Rundfunkrat eingeschaltet: ARD-Journalist teilt irre Israel-Theorie zu Ceuta-Krise
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Berlin – Zehntausende Migranten in Nordafrika stürmen die EU-Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, sorgen für einen Ausnahmezustand, Dutzende Menschen sterben dabei im Chaos. Woher der plötzliche Ansturm? Verschwörungstheoretiker im Internet haben sehr schnell eine ziemlich einfache Erklärung parat: Demnach stecke hinter dieser Krise eine finstere, marokkanisch-amerikanisch-israelische Verschwörung. Angebliches Motiv: Spanien destabilisieren und Europa spalten. Belege oder gar Indizien gibt es dafür keine. Auch fragen Anhänger solcher Thesen nicht, welches Interesse Israel daran hätte, Europa mit Millionen Muslimen zu fluten. Dennoch teilten einschlägige Verschwörungstheoretiker wie der US-Meinungsmacher Tucker Carlson (politisch weit rechts) oder der spanische Oscar-Preisträger und Palästina-Aktivist Javier Bardem (politisch weit links) die These. Eine KI-Karikatur, bei der Migranten aus dem Mund von Israel-Premier Benjamin Netanjahu strömten, wurde von Millionen Internet-Nutzern gesehen. Doch die billige Strippenzieher-These nach dem uralten Muster, wonach Juden das Weltschicksal lenken würden, fand auch einen prominenten Anhänger unter den Journalisten unserer gebührenfinanzierten Medien! Spanien gut, Marokko böse Ex-„Monitor“-Chef Georg Restle, mittlerweile Afrika-Korrespondent der ARD, teilte auf X folgenden Satz aus einem Artikel der US-Zeitschrift „The Nation“: Die Ceuta-Krise war „weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben“. Der verlinkte Artikel zimmerte sich die Dinge so zurecht: Marokko (Israel-Hassern verdächtig, weil es die Abraham-Verträge für eine Normalisierung der Beziehungen mit dem jüdischen Staat unterschrieben hat) sei ein Kolonialstaat, da es die Westsahara besetzt hält (Unterton: Es ist böse). Spanien wiederum sei trotz seiner Gebiete auf dem afrikanischen Kontinent antikolonial, weil es von einer linken und israelfeindlichen Regierung angeführt werde (also gut). Politiker und Rundfunkrat schalten sich ein Bei Restles Posting handele es sich um „Antisemitismus und Antiamerikanismus vom Feinsten“, schrieb CDU-Politikerin Serap Güler (46) auf X. „Dass sich ein Journalist des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks nicht schämt, Verschwörungstheorien zu verbreiten, ist dabei der Gipfel.“ Grünen-Politiker Volker Beck (65), Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), fragte: „Haben Sie recherchiert und einen Beweis für diese wilde Behauptung vorzuweisen? Oder sind Fakten mittlerweile obsolet?“ Mittlerweile hat sich auch der WDR -Rundfunkrat eingeschaltet. Dessen Mitglied Felix Schotland beschwert sich über Georg Restle in einem Brief, den die „ Jüdische Allgemeine “ veröffentlicht, bei WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk. Darin schreibt er: „Gerade ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks trägt eine besondere Verantwortung. Von ihm erwarte ich eine faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Aussagen dieser Tragweite sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen.“ Restle distanziert sich nur ganz leicht Am Samstag (zwei Tage nach seinem Posting) reagierte Restle – und stellte sich als Opfer dar: „Aus dem Zitat einer keineswegs antisemitischen geopolitischen Analyse eines US-amerikanischen Hochschulprofessors einen Antisemitismus-Vorwurf zu zimmern, ist so grotesk wie leider erwartbar“, schrieb er. Fast zehn Stunden später wollte er die irre These, an der er weiter keinen Antisemitismus erkennen wollte, dann doch nicht mehr vertreten. Er schrieb: „Es ist nicht meine Äußerung. Ich mache mir dieses Zitat weder zu eigen noch hätte ich es selbst so formuliert.“ Eine weitere Dreiviertelstunde später fügte er hinzu: „Daher war es ein Fehler, dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben, weil mir hätte klar sein müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird. Gegen die haltlosen Vorwürfe, ich würde hier Antisemitismus verbreiten, verwahre ich mich dagegen ausdrücklich.“