Remmo: Als er durchs Abgeordnetenhaus lief - an der Seite eines CDU-Politikers
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Manchmal wiederholt sich Geschichte doch – nur unter anderen Vorzeichen. Während vor allem der Wahlverlierer CDU wegen des Auftritts von Clan-Boss Issa Remmo bei den Wahlpartys der Linken in Neukölln und Kreuzberg schäumt und Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp auf allen Kanälen betont, Remmo sei nicht eingeladen und der Veranstaltung verwiesen worden, ist ein Ereignis offenbar völlig vergessen worden: Der Clan-Boss suchte schon einmal die Nähe zur Politik – und das ist noch nicht allzu lange her.
Wie der „Tagesspiegel“ im Januar 2025 berichtete, tauchte Remmo in der Herzkammer der Berliner Politik auf, spazierte gut gelaunt durch Foyer des Abgeordnetenhauses und den Plenarsaal. Dokumentiert wurde dies alles von seinem Sohn Firas, der einschlägige Fotos auf seinem Instagram-Kanal postete.
CDU-Politiker wollte angeblich ein gemeinsames Foto mit Remmo
Was die Sache noch um einiges pikanter macht: Eingeladen wurde Remmo laut „Tagesspiegel“ vom Tempelhofer CDU-Abgeordneten Christian Zander, der auch am Sonntag wieder ins Parlament gewählt wurde. Mit dem Bericht konfrontiert, widersprach Zander der Darstellung des „Tagesspiegels“ damals entschieden. „Ich habe keine Mitglieder der Familie Remmo eingeladen und würde dies auch niemals tun“, sagte Zander. Laut seiner Darstellung habe ihn die „Arabische Gemeinde in Deutschland“ gebeten, eine Führung durch das Abgeordnetenhaus zu ermöglichen. „Diese Führung wurde so organisiert wie hunderte weiterer Führungen jedes Jahr“, erklärte Zander seinerzeit. Eine Teilnehmerliste habe es nicht gegeben. „Hätte ich von der Teilnahme eines Mitgliedes des Remmo-Clans gewusst, dann wäre diese Gruppe von mir ausgeladen worden“, so Zander weiter.
Der CDU-Politiker sagte auch, dass ihm Issa Remmo weder persönlich noch visuell bekannt gewesen sei. Dem widersprach wiederum Issa Remmos Sohn Firas. „Christian Zander wusste ganz wohl, dass mein Vater Issa Remmo ist. Er hat sich mit seinem Namen persönlich vorgestellt“, sagte Firas Remmo dem „Tagesspiegel“. Zander regte offenbar sogar ein gemeinsames Foto mit dem Clan-Boss an. „Mein Vater hatte kein Interesse, mit dem CDU-Politiker auf einem Foto zu sein, um kein Aufsehen zu erregen. Aber der Politiker bestand darauf. Und dass mein Vater mit dem Politiker gemeinsame Freunde hat, ist auch kein Geheimnis“, erklärte Firas dem Blatt.
Zander wiederum konterte: „Ich hatte nie etwas mit den Remmos zu tun und will auch in Zukunft mit Clanstrukturen nichts zu tun haben, sondern sie bekämpfen. Eine bekannte Strategie von Clans ist es, durch solche hinterhältigen Aktionen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das gilt auch für die Unwahrheiten, die über mich verbreitet werden.“
Polizeigewerkschaft sprach von „Super-GAU für die CDU“
So oder so wirft der Besuch Remmos im Abgeordnetenhaus Fragen auf. „Ich bin doch stark verwundert, dass die CDU das wohl bekannteste Gesicht eines nachweislich im Fokus der Ermittlungsbehörden stehenden Clans nicht erkennt“, sagte seinerzeit Vasili Franco, innenpolitischer Sprecher der Grünen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wiederum sprach von einem „Super-GAU für die CDU“. „Vielleicht sollte man dann auch bei Gruppeneinladungen ins Abgeordnetenhaus vorab eine Namensliste machen, wie es bei vielen Veranstaltungen längst Usus ist.“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro.
Linken-Abgeordneter bezeichnet Chatkontakt mit Remmo als Fehler
Auch zwei Tage nach dem Auftritt Issa Remmos bei der Linken geht die Debatte munter weiter. Die Linke in Neukölln betonte, dass es weder politische noch persönliche Beziehungen zu der Person gebe. „Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste.“ Der Neuköllner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak sagte auf Anfrage der dpa, er distanziere sich klar vom Besuch von Issa Remmo auf der Wahlparty. „Bei seinem Besuch war ich selbst nicht anwesend.“ Die Wahlparty sei öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen gewesen.
Koçak bezeichnete indes seinen Chatkontakt mit einem bekannten Mitglied der Familie als Fehler und bat um Entschuldigung. Koçak schrieb auf der Plattform X am Montagabend, dass ihm zunächst nicht bekannt gewesen sei, wer der Mann sei. Remmo hatte einen Screenshot der Unterhaltung bei Instagram hochgeladen. Koçak bittet ihn in dem Gespräch vom 17. Februar demnach, ein Video eines Auftritts im Bundestag von ihm zu verbreiten. Das Video ist überschrieben mit „Hysterische Dauerdebatte: CLANS“. Remmo antwortet mit „Gerne Bruder“. Der Screenshot zeigt zudem eine vorherige Nachricht unbekannten Datums, in der Koçak den Vater von Remmo zurückgrüßen lässt. Bei Koçaks Gesprächspartner handelt es sich um einen Sohn von Issa Remmo.
tok mit dpa