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Rostockerin Else Hartmann (94) will am 30. September selbstbestimmt sterben: „Habe das Gefühl, ich passe nicht mehr in diese Welt.”

Wissenschaft

Else Hartmann will am 30. September 2026 sterben. Das Datum kennt sie so genau, weil sie es sich selbst ausgesucht hat. Wenige Tage nach ihrem 95. Geburtstag am 16. September plant sie, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. „Ich habe die Nase voll. Ich möchte nicht mehr länger leben“, sagt Hartmann im Gespräch mit der „Ostsee Zeitung“. Todkrank sei sie nicht. „Aber ich habe das Gefühl, ich passe nicht mehr in diese Welt.“

Den Entschluss, mit einer Freitodbegleitung durch die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) ihr Leben zu beenden, fasste sie nach dem Tod von Alice und Ellen Kessler. Im November 2025 hatte das früher bekannte Bühnen-Duo begleitete Sterbehilfe in Anspruch genommen. „Seitdem die Kessler-Zwillinge das gemacht haben, fühle ich noch stärker, nicht mehr in dieser Welt leben zu wollen“, sagt die 94-Jährige.

Begleitete Sterbehilfe ist unter bestimmten Umständen erlaubt. 2020 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass „das allgemeine Persönlichkeitsrecht ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen“. Assistierter Suizid ist in Deutschland seitdem unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Die wichtigste Grundbedingung liegt darin, dass die Person weiß und versteht, was sie tut, wenn sie sich so das Leben nehmen will.

Die Person muss über Alternativen, um Schmerzen zu vermeiden, aufgeklärt sein.

Außerdem muss der Sterbewunsch schon eine längere Zeit bestehen und darf nicht aus dem Affekt geschehen.

Die Entscheidung muss von innen heraus getroffen werden und darf nicht von außen beeinflusst werden.

Die Person muss den Suizid eigenhändig ausführen, also beispielsweise das Medikament selbst einnehmen.

„Das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende ist kein Sonderrecht schwerkranker Menschen, kein Gnadenakt und keine Ausnahme von der Menschenwürde“, betont Robert Roßbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben. „Es ist Ausdruck derselben Würde, die jedem Menschen von Anfang bis Ende seines Lebens zukommt. Wer frei und verantwortlich über sein Leben verfügen darf, darf nicht in dem Moment entmündigt werden, in dem dieses Leben seinem Ende entgegengeht.“

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über das Thema begleitete Sterbehilfe zu berichten. Sollten Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Hilfe finden Sie bei kostenlosen Hotlines wie 0800-1110111 oder 0800 3344533.

Else Hartmanns Sterbeentschluss schockte ihre Angehörigen

Für ihr Umfeld sei ihre Entscheidung ein Schock gewesen. Hartmanns ehemaligen Kolleginnen und Freundinnen Hanne, Helga und Roswitha habe es die Sprache verschlagen. Auch ihre jüngere Tochter Elke, 72 Jahre alt, habe den Entschluss nicht gutheißen können. „Aber seitdem sie Krebs hat, versteht sie mich auch“, sagt die Seniorin. Ihre ältere Tochter Rosemarie, 75, sei von Anfang an verständnisvoll gewesen.

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Die 94 Jahre, die Hartmann nun schon mit Leben gefüllt hat, machen sich langsam auch körperlich bemerkbar. „Ich kann nicht mehr hören, die Augen machen nicht mehr mit. Ich kann nicht mehr ins Theater. Nicht mehr reisen“, sagt die Rentnerin, die mit ihrem Mann Günther früher gern Urlaub machte. Er starb vor 16 Jahren.

Wöchentliches Kaffeetrinken und tägliches Training

Trotzdem weiß die Seniorin ihre Zeit noch sinnvoll zu nutzen. Jeden Sonntag trifft sie sich mit ihren drei Freundinnen zu Kaffee und Kuchen, einmal in der Woche schaut eine ihrer beiden Töchter vorbei.

In ihrer Rostocker Wohnung, in der Hartmann seit 1960 lebt, hält sie sich jeden Tag mit einem Trimmrad und leichten Gewichtsübungen für Arme und Schulter fit. Auch das Einkaufen klappt dank Rollator noch.

Im vergangenen Winter hätte sie wegen des Schnees und der Glätte jedoch Schwierigkeiten gehabt. „Deswegen würde ich mich freuen, wenn das bis Oktober erledigt ist“, sagt Hartmann und meint ihr Ableben. „Dann muss ich nicht mehr durch den nächsten Winter mit meinem Rollator humpeln.“

Mittlerweile regelt 94-Jährige ihre letzten Angelegenheiten

Die Planung ihres Abschieds ist bereits in vollem Gange. „Frau Hartmann hat sich mittlerweile auf die Regelung ihrer persönlichen Angelegenheiten zurückgezogen“, heißt es auf Anfrage von FOCUS online bei der DGHS.

Im Juli hatte Hartmann noch einen großen Familientag mitsamt ihren beiden Töchtern, den vier Enkeln sowie acht Urenkeln veranstaltet. Einen Monat später reiste die gebürtige Hamburgerin nochmal die Elbmetropole – jene Stadt, in der sie den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Bombardierung Hamburgs erlebt hatte und ihren Ehemann Günther kennenlernte.

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