Rotorblatt reißt ab und stürzt in die Tiefe, zweites Windrad hat auch einen Schaden
Ein Riss im Blattlager ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache dafür, dass am 5. Juli ein Rotorblatt von einer Windkraftanlage im Windpark Waldhausen abgebrochen und zu Boden gestürzt war. Das teilte der Betreiber Statkraft mit. Windtechnikexperten und ein unabhängiger Gutachter hätten die havarierte Anlage seit dem Vorfall umfassend untersucht, heißt es in der Pressemitteilung. Wie bereits unmittelbar nach dem Unglück bekannt wurde, kam damals niemand zu Schaden, auch entstand kein weiterer Sachschaden über die Windkraftanlage hinaus. Das beschädigte Rotorblatt ist laut Statkraft inzwischen abtransportiert worden. Derzeit werde die Fläche rund um die havarierte Anlage nach verstreuten Kleinstpartikeln abgesucht und gereinigt. Bis ein neues Rotorblatt installiert ist, dürfte es nach Angaben von Statkraft noch einige Wochen dauern – wie lange genau, hänge davon ab, wann ein geeigneter Kran verfügbar sei und wann die Genehmigungen für die Anlieferung des Ersatzteils vorlägen. Auch zweite Anlage betroffen Nach dem Vorfall waren vorsorglich sämtliche Anlagen des Windparks abgeschaltet und untersucht worden. Fünf der sechs verbliebenen Anlagen liefen bereits seit dem 10. beziehungsweise 11. Juli wieder, nachdem Windtechnikexperten sie uneingeschränkt freigegeben hatten. An einer weiteren Anlage entdeckten die Fachleute dem Betreiber zufolge jedoch ebenfalls einen Riss im Blattlager. Dieser Schaden wurde laut Stratkraft umgehend instandgesetzt, sodass die Anlage seit dem 17. Juli wieder in Betrieb ist. Das betroffene Blattlager soll dennoch vorsorglich komplett ausgetauscht werden – voraussichtlich im November, da auch dafür ein Kran nötig sei. Als Konsequenz aus der Havarie und dem Folgeschaden kündigt Statkraft an, die Sicherheitsvorkehrungen im Windpark deutlich zu verstärken. An allen Anlagen sollen künftig Monitoring-Systeme angebracht werden, die rund um die Uhr in Echtzeit Daten über den Zustand der Blattlager liefern. Dabei komme eine umlaufende Glasfaser zum Einsatz, die auch kleinste Veränderungen an den Blattlagern registrieren und melden soll. Die Daten sollen künftig direkt in die laufende Überwachung des Windparks einfließen, die schon bislang rund um die Uhr durch ein Serviceunternehmen und einen technischen Betriebsführer erfolge. „Wir nehmen die Havarie und die Ergebnisse der Ursachenermittlung im Windpark sehr ernst. Der sichere Betrieb unserer Windkraftanlagen und die Sicherheit der Bevölkerung stehen an erster Stelle“, erklärte Statkrafts Deutschland-Chef Stefan Göbel. Man werde die Erkenntnisse aus Waldhausen nutzen, um die Sicherheitsvorkehrungen auch über den konkreten Vorfall hinaus zu überprüfen und zu verbessern. Erst im Januar als sicher eingestuft Der Vorfall hatte für Aufsehen gesorgt, weil die Anlagen als regelmäßig geprüft galten. Erst am 21. Januar dieses Jahres hatte Statkraft nach eigenen Angaben ein sogenanntes Weiterbetriebsgutachten erstellen lassen, das die Standsicherheit und Materialtauglichkeit aller Windkraftanlagen im Windpark bestätigt hatte. Das Landratsamt Ostalbkreis hatte auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, keine Hinweise darauf zu haben, dass der Betreiber seinen gesetzlichen Betreiberpflichten nicht nachgekommen sei. Statkraft betreibt den Windpark Waldhausen seit 2021. Die sieben Windkraftanlagen wurden 2006 und 2007 errichtet und erzeugen nach Unternehmensangaben rechnerisch Strom für rund 6000 Haushalte. Bereits Anfang 2024 hatte Statkraft Pläne für ein Repowering des Windparks vorgestellt: Die sieben bestehenden Anlagen sollen demnach vollständig zurückgebaut und durch sechs leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Eine Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist frühestens 2029 vorgesehen.