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Rheinmetall liefert ersten Panzer-Prototyp an US-Armee

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45 Milliarden Dollar im Spiel: Rheinmetall greift nach Mega-Auftrag der US-Armee

Von: Marcel Reich

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Ein deutscher Rüstungskonzern will im größten Verteidigungsmarkt der Welt wachsen. Nun beginnt die entscheidende Testphase für einen Milliardenauftrag.

Frankfurt – Der Rüstungskonzern Rheinmetall treibt in den USA die Bewerbung um einen milliardenschweren Panzerauftrag voran. Die US-Tochter American Rheinmetall hat den ersten Prototyp des Kampffahrzeugs Lynx XM30 an die US-Armee ausgeliefert, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Sieben weitere Prototypen sollen folgen.

Für Rheinmetall geht es um einen der wichtigsten Rüstungsaufträge der kommenden Jahre. Der XM30 soll perspektivisch den jahrzehntealten US-Schützenpanzer M2 Bradley ersetzen. Nach früheren Angaben könnte das Programm rund 4000 Fahrzeuge umfassen und ein Volumen von mehr als 45 Milliarden Dollar erreichen.

Rheinmetall liefert ersten XM30-Prototyp an US-Armee

„Das Team Lynx hat nun die Gelegenheit, der Armee zu zeigen, dass wir das Versprechen eines modernen Nachfolgemodells für den Bradley einlösen können“, sagte Matt Warnick, Chef von American Rheinmetall. Mit der Auslieferung beginnt für den Konzern eine entscheidende Phase: Die US-Armee wird die Prototypen testen, bewerten und mit dem Konkurrenzangebot vergleichen.

Für Rheinmetall ist der Schritt strategisch bedeutsam. Der Düsseldorfer Konzern will nicht nur in Europa vom steigenden Verteidigungsbedarf profitieren, sondern auch im größten Rüstungsmarkt der Welt stärker wachsen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte wiederholt betont, dass die USA ein wichtiger Zukunftsmarkt für den Konzern sind.

USA sind größter Rüstungsmarkt der Welt

Rheinmetall unterhält bereits mehrere Fabriken in den Vereinigten Staaten. Damit verfügt der Konzern über Produktionskapazitäten vor Ort – ein entscheidender Punkt, weil die US-Regierung bei großen Rüstungsprogrammen großen Wert auf industrielle Wertschöpfung im eigenen Land legt. Für ausländische Anbieter ist eine starke US-Präsenz deshalb oft Voraussetzung, um bei großen Ausschreibungen überhaupt realistische Chancen zu haben.

Die Düsseldorfer setzen dabei auch auf Kooperationen mit amerikanischen Partnern. Rheinmetall arbeitet in den USA unter anderem mit dem Rüstungskonzern Lockheed Martin zusammen. Zum von Rheinmetall geführten Konsortium für den XM30 gehören außerdem Raytheon, L3Harris, Textron Systems, Allison Transmission und Anduril Industries. Damit bindet Rheinmetall mehrere bekannte US-Unternehmen in das Programm ein.

Milliardenauftrag für Bradley-Nachfolger

Das Projekt hat enorme Dimensionen. Der M2 Bradley ist seit Jahrzehnten ein zentraler Schützenpanzer der US-Armee. Ein Nachfolgemodell würde über viele Jahre hinweg beschafft, gewartet und weiterentwickelt. Nach früheren Angaben könnte es um rund 4000 Fahrzeuge gehen. Das mögliche Auftragsvolumen liegt bei mehr als 45 Milliarden Dollar.

Schon die aktuelle Entwicklungs- und Prototypenphase ist für Rheinmetall lukrativ. Der Vertrag von American Rheinmetall für diese Phase hat nach Angaben des Unternehmens einen Wert von rund 764 Millionen Dollar. Für den Konzern ist das allerdings nur der Einstieg. Der eigentliche wirtschaftliche Durchbruch käme erst mit einem Zuschlag für die spätere Serienproduktion.

General Dynamics ist der große Konkurrent

Im Rennen um den Auftrag trifft Rheinmetall auf einen mächtigen US-Konkurrenten. Die US-Armee hatte 2023 neben American Rheinmetall auch General Dynamics Land Systems für die Entwicklung und Erprobung von XM30-Prototypen ausgewählt. General Dynamics ist in den USA tief im Verteidigungssektor verankert und gilt als besonders starker Wettbewerber.

Für Rheinmetall bedeutet das: Der Konzern muss nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch politisch und industriell. Entscheidend wird sein, welches Fahrzeug den Anforderungen der US-Armee besser entspricht, wie verlässlich die Lieferketten sind und welcher Anbieter glaubhaft eine langfristige Produktion in den USA sicherstellen kann.

Entscheidung soll Ende 2027 fallen

Nach früheren Angaben der US-Armee soll am Ende des Haushaltsjahres 2027 entschieden werden, welcher Anbieter den Zuschlag für die Produktion erhält. Bis dahin werden die Prototypen getestet und bewertet. Für Rheinmetall beginnt damit eine Phase, in der technische Leistung, Kosten, Wartbarkeit und industrielle Umsetzbarkeit zusammenkommen müssen.

Ein Erfolg in den USA hätte für Rheinmetall erhebliche Signalwirkung. Der Konzern würde sich als wichtiger Anbieter auf dem amerikanischen Markt etablieren und seine internationale Stellung weiter ausbauen. Für Deutschland wäre ein Zuschlag ebenfalls bemerkenswert: Ein deutscher Rüstungskonzern würde bei einem zentralen Modernisierungsprogramm der US-Armee eine Schlüsselrolle übernehmen.

XM30 soll technologischen Sprung bringen

Technologisch soll der XM30 gegenüber dem Bradley einen deutlichen Sprung machen. Rheinmetalls Fahrzeug verfügt unter anderem über einen hybrid-elektrischen Antrieb und eine offene, modulare Systemarchitektur. Diese soll spätere technische Aufrüstungen erleichtern und das Fahrzeug an neue Anforderungen auf dem Gefechtsfeld anpassbar machen.

Entwickelt wurde der Lynx auch für moderne Einsatzszenarien, in denen Drohnen, Präzisionswaffen und elektronische Kriegsführung eine immer größere Rolle spielen. Gerade der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie stark sich Landkriegsführung verändert hat. Fahrzeuge müssen heute nicht nur Schutz, Feuerkraft und Mobilität bieten, sondern auch digital vernetzt, aufrüstbar und gegen neue Bedrohungen anpassungsfähig sein.

Rheinmetall will in den USA wachsen

Für Rheinmetall passt der XM30-Auftrag in eine größere Wachstumsstrategie. Der Konzern profitiert bereits von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa und der deutschen Zeitenwende. In den USA könnte ein Großauftrag zusätzliche Skaleneffekte bringen und die Position des Unternehmens als internationaler Systemanbieter stärken.

Zugleich bleibt das Rennen offen. Mit General Dynamics steht Rheinmetall ein etablierter US-Rüstungskonzern gegenüber. Die Auslieferung des ersten Prototyps ist deshalb ein wichtiger Meilenstein, aber noch kein Durchbruch. Entscheidend wird sein, ob Rheinmetall die US-Armee in den kommenden Tests davon überzeugen kann, dass der Lynx XM30 tatsächlich der bessere Nachfolger für den Bradley ist. (Quellen: Rheinmetall, American Rheinmetall, US-Armee, Lockheed Martin) (mare)

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