Rivale Werder Bremen schon in der Krise
Dicke Luft bei Werder! Vor dem ersten Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) ist die Stimmung beim HSV-Rivalen Bremen bereits tief im Keller.
Ein Trainerwechsel. Ein erfolgreicher Abstiegskampf. Und mehr als 20 Zu- und Abgänge im Kader. Das alles ist bei Werder Bremen zwischen September 2025 und September 2026 passiert. Trotzdem wirkt der Klub gerade wie in einer Zeitschleife gefangen
„Werders Schrott-Sommer“ („Bild“). „Gefährliches Spiel mit Werders Zukunft“ („Deichstube“). Das sind die Schlagzeilen dieser Woche.
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Vieles spielt dort hinein und fast alles kommt einem aus dem vergangenen Jahr bekannt vor. Was damals der Kreuzbandriss von Mitchell Weiser war, ist diesmal der Sehnenabriss im Oberschenkel von Jens Stage. Wieder muss Werder neben zahlreichen anderen Ausfällen über mehrere Monate einen Spieler ersetzen, den man mit den eigenen Mitteln nicht ersetzen kann. Und wieder ging der Saisonauftakt beim 1:4 in Freiburg auch deshalb gehörig schief.
Werder Bremen: Clemens Fritz in der Kritik
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Im Zentrum des Unmuts steht erneut ein Mann: der Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz. Nach dem Ende der Transferfrist wird der frühere Nationalspieler vor allem dafür kritisiert, keinen offensivstarken Ersatz für Stage im zentralen Mittelfeld mehr geholt zu haben.
Die anderen Vorwürfe sind ebenfalls nicht neu: Zu viele Neuzugänge (5) seien nur ausgeliehen. Die Last-Minute-Transfers Arthur, Moussa Ndiaye und Youri Regeer kamen erst, als die Saison schon lief. Werder ist darauf angewiesen, in jedem Jahr Spieler für einen Millionenbetrag zu verkaufen. Aber wer soll diese Erlöse bei dieser Kaderstruktur noch garantieren?
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Fritz stellte sich dieser Kritik noch bevor der Transfermarkt am Dienstagabend schloss. „Jeder darf seine Meinung haben. Aber wir können nur das umsetzen, was wir an Möglichkeiten zur Verfügung haben“, sagte der 45-Jährige.
Bremen holte 13 Neuzugänge – darunter Ex-HSV-Star Reis
Werder fehlt das Geld. Trotzdem seien von den 13 Neuzugängen, darunter Ex-HSV-Liebling Ludovit Reis aus Brügge, nur fünf per Leihe gekommen. Bei zwei von ihnen habe man per Kaufoption „die Hand drauf“ (Fritz). Die Rückkehr der schon in der Werder-Jugend ausgebildeten Niclas Füllkrug und Eren Dinkci seien „emotionale Leihen“ gewesen. Nur den Brasilianer Arthur könne man sich langfristig nicht leisten. Er wird nach einem Jahr nach Leverkusen zurückkehren.
Fritz sieht den Kader lange nicht so schlecht besetzt, wie dies in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Werder habe einige junge Spieler, „die Werte schaffen“. Und dazu genug Herzens-Bremer wie Niclas Füllkrug und Marco Friedl, „die eine stabile Achse bilden. Ich sehe unseren Kader als konkurrenz- und entwicklungsfähig an“.
Thioune-Appell an die Werder-Fans
Der Mann, der diese Einschätzung nun bestätigen muss, ist Werders Trainer Daniel Thioune. Er richtete vor dem Leipzig-Spiel einen Appell an Medien uns Fans: „Geben Sie mir und der Mannschaft die Chance, es allen zu zeigen. Ich merke auch, wie kritisch gerade alles ist“, sagte der Ex-HSV-Coach. „Im Moment kann ich diese kritischen Stimmen nicht mit Leistung widerlegen. Aber ich kann sagen, dass wir bereit sind, gehen zu wollen, Strecke zu machen, Ziele zu erreichen. Dieser Kader birgt die Chance, daraus etwas zu entwickeln.“
Thioune verwies auch auf die schwierige finanzielle Situation seines Vereins. „Wenn man nicht zu den Topvereinen der Liga gehört oder langfristig etwas aufgebaut hat, sondern aus einer schwierigen Saison kommt, dann muss man es so nehmen, wie es ist“, sagte er. „Das kann ich gerade ganz gut. Auch wenn ich mir einige Dinge vielleicht anders gewünscht hätte. Aber das ist kein Wunschkonzert. Willkommen im Leben!“ (dpa/mkw)