DAX +0,44 % 26.415,70 Pkt 11:39:47 MDAX +0,63 % 32.467,34 Pkt 11:39:57 Euro Stoxx 50 +0,18 % 6.551,54 Pkt 11:39:45 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,33 % 4.452,00 USD 11:44:51 Silber +0,86 % 65,67 USD 11:44:34 Brent +0,95 % 89,36 USD 11:44:51 WTI +0,47 % 82,79 USD 11:44:55 Bitcoin +0,68 % 63.245,01 USD 11:54:51 EUR/USD +0,58 % 1,16020 USD 11:54:54 EUR/GBP +0,05 % 0,85530 GBP 11:54:57 EUR/CHF 0,00 % 0,93900 CHF 11:54:57 EUR/JPY +0,39 % 184,611 JPY 11:54:54

Rohstoffe: Wer bekommt Grönlands Öl? Streit mit US-Konzern spitzt sich zu

Welt

Das Trump-nahe Unternehmen Greenland Energy will gegen den Willen der Grönländer Öl fördern und hat nun ohne Genehmigung Bohrausrüstung in die Region verschifft. Die Regierung reagiert scharf. Ein US-Unternehmen will hier Öl fördern, Trump gleich die ganze Insel kaufen. Foto: Grid Arendal Frankfurt. Donald Trump hat sein Ziel früh formuliert: Die USA sollen Grönland kontrollieren – notfalls mit militärischem Druck. Ende Juli bekräftigte der US-Präsident es erneut: Noch vor dem Ende seiner Amtszeit 2029 werde die Insel unter US-Kontrolle fallen. Hinter den Drohungen stehen sicherheitspolitische Motive: Grönland ist ein strategischer Außenposten in der Arktis, von dem aus sich russische und chinesische Aktivitäten beobachten lassen. Daneben dürften Rohstoffe für die USA attraktiv sein, darunter auch Öl. Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und US-Sondergesandter für Grönland, erklärte im Mai, binnen zehn Monaten könne in Grönland Öl produziert werden. Inzwischen zeigt sich: Das war deutlich zu optimistisch. Denn noch entscheidet Grönland über Bodenschätze. Ohne Genehmigung keine Bohrung. Was das in der Praxis heißt, erlebt nun das US-Unternehmen Greenland Energy. Die Unternehmen Greenland Energy und White Flame wollen zusammen im ostgrönländischen Jameson-Land-Becken Öl fördern. Greenland-Energy-CEO spricht von etwa 13 Milliarden Barrel Rohöl und einem Marktwert von mehr als einer Billion Dollar. Bei dem Bohrprojekt handelt es sich um ein Joint Venture: Greenland Energy will die Bohrungen finanzieren und eine Mehrheitsbeteiligung an dem Projekt erwerben. Es ist für die operative Planung und die technische Koordination zuständig. White Flame ist hingegen der Inhaber von Altlizenzen, die dem britischen Mutterunternehmen 80 Mile Plc 2015 und 2018 erteilt wurden. Allerdings bedeuten solche allgemeinen Lizenzen keine automatische Bohrgenehmigung. Für jeden vorherigen logistischen Schritt und für jede Bohrung muss sich das Unternehmen spezifische Einzelerlaubnisse einholen. Diese fehlen laut der grönländischen Regierung derzeit. Doch Ende Juli brachte Greenland Energy per Schiff Camp-Ausrüstung zum Flughafen Nerlerit Inaat – ohne Genehmigung. Die grönländische Regierung mahnte öffentlich ab. Transport von Ausrüstung ohne Genehmigung Über diesen Vorfall berichteten vor wenigen Tagen Medien weltweit. Der Tenor: Ein US-Unternehmen missachtet die Vorschriften eines fremden Landes – das der Präsident ohnehin annektieren möchte – und will einfach anfangen zu bohren. Daraufhin beschleunigten sich die Entwicklungen, und zwar nicht zugunsten Greenland Energys. Denn jetzt ist klar: Mindestens in diesem Winter wird der US-Konzern nicht mit den Bohrungen beginnen. Das geht aus einer Mitteilung der Regierung Grönlands hervor. „Der notwendige Genehmigungsprozess kann nicht abgeschlossen werden, und die erforderlichen Genehmigungen können daher nicht vor dem geplanten Bohrbeginn eingeholt werden“, heißt es darin. Frühestens im Winter des Folgejahres, also 2027, könnte Greenland Energy mit den Bohrungen beginnen. Das gab auch das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt. Robert Price, der CEO von Greenland Energy, wird darin folgendermaßen zitiert: „Wir werden die zusätzliche Zeit nutzen, um unsere Pläne weiter zu verfeinern und die Beziehungen zu den lokalen Gemeinschaften, strategischen Partnern und zuständigen Behörden zu vertiefen.“ Anwohner fürchten um ihre Lebensgrundlage In diesen „lokalen Gemeinschaften“ wächst der Widerstand gegen das Projekt. Die Bewohner des nahegelegenen 300-Einwohner-Dorfes Ittoqqortoormiit demonstrieren gegen die Pläne des Unternehmens. Sie fürchten um ihre Lebensgrundlage: das Jagen. Denn die Region ist ein Lebensraum für Moschusochsen und Eisbären. „Die Sorgen der lokalen Bevölkerung sind berechtigt“, schreibt Lauren Bowey von Greenpeace. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wären dafür umfangreiche Zufahrtsstraßen erforderlich, und es bestünde ein erhebliches Risiko für das Austreten von Chemikalien und Ölverschmutzungen, die die Tierwelt der Region und die traditionelle Jagdkultur massiv schädigen würden. Bereits in der Vergangenheit haben mehrere Ölkonzerne, darunter Shell und Exxon Mobil, in Grönland nach Vorkommen gesucht, aber aufgegeben. Der U.S. Geological Survey (USGS) schätzt zwar das technisch förderbare Potenzial auf 31 Milliarden Barrel Öläquivalent. Doch die Förderung ist sehr kostspielig. Denn rund 80 Prozent Grönlands sind von Eis bedeckt. Keine neuen Öllizenzen seit 2021 Und mittlerweile erteilt Grönland ohnehin keine Öllizenzen mehr. 2021 hatte die Regierung die Vergabe neuer Lizenzen gestoppt, weil sie die ökologischen und klimatischen Risiken als zu hoch einschätzte. Allerdings waren die Lizenzen für das Ölprojekt an White Flame bereits 2015 und 2018 erteilt worden. „Ein Widerruf der bestehenden Genehmigungen würde besondere Schritte erfordern und könnte als Enteignung gewertet werden“, schreibt die grönländische Regierung auf ihrer Website. Dort hat sie einen langen Text zu den Hintergründen des Ölprojekts veröffentlicht – und der zeigt: Selbst eine Bohrung im Winter 2027 könnte noch eine zu optimistische Einschätzung von Greenland Energy sein. Denn der Genehmigungsprozess in Grönland erfordert viele Zwischenschritte. Unternehmen müssen viele einzelne Phasen durchlaufen, in denen sie bestimmte Pflichten erfüllen müssen, damit ihnen die Behörden eine Genehmigung für den nächsten Schritt erteilen. Greenland Energy befindet sich demnach noch ganz am Anfang dieses Prozesses. Derzeit müsse das Unternehmen noch die erforderlichen Umwelt- und Sozialstudien erstellen. Umweltstudien fehlen noch Noch vor einem Monat behauptete CEO Price in einer Dokumentation des bekannten Fernsehmoderators Phil McGraw („Dr. Phil“): „Wir werden mit den Bohrungen etwa in der zweiten Oktoberwoche beginnen.“ Dr. Phil will das Projekt in einer sechsteiligen Dokuserie begleiten. Der Moderator saß bereits in einer Kommission für Religionsfreiheit der Trump-Regierung. Außer der Dokumentation von Dr. Phil gibt es weitere Beziehungen zwischen Greenland Energy und dem US-Präsidenten. So kaufte laut einem Bericht der britischen Zeitung „Guardian“ Kenneth Griffin, Milliardär und Großspender der Republikaner, neun Prozent der Anteile am Unternehmen. Außerdem ist eine der Vorstände Carol Craig, deren Rüstungsunternehmen Sidus Space an Trumps Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ arbeitet. Trump bezeichnete die Kontrolle über Grönland als einen entscheidenden Teil des „Golden Dome“-Plans. „Projekt ist auch politisch motiviert“ Kritiker fürchten, dass das Projekt auch ein Teil von Trumps Ambitionen sein könnte, Grönland zu annektieren. „Das Projekt ist auch politisch motiviert“, ist sich etwa Stefan Müller, Chef des Beratungsunternehmens für Rohstoffprojekte DGWA, sicher. Das Öl würde nicht dringend benötigt, es herrsche langfristig keine Knappheit am Markt. Zudem sei das Projekt logistisch herausfordernd, so Müller, der ein Heliumprojekt in derselben Region berät und kürzlich vor Ort war. Der lokale Flughafen sei nur per Schiff erreichbar. Im Winter friere der Fjord zu. Es handele sich um eine geografisch extrem abgeschiedene Region. Doch genau das könne das Unternehmen auch ausnutzen, meint Müller. In der Region gebe es praktisch keine staatliche Präsenz – weder militärisch noch zivil –, die schnell eingreifen könnte, sollte Greenland Energy vor Ort Fakten schaffen. Dies stelle die Souveränität von Grönland infrage. „Ich bin gespannt, wie Grönland reagiert, wenn das zweite Schiff in See sticht“, sagt er. Denn Greenland Energy plane, ein weiteres Schiff, das umfangreiches Bohrequipment geladen hat, Mitte September von Kanada aus in Richtung Grönland loszuschicken. Theoretisch könnte Grönland mit der Hilfe Dänemarks den Fjord sperren. Nahost Trump steht in den USA wegen des Iran-Kriegs immer stärker unter Druck Soldaten klagen über zu wenig Essen, die Munitionsvorräte schrumpfen, und selbst die Anhänger der Republikaner zeigen sich kritischer. Ändert Trump nun seine Strategie im Iran-Krieg? Ob dieses Schiff tatsächlich wie geplant aufbrechen wird, dazu schreibt Greenland Energy in seiner jüngsten Mitteilung nichts. Eine Anfrage des Handelsblatts ließ die Firma unbeantwortet. Verwandte Themen GrönlandDonald TrumpUSAGreenpeace Den unerlaubten Transport von Equipment nach Nerlerit Inaat hat das Unternehmen in einer Mitteilung als Fehler bezeichnet und erklärt, es sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass für die Lagerung von Ausrüstung im Gewerbegebiet des Flughafens keine separate Genehmigung der Rohstoffbehörde notwendig sei. Demnach befand sich die Ausrüstung bereits seit September 2025 in Grönland, in Dundas im Nordwesten der Insel. Von dort gelangte das Material zunächst nach Tasiilaq an der Ostküste, bevor es im Juli im Gewerbegebiet des Flughafens von Nerlit Inaat an Land gebracht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war aber die Genehmigung für den Transport, die das Unternehmen noch 2025 hatte, abgelaufen. Mehr: Im Ausnahmezustand – Was wirklich hinter den Preisschocks bei Rohöl steckt Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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