Rheinmetall übernimmt Lok-Werk von Alstom in Kassel
Alstom teilte der hessenschau am Dienstag mit, dass "eine grundsätzliche Einigung mit Rheinmetall über die Zukunft des Standorts Kassel erzielt wurde". Auch ein Rheinmetall-Sprecher bestätigte die "grundsätzliche Einigung zu den wesentlichen Eckpfeilern".
Beide Unternehmen begrüßten die Möglichkeit, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Perspektive eröffnen zu können. Die vertraglichen Details würden vertraulich mit der Arbeitnehmervertretung und Rheinmetall besprochen, hieß es von Alstom.
Rheinmetall stellt Arbeitsplätze in Aussicht
Es sei das gemeinsame Ziel, dass die Alstom-Mitarbeiter künftig bei Rheinmetall Landsysteme am Standort Kassel eine Beschäftigung finden können, teilte das Rüstungsunternehmen Rheinmetall mit.
"Weitere Details werden derzeit noch verhandelt und müssen vertraglich final fixiert werden." Anschließend würden die Kolleginnen und Kollegen sowie die Arbeitnehmervertretungen und erst dann die Öffentlichkeit über die Details informiert.
SPD fordert zügig Klarheit zu Übernahmebedingungen
Die SPD-Fraktion Kassel fordert für die Beschäftigten von Alstom faire Übernahmebedingungen. "Die traditionsreiche Ära des Lokbaus in Kassel geht nun trotz eines langen Kampfes wohl oder übel zu Ende. Bei aller Trauer und Wut geht es jetzt aber vordringlich darum, so viele tarifgerechte Arbeitsplätze wie möglich zu sichern", erklärte Wolfgang Decker, Sprecher für Wirtschaft und Arbeit der SPD-Fraktion Kassel, gemeinsam mit den SPD-Abgeordneten aus Land und Bund, Esther Kalveram und Daniel Bettermann.
Alstom habe die Beschäftigten lange in Unkenntnis der Planungen gelassen. Nun müsse zügig Klarheit für eine sichere berufliche Zukunft geschaffen werden.
Lokomotiven-Bau vermutlich vor dem Aus
Noch in der vergangenen Woche hatten in Kassel 900 Mitarbeitende von Alstom demonstriert, um gegen die Verkaufspläne zu protestieren.
Bei Alstom werden bislang Lokomotiven gebaut. Der benachbarte, auf Panzer spezialisierte Rüstungskonzern Rheinmetall hatte schon länger Interesse bekundet. Das Unternehmen will die Hallen und das Gelände von Alstom übernehmen.
Die 750 Alstom-Beschäftigten im Werk Kassel befürchten, dass dann keine Loks mehr vor Ort produziert werden und eine mehr als 175-jährige Tradition endet. Sie fordern, in die Zukunfts-Planungen einbezogen zu werden.
Alstom gab Gewinnwarnung heraus
Alstom hatte zuletzt Auftragszuwächse verzeichnet. Im April hatte der Konzern jedoch eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Grund dafür waren Verzögerungen bei verschiedenen Projekten. Das Unternehmen hatte damals angekündigt, Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Noch im Juni hatte der Betriebsratsvorsitzende Markus Hohmann die Gerüchte über den geplanten Verkauf nicht nachvollziehen können. Die Produktion im Werk laufe gut, doch jetzt komme Alstom mit einem Interessenten daher. Das passe nicht zusammen.
"Wir wollen endlich Klarheit darüber, wo die Zukunftsreise hinführt", sagte er damals. Diese Klarheit dürfte nun mit der Übernahme des Alstom-Werks durch Rheinmetall kurz bevorstehen.