Rente: Merz fordert Beitrag von Älteren
Bei der Rente steht Deutschland vor einem weitreichenden Umbau. Die Vorschläge der Alterssicherungskommission liegen seit Ende Juni auf dem Tisch, die konkrete gesetzliche Umsetzung ist aber weiterhin offen. Noch Ende September verwies die Bundesregierung auf laufende Beratungen. Damit bleibt auch ein Vorschlag aktuell, der Millionen Rentner*innen betreffen könnte: Ältere werden womöglich ebenfalls dazu beitragen müssen, einen Teil der Belastung aufzufangen.
Rente: So sollen Ältere ihren Beitrag leisten
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei der Vorstellung der Reformvorschläge am 23. Juni erstmals deutlich gemacht, dass nicht allein die jüngeren Generationen die Kosten des Umbaus schultern sollen. „Auch die Älteren werden einen Beitrag leisten müssen“, forderte er laut der veröffentlichten Mitschrift der Bundesregierung. Demnach sollen die jährlichen Rentenerhöhungen künftig wieder stärker auf die demografische Entwicklung reagieren.
Im Zentrum steht der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor, also das Verhältnis zwischen Rentenbeziehenden und Beitragszahlenden. Für 2026 berechnete die Deutsche Rentenversicherung konkret, dass dieser bei 0,9981 liegt, also knapp etwas mehr Personen bezogen als Beitrag gezahlt haben. Die Rentenanpassung hätte das um rund 0,19 Prozentpunkte gedämpft. Allerdings wird der Faktor wegen der Haltelinie beim Rentenniveau derzeit nicht angewendet, dieses ist bis 2031 gesetzlich bei 48 Prozent abgesichert.
Die Alterssicherungskommission schlägt allerdings vor, ab der Anpassung zum 1. Juli 2032 wieder zur regulären Formel mit Nachhaltigkeits- und Beitragssatzfaktor zurückzukehren und die Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors leicht zu verstärken.
Wie das Bundesarbeitsministerium erklärt, würden die Renten dann zwar weiter steigen. Merz stellte zuvor auch klar, dass der Vorschlag keine nominalen Rentenkürzungen vorsehe: „Die Rente wird aber auch weiterhin nicht gekürzt.“ Die jährlichen Erhöhungen könnten ab 2032 jedoch geringer ausfallen als bisher – Rentner*innen bekämen dann weniger zusätzliches Geld, als es ohne die Dämpfung der Fall wäre.
Betroffen wären davon Millionen Menschen. Allein Mitte 2025 zählte die Deutsche Rentenversicherung rund 21,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner, wie aus ihren aktuellen Eckzahlen hervorgeht.
Topaktuell
Auswirkungen des Nachhaltigkeitsfaktor auf die Rente
Ein einfaches Beispiel zeigt, was das bedeuten könnte: Würde eine Rente ohne Dämpfung um drei Prozent steigen, könnte sie mit dem Nachhaltigkeitsfaktor nur um etwa 2,81 Prozent zulegen. Wie stark dieser Effekt ab 2032 tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie sich Löhne, Beschäftigung und die Zahl der Beitragszahlenden im Verhältnis zu den Rentner*innen entwickeln.
Fest beschlossen ist die vorgeschlagene Änderung zudem bislang nicht. Die Bundesregierung erklärte am 31. August, dass sie die konkrete gesetzgeberische Umsetzung der Empfehlungen noch prüfe. Am 16. September bekräftigte sie, das Gesamtpaket der Alterssicherungskommission umsetzen zu wollen, betonte aber ebenfalls, dass an den gesetzlichen Details noch gearbeitet werde. Auch in einer Antwort vom 28. September verwies die Regierung auf laufende Beratungen. Wie die Regelungen am Ende tatsächlich aussehen, kann sich daher im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch verändern.
Für Rentner*innen würde der angekündigte „Beitrag“ damit nach dem derzeitigen Vorschlag vor allem bedeuten, dass ihre Bezüge ab 2032 in bestimmten Jahren weniger stark zulegen könnten als die Einkommen der Beschäftigten. Eine allgemeine Kürzung bestehender Rentenzahlungen lässt sich daraus dagegen nicht ableiten. Ob und in welcher Form der Nachhaltigkeitsfaktor tatsächlich verstärkt wird, entscheidet sich erst mit der gesetzlichen Umsetzung des Reformpakets. Für die zukünftige Entwicklung der Rente könnte diese Entscheidung dennoch Millionen Menschen unmittelbar betreffen.
Quellen: Bundesregierung, Bundesarbeitsministerium, Deutsche Rentenversicherung, Deutscher Bundestag