DAX +0,55 % 25.603,98 Pkt 16:03:03 MDAX -0,21 % 32.326,56 Pkt 16:03:02 Euro Stoxx 50 +1,43 % 6.337,99 Pkt 16:03:00 Dow Jones -1,58 % 51.912,83 Pkt 16:17:59 S&P 500 -0,33 % 7.403,97 Pkt 16:18:01 Nasdaq +0,57 % 25.017,86 Pkt 16:18:03 Nikkei +0,71 % 61.867,43 Pkt 08:45:03 Gold +3,03 % 4.157,00 USD 16:07:53 Silber +0,93 % 58,40 USD 16:08:00 Brent -1,17 % 89,68 USD 16:06:02 WTI -0,57 % 83,98 USD 16:08:01 Bitcoin +1,17 % 64.654,35 USD 16:17:47 EUR/USD +1,30 % 1,15350 USD 16:17:23 EUR/GBP +0,07 % 0,85750 GBP 16:18:02 EUR/CHF -0,49 % 0,92840 CHF 16:18:02 EUR/JPY -2,13 % 182,590 JPY 16:18:02

Rente in Ostdeutschland: Warum die Reformen dort härter wirken könnten

Nation

Warnung vor Reformen Die Rentenpläne treffen eine Region besonders hart Von Christine Holthoff Aktualisiert am 30.07.2026 - 13:39 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die Ost-Ministerpräsidenten warnen vor Reformen zulasten älterer Menschen. Tatsächlich ist die Ausgangslage in Ostdeutschland besonders heikel. Die Bundesregierung hat für den kommenden Herbst große Pläne. Nach der Sommerpause soll das Rentensystem umfassend reformiert werden – und damit dürften auch Einschnitte einhergehen. Geplant ist etwa, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Gleichzeitig sollen die Altersgrenze für die Frührente mit Abschlägen steigen und das reguläre Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Auch künftige Rentenerhöhungen sollen schwächer ausfallen. All das träfe Rentner in Ostdeutschland besonders hart. Denn dort hängt die Alterssicherung viel stärker an der gesetzlichen Rente als im Westen. Wenn an dieser einen Säule gerüttelt wird, gibt es für viele weniger Ausweichmöglichkeiten. Die Ministerpräsidenten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt warnen deshalb davor, diese ostdeutschen Lebensrealitäten bei den Reformen zu übersehen. Doch wie groß sind die Unterschiede genau? t-online hat einen Blick in die jüngsten Statistiken geworfen. Gesetzliche Rente ist im Osten viel wichtiger Einen guten Überblick liefert der Alterssicherungsbericht, den die Bundesregierung alle vier Jahre neben dem jährlichen Bericht zur Entwicklung der Renten herausgibt. Die neueste Ausgabe stammt aus dem Jahr 2024 und stützt die Diagnose der Ost-Ministerpräsidenten: In den ostdeutschen Bundesländern entfallen demnach 90 Prozent des Brutto-Leistungsvolumens der Alterssicherung auf die gesetzliche Rentenversicherung. In den westdeutschen Ländern sind es 64 Prozent. Vereinfacht gesagt: Von jedem Euro, der im Osten aus Alterssicherungssystemen ausgezahlt wird, kommen 90 Cent aus der gesetzlichen Rente. Auch beim Blick auf die einzelnen Menschen zeigt sich die Abhängigkeit vom gesetzlichen System. In den Ost-Bundesländern beziehen 74 Prozent der Menschen ab 65 Jahren ihre eigene Alterssicherungsleistung ausschließlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Westen sind es 47 Prozent. Dort spielen Betriebsrenten, Beamtenversorgung und andere Sicherungssysteme eine deutlich größere Rolle. Pensionen im Fokus: Jetzt sollen auch Beamte Opfer bringen Besonders klar wird der Unterschied bei der betrieblichen Altersversorgung. Laut Alterssicherungsbericht beziehen in den alten Ländern 32 Prozent der Älteren eine eigene Betriebsrente. In den neuen Ländern sind es nur 19 Prozent. Auch die Beträge unterscheiden sich deutlich: Wer im Westen eine eigene Betriebsrente erhält, bekommt im Schnitt netto 517 Euro im Monat. Im Osten sind es 255 Euro. Warum Betriebsrenten im Osten seltener sind Die Gründe dafür liegen weit zurück. In der DDR war Alterssicherung vor allem staatlich organisiert. Eine über Jahrzehnte gewachsene Landschaft aus Betriebsrenten, privaten Rentenversicherungen, berufsständischen Versorgungswerken und Beamtenpensionen wie in Westdeutschland gab es dort in vergleichbarer Form nicht. Nach der Wiedervereinigung wurden ostdeutsche Erwerbsbiografien zwar in die gesetzliche Rentenversicherung überführt, zusätzliche Vorsorge musste aber erst aufgebaut werden. Das braucht Zeit und stabile wirtschaftliche Strukturen. Eine Betriebsrente ist das Ergebnis langer Beschäftigung in Unternehmen, die solche Zusagen machen oder tarifliche Versorgungssysteme anbieten. Viele westdeutsche Großbetriebe verfügten über solche Strukturen schon seit Jahrzehnten. Im Osten dagegen wurden nach 1990 viele Betriebe geschlossen, privatisiert, verkleinert oder neu gegründet. Hinzu kamen Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne und unterbrochene Erwerbsverläufe. Zusätzliche Einkommen sind im Westen häufiger Der Alterssicherungsbericht betrachtet auch zusätzliche Einkünfte neben den klassischen Alterssicherungsleistungen – etwa Kapitalerträge, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Erwerbseinkommen, private Renten oder Transfers. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Während in den alten Bundesländern 49 Prozent der alleinstehenden Seniorinnen und Senioren über zusätzliches Einkommen verfügen, sind es in den neuen Bundesländern 36 Prozent. Bei Paaren liegen die Werte bei 65 Prozent im Westen und 48 Prozent im Osten. Noch wichtiger ist der Anteil am gesamten Einkommen. Bei Paaren in den westdeutschen Ländern stammen 30 Prozent des Bruttoeinkommens aus Quellen jenseits der Alterssicherungssysteme. In den ostdeutschen Ländern sind es nur rund 19 Prozent. Bei Alleinstehenden ist der Abstand noch größer: 22 Prozent im Westen gegenüber neun Prozent im Osten. Einkommen aus Vermietung und Verpachtung beispielsweise beziehen laut dem Bericht 21 Prozent der Paare in den alten Ländern, aber nur zehn Prozent in den neuen Ländern. Bei Alleinstehenden sind es zwölf Prozent im Westen und fünf Prozent im Osten. Auch die durchschnittlichen Beträge liegen im Osten deutlich niedriger. Auch Erbschaften federn im Osten seltener ab Hinzu kommt ein weiterer Faktor: familiäres Vermögen. Erbschaften und Schenkungen sind in Deutschland sehr ungleich verteilt. Nur zwei Prozent des gesamten Erbschaftsteueraufkommens entfallen auf die ostdeutschen Bundesländer. Loading... Loading... Loading... Zwar bildet die amtliche Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik nur einen Ausschnitt ab, weil viele Erbschaften wegen Freibeträgen außerhalb der Statistik bleiben. Doch gerade bei den größeren, steuerlich erfassten Vermögensübertragungen ist der Unterschied deutlich. Eine Auswertung des MDR auf Basis amtlicher Landesdaten zeigt: In den westdeutschen Bundesländern wurde 2022 pro Einwohner rund neunmal so viel steuerpflichtiges Vermögen vererbt oder verschenkt wie in den ostdeutschen Bundesländern. Während etwa das steuerpflichtig vererbte oder verschenkte Vermögen pro Kopf in Hamburg 1.424 Euro betrug und in Bayern 1.295 Euro, kamen Erben in Sachsen auf 84 Euro pro Kopf, in Thüringen auf 69 Euro und in Sachsen-Anhalt auf 65 Euro. Vermögensbildung in der DDR schwierig Auch das lässt sich historisch erklären. Erbschaften entstehen aus Vermögen, das frühere Generationen aufbauen konnten. Die deutsche Teilung wirkt hier bis heute nach. So konnten Familien in Westdeutschland über Jahrzehnte Immobilien, Unternehmensanteile und Kapitalvermögen bilden. In der DDR war private Vermögensbildung deutlich begrenzter. Nach 1990 kamen weitere Faktoren hinzu: niedrigere Löhne, geringere Wohneigentumsquoten, weniger Unternehmensvermögen und vielerorts niedrigere Immobilienwerte. Wer selbst wenig Vermögen aufbauen konnte, kann später auch weniger weitergeben. Damit fehlt im Osten häufiger ein familiärer Puffer, der im Alter besonders wichtig werden kann – etwa für Pflege, altersgerechtes Wohnen, Unterstützung von Angehörigen oder schlicht als Reserve gegen steigende Lebenshaltungskosten. Ostdeutsche Frauen oft besser gestellt als westdeutsche Wichtig ist allerdings: Aus den Daten lässt sich nicht ableiten, dass Ost-Rentner grundsätzlich ärmer sind als West-Rentner. Der Alterssicherungsbericht zeigt sogar, dass sehr niedrige Alterseinkommen in den neuen Ländern seltener vorkommen als in Westdeutschland. Auch die Grundsicherungsquote ab Regelaltersgrenze liegt in Ostdeutschland ohne Berlin mit 1,7 Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt von 3,9 Prozent. Das hat unter anderem mit den längeren Erwerbsbiografien vieler ostdeutscher Frauen zu tun. Der Abstand zwischen Männern und Frauen bei eigenen Alterssicherungsleistungen ist im Osten deutlich kleiner als im Westen. Inzwischen verdienen Frauen in den meisten ostdeutschen Bundesländern durchschnittlich sogar mehr als Männer. Dennoch bleibt es dabei: Im Osten ist die Alterssicherung weniger breit aufgestellt. Die laufenden Einkommen sind zwar oft nicht extrem niedrig, aber sie hängen stärker an der gesetzlichen Rente. Einschnitte dort spüren Rentner in Ostdeutschland daher ungleich stärker.

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