: Neun Tonnen tote Fische und ein wirtschaftlicher Totalschaden für den Züchter. Viele Tiere, die in deutschen Gewässern leben, haben keine gute Hitzetoleranz. Seenforscher Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum UFZ in Magdeburg erklärt: Wasserorganismen sind zumindest in unseren Breiten nicht für hohe Temperaturen gemacht. "Wasser ist eigentlich auch ein wenig kühler als die Luft." Wenn die Luft aber 40 Grad Temperatur erreiche, werde auch das Wasser an der Oberfläche unserer Seen 30 Grad warm. In flachen Gewässern bleibt den Fischen kein Rückzug Während große Seen den Vorteil haben, dass das Wasser in ihrem Grund etwas kälter bleibt und den Fischen einen Rückzug ermöglicht, ist das in flachen Gewässern nicht der Fall. "In einem Forellenteich geht das nicht, der ist dann durchgehend sehr warm", sagt Rinke. Das führe dazu, dass die Fische bei bester Gesundheit sterben, weil sie schlicht ersticken. Das liegt daran, dass Fische den im Wasser gelösten Sauerstoff brauchen, um zu atmen. Mit steigenden Wassertemperaturen sinkt der Sauerstoffanteil im Wasser rapide. "Bei 30 Grad gehen in einen Liter Wasser gerade mal sieben Milligramm Sauerstoff. Das ist wirklich wenig", sagt Rinke. Größere Fische wie etwa der Hecht haben einen hohen Sauerstoffbedarf. Die über die Kiemen aufgenommene Menge reicht dann nicht mehr aus. Deshalb sind Hitzewellen für viele Bäche und Seen in Deutschland gefährlich. Denn: Nicht nur die Fische sterben, wenn das Wasser zu warm wird. "In Wirklichkeit stirbt so gut wie alles höhere Leben. Alle Muscheln, alle Schnecken, alle Krebse, alle Würmer." Das sei quasi ein Totalverlust des Ökosystems, sagt Seenforscher Rinke. Ein großer Einschnitt, von dem sich ein Ökosystem nicht ohne Weiteres wieder erhole. Die Hitzewelle hat Europas Gewässer früh getroffen Dazu kommt, dass die Hitzewelle die Gewässer in diesem Jahr sehr früh aufgeheizt hat. Im Juli sei bereits eine Erwärmung erreicht, die normalerweise erst Mitte August eintrete, erklärt Karsten Rinke. In ganz Europa fehle es mittlerweile an Gewässern, die kühleres Wasser zuführen könnten. "Das ist schon sehr außergewöhnlich und auch für mich persönlich schockierend, dass es mit der Aufheizung jetzt so schnell geht", findet Rinke. Er mache sich große Sorgen, wie sich die Situation bis Mitte August noch entwickeln könne. Auch die Zschopau, in der Forellenzüchter Schnek seine Tiere hielt, war in diesem Jahr vermutlich so heiß wie nie zuvor. Schnek erzählt, dass bereits sein Schwiegervater seit 1975 die Forellenanlage geleitet habe. Die Temperaturen des Wassers wurden aufgezeichnet. "28,3 Grad Wassertemperatur hat es in den letzten 51 Jahren nie in der Zschopau gegeben." Rekordwerte werden durch den Klimawandel verstärkt Für die Höchsttemperatur macht Schnek auch den Bau einer nahegelegenen Talsperre verantwortlich. Allerdings wurden diesen Sommer in diversen Seen und Flüssen bundesweit Temperaturrekorde gemessen. Forschende kommen in Modellierungen zu dem Ergebnis, dass die Juni-Hitzewelle ohne den Klimawandel durchschnittlich um zwei bis vier Grad kälter gewesen wäre. In diesem Jahr hat sich die Erde bereits um 1,4 Grad erwärmt. Für Fische und Ökosysteme sei diese mittlere Erwärmung aber gar nicht der zentrale Punkt, sagt Seenforscher Karsten Rinke. Aus seiner Sicht seien vor allem die Temperaturextreme bedrohlich, die im Zuge der Erderwärmung deutlich höher ausfallen werden. Für Ökosystem sind die Temperaturspitzen gefährlich "Aus Sicht des Ökologen sind gerade diese Extremlagen entscheidend, obwohl sie nur kurz wirken. Für den Fisch ist es tödlich, wenn der Sauerstoff nur zehn Minuten fehlt. 365 Tage im Jahr ist ausreichend Sauerstoff vorhanden, trotzdem stirbt der Fisch, wenn er zehn Minuten fehlt. So ist es mit vielen anderen Dingen im Ökosystem auch." Für die Forelle wird das bedeuten, dass sie weiter nach Norden wandert, weil sie die Wassertemperaturen in Deutschland dauerhaft nicht mehr überlebt. Rinke vergleicht das mit dem Eisbären, der sich ebenfalls immer weiter in den Norden zurückzieht.

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