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Rente: Ein Jahr später in Frührente brächte Staatskasse kräftiges Plus

Nation

Berlin. Die Rentenkommission hat empfohlen, das frühestmögliche Rentenalter von heute 63 auf 64 Jahre anzuheben. Das würde viele Millionen Menschen betreffen: Denn die „Altersrente für langjährig Versicherte“, die nach 35 Versicherungsjahren eine vorzeitige Rente zu verringerten Bezügen ermöglicht, ist ausgesprochen beliebt. 2025 gingen nach Angaben der Rentenkommission rund 18 Prozent aller Neurentner dank der Altersrente für langjährig Versicherte zum frühestmöglichen Eintrittsalter mit 63 Jahren in den Ruhestand. Parallel dazu geht der Anteil derjenigen, die bis zur Regelaltersrente von aktuell 66 Jahren und vier Monaten arbeiten, weiter zurück. Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben in einer Studie für die Bertelsmann-Stiftung am Beispiel des Geburtsjahrgangs 1957 ausgerechnet, was diese Reform für die Sozialkassen und den Bundesfinanzminister bedeutet hätte, wenn die Frührente mit Abschlägen erst mit 64 möglich gewesen wäre. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Und die Ergebnisse sind deutlich. Würde das Mindestalter auf 64 angehoben, hätte das in dem Rechenbeispiel des DIW für den Fiskus eine Entlastung von 727 Millionen Euro gebracht. Diese Summe setzt sich zusammen aus Mehreinnahmen in verschiedenen Sozialversicherungszweigen: Sie belaufen sich in der Rentenversicherung auf 81 Millionen Euro, in der Krankenversicherung auf 395 Millionen Euro und in der Pflegeversicherung auf 76 Millionen Euro. Die Mehreinnahmen in der Rentenversicherung sind deswegen vergleichsweise gering, weil zwar zunächst die Beitragseinnahmen durch längere Einzahlung höher sind, dann aber in späteren Jahren auch höhere Rentenzahlungen nach sich ziehen. Ein Plus ergäbe sich auch bei der Einkommensteuer, und zwar in Höhe von 488 Millionen Euro. Dagegen stünden allerdings Mehrausgaben von 312 Millionen Euro für die Arbeitslosenversicherung, weil ein nennenswerter Teil der Menschen das zusätzliche Jahr vor der Rente weiterhin nicht arbeiten würde. Zudem bliebe durch den späteren Renteneintritt dem Arbeitsmarkt ein Beschäftigungspotenzial von zusätzlich 31.000 Vollzeitstellen erhalten. „Der Vorschlag der Rentenkommission, die Altersgrenze für die Rente für langjährig Versicherte auf 64 Jahre zu erhöhen, ist der richtige Schritt, auch weil dadurch viel Fachwissen und Erfahrung länger nutzbar bleiben“, sagt André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. In diesem weiteren Jahr Erwerbstätigkeit verdienen die künftigen Rentner dann nicht nur mehr, sie zahlen auch länger in die Rentenkasse ein. Nach Berechnung der Studie sinkt die durchschnittliche Zahl der Monate, die der 1957er-Jahrgang vor der Regelzeit in Rente geht, von 27,5 auf 20,1 Monate. Der durchschnittliche Rentenabschlag von 8,25 Prozent sinkt demnach auf 6,03 Prozent. Aktuell kostet die Frührente ab 63 die Versicherten einen Abschlag von 0,3 Prozent für jeden Monat des vorgezogenen Renteneintritts. Das entspricht einem Rentenabschlag von 3,6 Prozent pro Jahr. Auffällig häufig wird diese Möglichkeit von Frauen in Anspruch genommen. Von den Menschen aus dem Jahrgang 1957 – also denen, die nächstes Jahr 70 werden –, die diese Frührente beziehen, waren Ende 2024 etwa 61 Prozent weiblich. Das liege auch daran, dass in Paarbeziehungen die Frau häufig jünger ist als der Mann und beide ihren Renteneintritt synchronisieren, schreiben die Studienautoren um den DIW-Ökonomen Stefan Bach. In Zahlen sieht das so aus: Im Schnitt liegt der monatliche Rentenzahlbetrag in diesem Jahrgang bei 1246 Euro. Dabei erhalten Männer im Durchschnitt mit 1509 Euro eine deutlich höhere Rente als Frauen mit 1078 Euro. Hier zeige sich also die bekannte Rentenlücke zwischen Männern und Frauen besonders deutlich. Und sie zeigt sich auch im Rentenschnitt, auf den die höhere Zahl von Frauen in Frührente durchschlägt. Da die Versicherten während der längeren Beitragsphase zusätzliche Rentenpunkte sammeln, gibt es bei einer Verschiebung nach hinten auch mehr Rente. Der Durchschnittswert stiege um 40 auf 1286 Euro. So kämen Männer im Durchschnitt auf 1560 Euro, Frauen auf 1114 Euro monatlich. Die Autoren schildern auch potenzielle Probleme. Wer etwa mit Anfang 60 arbeitslos wird oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, kann vor einer echten Lücke stehen: Denn das Arbeitslosengeld I ist auf 24 Monate begrenzt. Die anschließende Grundsicherung fällt in der Regel geringer aus oder kann wegen Ersparnissen oder Partnereinkommen ganz entfallen. Auch eine Erwerbsminderungsrente hat in der Regel Einkommenseinbußen zur Folge. „Deswegen braucht es Kompensationslösungen, die die negativen Konsequenzen abfedern“, sagt Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. Das wäre etwa über einen höheren Grundrentenzuschlag möglich, wodurch besonders geringe Renten angehoben werden. Davon profitierten insbesondere Frauen, deren Renten wegen geringerer Einkommen und Beschäftigungslücken meist niedriger sind.

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