Robyn in der Uber Arena: Von allen Erwartungen freigespielt
Nach einer siebenjährigen Tour-Pause ist die schwedische Popsängerin Robyn im März mit ihrem neuen Album "Sexistential" zurückgekehrt. In der Berliner Uber Arena hat sie die Songs nun live performt. Mit Blick auf ihren Katalog wird aber klar, dass Robyn nicht nur ein, zwei oder drei Hits hat. Im Blitzlichtgewitter ging es Schlag auf Schlag - auch nach Ende des Konzertes flackerten manchmal noch kurz Sterne vor den eigenen Augen auf. Der Erfolg des Abends zeichnete sich vor allem durch die Genauigkeit der Sängerin aus. Erst präzise Posen, dann mechanisch, roboterhafte Bewegungen, dann wieder raumgreifender Ausdruckstanz. Begleitet von Spots, Screens, Strobo, LED-Balken - alles auf die Schläge der Musik platziert, wird Robyn mal in Licht getaucht oder als geheimnisvolle Silhouette inszeniert. Die Performance zeigt, dass es nicht immer einer größeren, pompöseren Bespielung der Arena bedarf, um einen Popstar wie sie angemessen zu präsentieren. Allein die Akustik ist - wie so oft in der Uber Arena - kritisierenswert. Insbesondere vor den häufigen Synthie-Flächen wirkt Robyns Stimme dünn und raubt ihrem Auftritt ein Stück der Präsenz. Das ändert jedoch nichts an der Stimmung. Die viel gelobte Robyn-Community ist rücksichtsvoll und höflich - und tanzt vom ersten Moment an. Auch in den Rängen sitzt niemand, nicht einmal zu Beginn, als sich das Auftauchen von Robyn mit futuristischen Drone-Sounds ankündigt und sie in einem roten Kleid hinter einem weißen Vorhang schemenhaft immer wieder aufblitzt. "Blow my mind" ist ihr Eröffnungssong und in gewisser Weise das Versprechen, das sich über die insgesamt zwei Stunden auch einlöst. Das Popsternchen-Dasein war für Robyn vorgesehen - davon hat sie sich aber losgesagt, um ihr eigenes Ding zu machen und das durchzuziehen. Das unterstreicht sie mit ihrer Performance auf der Bühne auch. Mehrfach dringen "I Love You"- und "Ich liebe dich, Robyn"-Ausrufe der Zuschauenden durch den Raum. Robyn hält nur wenige Ansprachen - in einer betont sie, ihr musikalisches Werk vor allem auf traurigen Liebesliedern aufgebaut zu haben. Zeitweise peinlich berührt und genervt von dieser Traurigkeit, habe sie in den vergangenen Jahren aber gelernt, genau diese Lieder wertzuschätzen. Darunter auch ihr allergrößter Hit: "Dancing on My Own". Die Protagonistin sei zwar eine traurige, aber gleichermaßen toughe junge Frau, die einen Archetyp in ihrem Songwriting verkörpert. Das habe ihr unter anderem durch die letzten Jahre geholfen, durch die Phase der künstlichen Befruchtung und Schwangerschaft ohne Partner, von der unter anderem der Titeltrack ihres aktuellen Albums handelt. Die toughe Frau in Lederjacke, mit tätowierter Träne und Plastik-Kawasaki habe ihr gezeigt, wie Einsamkeit sich in etwas anderes umdeuten lässt, wie man sich selbst befähigt mit dieser umzugehen. Auf der Bühne der Uber Arena rekonstruiert Robyn derweil vor aller Augen die Entwicklung vom Pop-Sternchen im roten Kleid und High Heels zu dieser toughen Figur mit Lederjacke, Boxergürtel und einer Träne aus Strasssteinchen, die ebenso Teil ihrer Biografie ist. Robyn hat sich mit 47 Jahren von allen Erwartungen freigespielt und erfüllt sie gerade dadurch mehr denn je - mit Feuerwerk und Glitzerregen.