Russen plündern Konten: „Drohnen fliegen. Dinge brennen. Nervosität wächst”
In Russland ziehen Sparer und Unternehmen in großem Stil Geld aus dem Finanzsystem ab. Nach einem Bericht der „Washington Post“ wurden im Juli umgerechnet rund 7,3 Milliarden Dollar (etwa 6,3 Milliarden Euro) von Konten abgehoben, in den ersten beiden Augustwochen weitere 3,4 Milliarden Dollar (etwa 2,9 Milliarden Euro). „Drohnen fliegen. Dinge brennen nieder. Nervosität wächst“, sagte ein ehemaliger hochrangiger Finanzbeamter dem Blatt. Klar ist: Der russische Finanzsektor ist durch staatlich gelenkte Kredite an die Rüstungsindustrie und eine schwächelnde Wirtschaft belastet. „Alles eine Konsequenz aus der Angst“ Hinter den aktuellen Abhebungen steckt möglicherweise wachsendes Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem. Viele Menschen wollen ihr Geld lieber in bar zur Verfügung haben, heißt es im „Washington Post“-Beitrag. Die Sorge nehme zu, der Staat könnte bei weiterem Druck stärker auf Guthaben oder Vermögen zurückgreifen. Die frühere Zentralbank-Beraterin Alexandra Prokopenko sagte der Zeitung: „Das ist alles eine Konsequenz aus der Angst, dass die Regierung etwas mit den Banken vorhat, dass sie Anlagen verstaatlichen könnte.“ Ihr zufolge sei eine Verstaatlichung zwar unwahrscheinlich. Prokopenko schließt jedoch nicht aus, dass die Behörden ein Abhebelimit einführen könnten. Russland hat mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen Fest steht: Das russische Finanzministerium musste zuletzt geplante Auktionen von Staatsanleihen absagen, weil Banken wegen knapper Liquidität weniger Spielraum für Käufe haben. ANZEIGE ANZEIGE Sberbank-Manager Taras Skworzow warnte in der „Washington Post“: „Jeden Monat gibt es einen großen Kapitalabfluss.“ Er sagte auch: „Wenn der Trend anhält, wird sich die Lage nicht bessern.“ Dass Russland mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, zeigen auch andere Daten. In einer Analyse des „Kiel Institut für Weltwirtschaft“ ist die Rede von deutlichen Anzeichen struktureller Erschöpfung. Die Experten verweisen auf weitgehend aufgebrauchte fiskalische Reserven und eine wachsende Abstützung über Kredite und das Bankensystem. Risiken bei Krediten wachsen Auch von anderer Seite wächst der Druck. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete bereits im Juli unter Berufung auf einen europäischen Geheimdienstbericht, dass russische Banken in großem Umfang politisch geförderte Kredite an Rüstungsfirmen und den Immobiliensektor vergeben haben. Demnach könnte rund jeder zehnte Unternehmenskredit ausfallgefährdet sein.