Russische Drohnen greifen ukrainische Bahn nahe der EU-Grenze an - auch Ungarn beobachtet die Entwicklung mit Sorge
Ein russischer Drohnenangriff auf einen ukrainischen Personenzug nahe der polnischen Grenze sorgt für neue Unruhe in Europa. Der Zug wurde bei Jahodyn getroffen, rund zwei Kilometer von Polen entfernt. Kurz zuvor hatte ein Sonderzug mit dem früheren britischen Premierminister Boris Johnson und weiteren westlichen Vertretern dieselbe Strecke passiert.
Für Ungarn bekommt der Vorfall eine eigene Bedeutung. Das Land ist über die Bahn eng mit der Ukraine verbunden. Von Budapest fahren Züge über den Grenzbahnhof Tschop weiter nach Munkatsch, Lwiw und Kiew, berichtet das ungarische Nachrichtenportal „Telex“.
Der Bahnverkehr zwischen Ungarn und der Ukraine läuft trotz des Krieges weiter. Die MÁV weist allerdings darauf hin, dass es wegen der Sicherheitslage zu Einschränkungen kommen kann. Im Mai mussten laut dem Bericht internationale Züge nach russischen Drohnenangriffen in Transkarpatien zeitweise bereits am Grenzbahnhof Tschop wenden.
Russland greift die ukrainische Bahn verstärkt an
Moskau begründet die Angriffe mit der Bedeutung der Bahn für den Transport militärischer Güter. Gleichzeitig geraten immer wieder Personenzüge und Beschäftigte der ukrainischen Bahn in Gefahr.
Laut dem Bericht wurden seit Beginn des Großangriffs 492 Lokomotiven und fast 250 Waggons bei Angriffen beschädigt. 58 Beschäftigte kamen ums Leben, 317 wurden verletzt. Allein in diesem Jahr registrierte die Ukraine 1534 Angriffe auf ihre Bahninfrastruktur.
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Ob der Sonderzug mit westlichen Politikern tatsächlich das Ziel war, ist nicht klar. Die ukrainische Bahn hält dies für möglich, Russland erklärt dagegen, Infrastruktur für militärische Transporte angegriffen zu haben.
Für Europa wird der Bahnverkehr zur Sicherheitsfrage
Für Ungarn stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie lange kann der grenzüberschreitende Bahnverkehr aufrechterhalten werden, wenn russische Drohnenangriffe näher an die westlichen Grenzübergänge der Ukraine rücken?
Die ungarische Grenze ist deutlich weiter von den aktuellen Angriffsorten entfernt als die polnische. Zugleich ist die Bahnverbindung über Tschop eine der Verbindungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union.
Auch für den Westen wächst damit der Handlungsdruck. Polen hat nach den jüngsten Vorfällen seine Grenzübergänge stärker abgesichert. Zugleich müssen die Nato-Staaten abwägen, wie sie die Ukraine und ihre eigenen Grenzen schützen, ohne den Krieg weiter auszuweiten.