Rente im Ländervergleich 2026: Wo Rentner am besten abgesichert sind
Ruhestand-Index
In diesen Ländern leben Rentner am besten
Von t-online, cho
22.09.2026 - 06:00 UhrLesedauer: 4 Min.
Wo lässt sich der Ruhestand am sorgenfreiesten verbringen? Ein neues Ranking kürt die besten Länder für Rentner. Ein Staat liegt unangefochten vorn.
Wie gut gelingt es einem Land, seinen Bürgern einen sorgenfreien Ruhestand zu ermöglichen? Ein weltweiter Vergleich zeigt, wo Rentnerinnen und Rentner am besten abgesichert sind. Der "Global Retirement Index 2026" des Vermögensverwalters Natixis Investment Managers, der t-online exklusiv vorliegt, untersucht 44 Länder danach, wie gut sie ihrer Bevölkerung einen finanziell und gesellschaftlich abgesicherten Ruhestand bieten.
Anders als bei reinen Rentenvergleichen geht es dabei um das Gesamtbild: Neben Geldfragen fließen der Zugang zur Gesundheitsversorgung, das Klima, die Qualität staatlicher Institutionen und der allgemeine Wohlstand ein. Insgesamt stützt sich das Ranking auf 18 Indikatoren, die zu einer Gesamtnote zusammengefasst werden – je näher ein Land an 100 Prozent liegt, desto besser sind die Bedingungen für den Ruhestand. Das Ergebnis: Vor allem Nordeuropa bietet die besten Bedingungen für einen sorgenfreien Ruhestand. Doch auch Deutschland schneidet besser ab, als viele vermuten würden.
Norwegen bleibt das beste Land für Rentner
An der Spitze des Rankings steht erneut Norwegen mit 83 Prozent unangefochten auf Platz eins. Ausschlaggebend sind die starke Gesundheitsversorgung, ein hoher Wohlstand und stabile staatliche Institutionen. Auf Rang zwei folgt Irland mit 81 Prozent.
Dahinter wird es eng: Die Niederlande arbeiten sich im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze nach oben auf Rang drei und verdrängen damit ganz knapp die Schweiz, die auf Platz vier zurückfällt. Beide Länder erreichen aber 79 Prozent, der Platzunterschied geht lediglich auf die Rundung der Werte zurück.
Kein Ranking der besten Auswanderungsländer
Wichtig zu verstehen: Der Index bewertet, wie gut ein Land die eigene Bevölkerung im Alter absichert – nicht, wie attraktiv es als Auswanderungsziel für ausländische Rentner ist. Dass Norwegen und die Schweiz vorn liegen, heißt also nicht, dass sich ein deutscher Durchschnittsrentner dort ein gutes Leben leisten könnte.
Im Gegenteil: Gerade diese wohlhabenden Länder zählen zu den teuersten der Welt. Wer über einen Ruhestand im Ausland nachdenkt, müsste deshalb ganz andere Faktoren einbeziehen, allen voran die Lebenshaltungskosten.
Deutschland unter den Top Ten
Für große Länder ist es deutlich schwieriger, beim Ruhestands-Index in die Spitze vorzustoßen: Hohe Staatsschulden, größere Ungleichheit und komplexere Sozialsysteme sind Hürden. Umso bemerkenswerter ist, dass Deutschland sich um einen Platz auf Rang sieben verbessert – und damit das bestplatzierte große Industrieland weltweit bleibt.
Im Video | Geld im Alter reicht nicht aus: "Wir gehen beide noch arbeiten"
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Deutschland punktet vor allem bei der Lebensqualität (Rang sieben) und beim materiellen Wohlstand (Rang acht). Deutlich schwächer sieht es dagegen beim Teilindex "Finanzen im Ruhestand" aus: Hier erreicht die Bundesrepublik nur Rang 23. Grund dafür sind vor allem die alternde Bevölkerung und die hohe Steuerbelastung. Insgesamt sinkt der deutsche Indexwert leicht von 76 auf 75 Prozent.
Die Top-10-Länder im Überblick
Norwegen (83 Prozent)
Irland (81 Prozent)
Niederlande (79 Prozent)
Schweiz (79 Prozent)
Dänemark (78 Prozent)
Australien (77 Prozent)
Deutschland (75 Prozent)
Luxemburg (75 Prozent)
Island (75 Prozent)
Tschechien (75 Prozent)
Warum viele auf ein "Wunder" hoffen
Unabhängig vom Wohnort fühlen sich viele Menschen unsicher, was ihre Altersvorsorge betrifft. Laut der begleitenden Umfrage glauben 43 Prozent der weltweit Befragten, für einen finanziell abgesicherten Ruhestand "sei geradezu ein Wunder nötig". 40 Prozent fürchten, im Alter nicht genug Geld für den gewünschten Lebensstandard zu haben, 38 Prozent sorgen sich vor den Folgen der Inflation.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Alterssicherungssysteme beruhen noch auf der Annahme einer langjährigen Vollzeitbeschäftigung bei einem einzigen Arbeitgeber. Heute wechseln Menschen jedoch häufiger den Job, arbeiten in Teilzeit oder sind selbstständig. Gleichzeitig tragen sie immer mehr Verantwortung für ihre Vorsorge selbst. In der Befragung bestätigten das 78 Prozent, verglichen mit 67 Prozent zehn Jahre zuvor.
Was andere Länder besser machen
"Gute Lebensbedingungen allein garantieren keine finanzielle Sicherheit im Alter", betont Patrick Sobotta, Deutschland-Verantwortlicher bei Natixis. Andere Länder kombinierten den Zugang zur Vorsorge daher zunehmend mit automatischem Sparen und breit gesteuerter Kapitalanlage.
Großbritannien etwa bezieht Beschäftigte inzwischen automatisch in betriebliche Vorsorgepläne ein. Wer nicht teilnehmen will, muss aktiv widersprechen. Die Teilnahmequote stieg dadurch von 55 auf 90 Prozent, elf Millionen Menschen kamen hinzu. Frankreich hat seine Vorsorgeangebote im sogenannten Plan d'Épargne gebündelt und sie stärker auf langfristige Kapitalmarktanlagen ausgerichtet.
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Deutschland legt mit Altersvorsorgedepot nach
Auch Deutschland will ab 2027 stärker auf den Aktienmarkt setzen, um die Menschen fürs Alter abzusichern. Dafür löst die neue staatlich geförderte Altersvorsorge die Riester-Rente ab. Neu ist insbesondere die Möglichkeit, mit einem sogenannten Altersvorsorgedepot in Fonds und ETFs anzulegen und dafür Zulagen zu kassieren. Dafür gibt es sowohl eine individuelle Variante, bei der Sparer weitgehend selbst entscheiden können, was sie in ihr Altersvorsorgedepot legen, als auch ein Standarddepot, bei dem die Anbieter ihnen die Entscheidung nach gesetzlichen Vorgaben abnehmen.
Für Sobotta ist das ein Schritt in die richtige Richtung: Die Reform müsse "aus Sparern Investoren machen", sagt er. Anders als bei Riester gibt es beim neuen Altersvorsorgedepot keine Beitragsgarantie; im Gegenzug ist theoretisch eine Anlage zu 100 Prozent in Aktien möglich, was höhere Renditechancen eröffnet. Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag pro Jahr winkt eine Grundzulage von bis zu 540 Euro, dazu bis zu 300 Euro je Kind. Erstmals sind auch Selbstständige unmittelbar förderberechtigt.