Russischer Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin flüchtet nach Paris
"Ausländischer Agent" Kremlkritiker Nadeschdin flüchtet nach Paris Von dpa 03.08.2026 - 15:06 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Eine kürzliche Festnahme hat den prominenten russischen Oppositionellen Boris Nadeschdin aufgeschreckt. Nun meldet er sich nach der Flucht. Der populäre russische Oppositionelle Boris Nadeschdin hat nach einer vorübergehenden Festnahme in Moskau nun seine Heimat verlassen und ist in Paris. "Es gibt gute Neuigkeiten. Ich bin am Leben und in Freiheit", sagte er in einem auf Telegram veröffentlichten Video, aufgenommen vor dem Eiffelturm in Paris. Er wolle sehen, wie es weitergeht und später über seine Pläne informieren. Dutzende russische Oppositionelle leben wegen politischer Verfolgung in Russland unter Kremlchef Wladimir Putin im Exil im Ausland. Nadeschdin hatte zuletzt auch erklärt, seinen Kampf um die Teilnahme an der Parlamentswahl in Russland im September aufzugeben. Nach einer zeitweiligen Festnahme erklärte er im Juli, dass er seine Anhänger nicht unnötig in Gefahr bringen wolle und deshalb verzichte. Er machte außerdem deutlich, dass er mit dem Gedanken spiele, aus Gründen seiner eigenen Sicherheit Russland zu verlassen. Nadeschdin hatte das Protokoll seiner jüngsten Vernehmung auf seinem Telegram-Kanal veröffentlicht. Demnach wird ihm vorgeworfen, ein Video mit dem Bild des im Straflager zu Tode gequälten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny weiterverbreitet zu haben. Damit habe der Oppositionelle auf die als extremistisch verbotene Organisation von Nawalny verwiesen, hieß es. "Was mir vorgeworfen wird, habe ich nicht getan", schrieb Nadeschdin. Moskau stuft Nadeschdin als "ausländischen Agenten" ein Das russische Justizministerium hatte Nadeschdin im Juli als "ausländischen Agenten" eingestuft – der Machtapparat benutzt diese Bezeichnung, um Andersdenkende zu stigmatisieren. "Ausländische Agenten" sind von Wahlen in Russland ausgeschlossen. Das Ministerium warf Nadeschdin vor, er verbreite Falschinformationen über Entscheidungen russischer Behörden und rufe zu nicht genehmigten Demonstrationen und Mahnwachen auf. Noch bei der Präsidentenwahl 2024 hatten sich lange Warteschlangen in Moskau gebildet beim Sammeln der nötigen Unterschriften von Unterstützern für ihn. Die Wahlleitung ließ Nadeschdin, der offen Position gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine bezieht, aber nicht zur Wahl zu. Die noch wenigen in Freiheit verbliebenen Oppositionellen in Russland beklagen vor der Wahl, die vom 18. bis 20. September angesetzt ist, eine Zunahme der ohnehin schon allgegenwärtigen Repressionen. Die Kremlpartei Geeintes Russland will trotz der großen Unzufriedenheit vieler Russen im Zuge des Krieges bei dem Urnengang ihre Machtposition behaupten.