Ruhestand mit 40 oder 50? Früh in Rente mit der Vier-Prozent-Regel
Fire-Bewegung
Früh in Rente mit der Vier-Prozent-Regel
MeinungEine Kolumne von Jessica Schwarzer
Aktualisiert am 13.09.2026 - 08:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Sie träumen von der finanziellen Freiheit und von einem sehr frühen Ruhestand: die Fire-Anhänger. Wie es mit der Rente ab 40 oder 50 klappt.
Ein schönes Leben im Alter, beste Gesundheit, keine finanziellen Sorgen, dafür aber jede Menge Zeit für Reisen und Hobbys – davon träumen wohl die meisten Menschen. Je früher es losgehen kann, desto besser. Kein Wunder, dass die Debatte über die Abschaffung der "Rente mit 63" so hitzig geführt wird.
Es gibt aber Menschen, für die diese Debatte völlig irrelevant ist. Denn sie planen, das Arbeitsleben schon viel früher hinter sich zu lassen. Mit 40 oder 45 Jahren, spätestens aber mit 50 soll Schluss sein. Sie sind Anhänger der Fire-Bewegung. Die vier Buchstaben stehen für "Financial Independence, Retire Early"; übersetzt: finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand.
Bescheidenes Leben, hohe Sparquote
Um dieses Ziel zu erreichen, sparen die Fire-Anhänger schon in jungen Jahren sehr viel Geld. Sie leben frugal, also sehr bescheiden, verzichten bewusst auf Konsum und investieren einen Großteil ihres Geldes an der Börse sowie in vermietete Eigentumswohnungen, um so möglichst hohe Einkünfte aus ihrem Vermögen zu erzielen. Sind Dividenden, Zinsen und Mieteinnahmen hoch genug, um dauerhaft davon leben zu können, dann gelten diese Menschen als finanziell frei. Träumen auch Sie von dieser Freiheit?
Zur Person
Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Ihr aktuelles Buch "Über die Psychologie der Börse: 20 zeitlose Lektionen über Börsenpsychologie – So wirst Du ein besserer (und entspannterer) Anleger" erschien im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag. Bei t-online schreibt sie über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basisgeldanlage ergänzen.
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Das Ganze hat aber einen Haken: Wer nicht viel verdient, wird es kaum schaffen, binnen weniger Jahre ein größeres Immobilienportfolio oder ein dickes Aktiendepot aufzubauen. Um mit 40 oder 50 Jahren in Rente gehen zu können, braucht es einiges an Vermögen.
Überhaupt kann auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit einiges schiefgehen. Eine Wirtschaftskrise und ein Börsencrash zur falschen Zeit – und schon sprudeln die Dividenden nicht mehr so schön, von möglichen größeren Kursverlusten ganz zu schweigen. Auch die Inflation kann zum Stolperstein werden. Wer hier falsch kalkuliert, kann sein blaues Wunder erleben. Wie schnell das Leben deutlich teurer werden kann, haben wir alle in den vergangenen Jahren gesehen.
Dividenden und Zinsen allein reichen nicht
Überhaupt die Kalkulation: Wie viel Vermögen braucht es, um finanziell frei zu sein? Das hängt natürlich stark vom persönlichen Lebensstil ab, die einen brauchen weniger, die anderen mehr. Seien Sie lieber etwas großzügiger zu sich selbst, dann sind Sie auf der sicheren Seite. Gerade überzeugte Frugalisten könnten dazu neigen, zu knapp zu kalkulieren. Es gilt also zu rechnen. Nur mit Dividenden und Zinsen werden Sie kaum ans Ziel kommen. Bei Dividendenrenditen von drei bis fünf Prozent müssten Sie schon sehr viel Geld investieren. Noch mehr, wenn Sie eher auf Zinsprodukte setzen wollen. Wahrscheinlich werden Sie dann Geld aus Ihrem Depot (oder von Ihren Sparkonten) entnehmen müssen.
Wie also rechnen? Bei Fire-Anhängern beliebt ist die Vier-Prozent-Regel, die auf der sogenannten Trinity-Studie basiert. Diese berühmte Finanzuntersuchung von drei Professoren der Trinity University in Texas zeigt, wie viel Geld Anleger im Ruhestand jährlich aus ihrem Portfolio entnehmen können, ohne dass es vorzeitig aufgebraucht wird.
Das Ergebnis: Bei einer Aktienquote von 50 bis 75 Prozent reichte das Vermögen in den historischen Tests über einen Zeitraum von 30 Jahren in rund 95 Prozent der Fälle aus. Umgekehrt braucht es demnach das 25-Fache der Jahresausgaben als Vermögen. Wer 50.000 Euro pro Jahr braucht, benötigt also 1,25 Millionen Euro für die finanzielle Unabhängigkeit. Eine stolze Summe, aber eine ganz brauchbare Faustregel.
Schön, wenn Sie darüber hinaus auch noch eine oder besser mehrere vermietete Immobilien besitzen würden, die regelmäßige Mieteinkünfte bringen und die Sie im Fall der Fälle auch verkaufen könnten. Auf mehrere Anlageklassen zu setzen, ist übrigens immer eine gute Idee – Stichwort: Risikostreuung. Nur auf Beton und Steine zu setzen, ist auch nicht unbedingt eine gute Idee. Auch auf dem Immobilienmarkt kann es schließlich mal eine Krise geben. Mal ganz abgesehen von Instandhaltungskosten und überraschenden Reparaturen.
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Unabhängig davon, wie Sie Ihr Vermögen strukturieren: Von den Erträgen leben zu können, ist möglich, aber ein langfristiges Projekt. Das Vermögen muss erst einmal aufgebaut werden, was je nach Sparquote sehr langwierig sein kann. Doch um ein paar Jahre früher in Rente gehen zu können, ist vielen Menschen diese Anstrengung wert.
Übrigens ist es nicht mein Traum, möglichst früh in den Ruhestand zu gehen. Dafür liebe ich meinen Job zu sehr und arbeite viel zu gerne. Die Idee von der finanziellen Unabhängigkeit gefällt mir aber sehr. Je unabhängiger, desto besser. Natürlich geht das alles nicht über Nacht. Aber wie heißt es so schön: Manchmal ist ja auch der Weg das Ziel. Freuen Sie sich also einfach über Streckenabschnitte oder Etappenziele.
Verwendete Quellen
Eigene Meinung
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