DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,30 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,18 % 65,11 USD 22:59:58 Brent 0,00 % 88,52 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin +0,12 % 63.100,85 USD 20:07:18 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:57 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:58 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:57

Riester oder Altersvorsorgedepot? Für wen sich der Wechsel lohnt

Allgemein

Startseite Wirtschaft Bis zu 63.000 Euro Unterschied: Für wen sich der Riester-Wechsel 2027 rechnen kann Von: Marcel Reich Uns auf Google folgen Ab 2027 können Riester-Sparer ins Altersvorsorgedepot wechseln. Eine Expertin rechnet vor, wann sich der Umstieg lohnt – und wer beim Altvertrag bleiben sollte. München – Für Millionen Riester-Sparer beginnt 2027 eine neue Zeitrechnung. Dann startet die reformierte staatlich geförderte private Altersvorsorge. Erstmals können Sparer ihr Geld auch in ein Altersvorsorgedepot übertragen, in dem etwa Fonds und ETFs ohne die bisher vorgeschriebene Beitragsgarantie genutzt werden können. Bestehende Riester-Verträge müssen deshalb aber keineswegs aufgegeben werden. Für Besitzer eines Altvertrags gibt es künftig drei Möglichkeiten: Sie können ihren Riester-Vertrag samt bisheriger Förderung unverändert weiterführen, den Vertrag behalten und lediglich in die neue Förderung wechseln – oder das angesparte Kapital in ein neues Altersvorsorgeprodukt wie ein Altersvorsorgedepot übertragen. Riester-Wechsel 2027: Diese Verträge sollten Sparer prüfen Welche Variante die beste ist, kann sich finanziell erheblich unterscheiden. Das zeigen Modellrechnungen von Susanne Krehl, Chief Growth Officer des BaFin-lizenzierten Kontoinformationsdienstes wealthAPI, die unserer Redaktion vorliegen. Entscheidend seien vor allem Kosten, Restlaufzeit und Garantien des bestehenden Vertrags. Besonders genau hinschauen sollten nach Einschätzung Krehls Besitzer von Riester-Verträgen, die derzeit beitragsfrei gestellt sind. Ende 2025 gab es in Deutschland knapp 14,7 Millionen Riester-Verträge. Das Bundesarbeitsministerium schätzt, dass gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel der Verträge ruht. Obwohl kein neues Geld eingezahlt wird, können weiterhin laufende Kosten vom Guthaben abgezogen werden. Auch teure Verträge mit langer Restlaufzeit können für einen Wechsel infrage kommen. Krehl nennt als Orientierung Effektivkosten von mehr als 1,5 Prozent pro Jahr bei mehr als 15 Jahren Restlaufzeit. Die Kosten seien bei der Entscheidung der größte Hebel, gefolgt von der Laufzeit. Danach kämen Garantien, der garantierte Rentenfaktor sowie die Höhe der künftigen Einzahlungen. Ein weiterer möglicher Vorteil des neuen Systems betrifft Sparer, die bislang nicht die volle Riester-Zulage erhalten haben. Im bisherigen System muss für die ungekürzte Förderung grundsätzlich ein bestimmter Mindesteigenbeitrag geleistet werden. Im neuen System wird die Förderung dagegen unmittelbar an die tatsächlichen Einzahlungen gekoppelt. Modellrechnung: Mehr als 63.000 Euro Unterschied Wie groß die Unterschiede werden könnten, zeigt Krehls Modellrechnung für einen 35-Jährigen. Er besitzt einen seit 2013 besparten Riester-Fondssparplan mit 12.000 Euro Guthaben und Effektivkosten von 1,8 Prozent im Jahr. Er verdient 48.000 Euro brutto, hat keine Kinder und zahlt jährlich 1.800 Euro selbst ein. Führt er den bisherigen Vertrag bis 65 weiter, käme er laut Rechnung auf rund 128.000 Euro. Bei einer Übertragung in ein Altersvorsorgedepot mit 0,4 Prozent Kosten und neuer Förderung wären es rund 191.000 Euro – mehr als 63.000 Euro Unterschied. Die Rechnung ist allerdings keine Prognose. Krehl unterstellt in beiden Varianten fünf Prozent Bruttorendite pro Jahr vor Kosten, nominale Beträge ohne Inflationsbereinigung und einen Auszahlungsbeginn mit 65 Jahren. Ein zusätzlicher möglicher Renditevorteil eines stärker aktienorientierten Depots ist nicht eingerechnet. Auch ein ruhender Vertrag kann teuer werden. Eine 45-Jährige besitzt im zweiten Beispiel eine Riester-Rentenversicherung von 2008, in die seit 2019 nichts mehr eingezahlt wird. Im Vertrag liegen 28.000 Euro, die Kosten betragen 2,1 Prozent. Bleibt alles unverändert, wären mit 65 Jahren nach dem Modell rund 49.600 Euro vorhanden. Nach einer Übertragung des Guthabens in ein günstigeres Depot wären es rund 68.800 Euro – ohne zusätzliche Einzahlung. Alte Riester-Verträge können wertvolle Garantien enthalten Ein Wechsel ist deshalb trotzdem nicht automatisch sinnvoll. Gerade ältere Verträge können Konditionen besitzen, die heute kaum noch erhältlich sind. Krehl nennt insbesondere garantierte Rentenfaktoren älterer Versicherungsverträge. Sie bestimmen, wie viel monatliche Rente der Versicherer für jeweils 10.000 Euro Vertragsguthaben garantiert. Hinzu kommen mögliche Beitragsgarantien oder Zusatzversicherungen, etwa für Berufsunfähigkeit oder Hinterbliebene. Auch besonders günstige Riester-Banksparpläne oder Fondssparpläne können es wert sein, behalten zu werden. Wohn-Riester ist zudem ein Sonderfall mit eigenen steuerlichen Folgen. Ein häufiger Denkfehler betrifft bereits gezahlte Abschlusskosten. Bei Versicherungsverträgen wurden große Teile davon oft in den ersten Vertragsjahren abgezogen „Es kommt darauf an, was von hier an noch anfällt, nicht auf den Durchschnitt der Vergangenheit“, sagt Krehl zu Ippen.Media. Mit 55 Jahren kann die dritte Möglichkeit interessant sein Das zeigt Krehls dritter Modellfall. Eine 55-Jährige besitzt einen Riester-Vertrag von 2005 mit voller Beitragsgarantie. Das Guthaben beträgt 42.000 Euro, die Kosten liegen bei 1,1 Prozent. Sie verdient 45.000 Euro brutto und zahlt jährlich 1.800 Euro ein. Behält sie alles unverändert, errechnet Krehl bis 65 rund 85.200 Euro. Behält sie den Vertrag, wechselt aber nur in die neue Förderung, wären es rund 89.500 Euro. Beim vollständigen Wechsel ins Altersvorsorgedepot kommt das Modell auf rund 94.700 Euro. Der komplette Wechsel liefert in dieser Rechnung zwar das höchste Endvermögen. Dafür müsste die Sparerin aber bestehende Garantien und den garantierten Rentenfaktor aufgeben. Die Zwischenlösung – alter Vertrag, neue Förderung – kann deshalb gerade für ältere Sparer interessant sein. Ein späterer Wechsel zurück in die alte Förderung ist allerdings nicht möglich. Neue Förderung bringt maximal 540 Euro Grundzulage Die neue Förderung funktioniert anders als Riester bisher. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr legt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro drauf. Für Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro gibt es weitere 25 Cent pro Euro. Damit beträgt die maximale Grundzulage 540 Euro im Jahr. Voraussetzung ist eine Einzahlung von mindestens zehn Euro im Monat. Für Kinder kommt eine zusätzliche Zulage hinzu. Nicht jede Familie fährt deshalb aber automatisch besser. Krehl warnt insbesondere bei Haushalten mit niedrigem Einkommen, mehreren Kindern und sehr kleinen Eigenbeiträgen vor einem vorschnellen Wechsel. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die bisherige Riester-Förderung für sie günstiger sein. Gutverdiener wiederum können zusätzlich über die steuerliche Günstigerprüfung profitieren. Unter zehn Jahren Restlaufzeit werden Garantien wichtiger „Ein Alter, ab dem sich ein Wechsel grundsätzlich nicht mehr lohnt, gibt es nicht“, erklärt Krehl. Je kürzer die Restlaufzeit, desto weniger stark wirkt allerdings der Kostenvorteil eines günstigeren Depots. Mit sinkender Restlaufzeit werde der Kostenvorteil eines günstigeren Depots jedoch kleiner, während der Wert bestehender Garantien zunehme. Bei weniger als zehn Jahren Restlaufzeit werde außerdem das Risiko wichtiger, unmittelbar vor dem Ruhestand von einem Börsenrückgang getroffen zu werden. Beim Standarddepot sieht das Gesetz deshalb vor, das Kapital vor Beginn der Auszahlungsphase schrittweise in einen risikoärmeren Fonds umzuschichten. Hinzu kommt: Im neuen System beginnt die Auszahlungsphase grundsätzlich frühestens mit 65 und spätestens mit 70 Jahren. Wer einen alten Riester-Vertrag mit einem früheren vereinbarten Auszahlungsbeginn besitzt, sollte diesen Unterschied vor einem Wechsel berücksichtigen. Warum auch das übrige Vermögen zählt Für Krehl reicht es nicht, allein Kosten und Garantien des Riester-Vertrags anzusehen. Relevant sei auch die gesamte finanzielle Situation: Wie viel kann dauerhaft gespart werden? Gibt es sichere Rücklagen? Wie viel Geld ist bereits an der Börse investiert? Besonders deutlich warnt Krehl davor, allein auf die mögliche Rendite zu schauen: „Wer keine Reserve hat, an die er jederzeit kommt, ist dort falsch, egal wie hoch die Förderung ausfällt.“ Umgekehrt könne jemand mit ausreichend sicheren Rücklagen leichter auf die Garantie eines alten Vertrags verzichten. Krehl argumentiert deshalb für eine umfassende Betrachtung von Konten, Depots und Versicherungen. Dabei ist ihre berufliche Rolle zu berücksichtigen: wealthAPI ist selbst auf die technische Zusammenführung von Finanz- und Vermögensdaten spezialisiert und stellt solche Daten unter anderem Banken, Brokern und Versicherern zur Verfügung. Auch das Bundesfinanzministerium gibt keine pauschale Empfehlung. Welche Variante geeignet ist, hängt von der persönlichen Lebenssituation und den individuellen Präferenzen ab. Für Riester-Sparer bedeutet das: 2027 wird nicht automatisch zum Jahr des Wechsels. Es wird vor allem zum Jahr des Rechnens. (Quellen: Antworten von Susanne Krehl, Bundesministerium der Finanzen (BMF), FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Statistik zur zusätzlichen Altersvorsorge/Riester-Verträge) (mare)

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