RKI meldet 17 neue Fälle: Zweiter Mensch stirbt nach Vibrionen-Infektion
Die Vibrionen-Saison startet dieses Jahr besonders früh, wie das RKI mitteilt. Die warmes Salzwasser liebenden Bakterien breiten sich derzeit in der Ostsee aus. Mehr als ein Dutzend Menschen haben sich bereits infiziert - darunter auch ein Kleinkind. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in diesem Jahr bislang zwei Todesfälle nach in Deutschland erworbenen Vibrionen-Infektionen registriert. Insgesamt seien 17 Fälle erfasst worden, die die entsprechenden Kriterien erfüllten, teilte das RKI auf Anfrage mit. Bei den beiden Todesfällen handele es sich jeweils um "hochaltrige" Menschen. Unter den 17 von Infektionen Betroffenen seien 10 Männer und 7 Frauen im Alter zwischen 3 und 95 Jahren (das Medianalter liege bei 70). Angaben zu Vorerkrankungen und offenen Wunden lägen dem RKI nur lückenhaft vor und würden nicht ausgewertet. Zur Risikogruppe zählen insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, etwa Diabetes, Leber- oder schweren Herzerkrankungen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit offenen Wunden. Vibrionen (Vibrio vulnificus) sind Bakterien, die natürlicherweise in Meer- und Brackwasser leben. Sie kommen auch in Süßwasser vor, lieben aber Salz. Dennoch bevorzugen sie weniger salzhaltige Gewässer wie die Ostsee. Im Winter, wenn das Wasser länger kalt bleibt, fallen sie in einen inaktiven Zustand und können nicht nachgewiesen werden. Steigt die Wassertemperatur im Sommer auf mehr als etwa 20 Grad, werden Vibrionen aktiv. Ihre Konzentration im Wasser kann dann deutlich zunehmen. Auch bei sinkenden Temperaturen bleiben die Bakterien mehrere Wochen aktiv. Nicht mit offenen Wunden baden gehen In diesem Jahr sei eine vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrionen-Infektionen zu beobachten, teilte das RKI mit. Bis zum 12. Juli dieses Jahres hat das Institut nach eigenen Angaben bereits 14 Fälle gezählt - in den drei Vorjahren seien es zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger gewesen (2023: 1 Fall, 2024: 9 Fälle und 2025: 4 Fälle). Todesfälle habe es in den drei Vorjahren insgesamt jeweils ein bis zwei gegeben. Zuvor war bekannt geworden, dass die Berliner Gesundheitsämter einen Todesfall nach einer Vibrionen-Infektion registriert hatten. Der Mensch hielt sich nach Angaben der Behörden vor Symptombeginn in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee auf. Experten zufolge sollte bei offenen, größeren oder frischen Wunden das Baden oder Waten in warmem Ostseewasser vermieden werden. Bei kleineren Wunden sei eine möglichst wasserdichte Abdeckung wichtig. Wenn eine Wunde doch mit Ostseewasser in Kontakt gekommen sei, müsse diese gründlich mit sauberem Leitungswasser ausgespült und beobachtet werden. Badende sollten nach dem Wasserkontakt auf lokale Hautreaktionen achten. Rötet sich eine Wunde oder ein Kratzer rasch, schwillt stark an, pocht oder schmerzt heftig - oft zusammen mit Fieber oder Schüttelfrost -, muss sofort ein Arzt oder die Notaufnahme aufgesucht werden. Das medizinische Personal sollte unbedingt erfahren, dass Ostseewasser im Spiel war.