Russischer Veteran für Kritik an Generälen im Ukraine
Startseite Politik „Mit Folter und Gewalt überzogen“: Russischer Veteran für Kritik an Generälen im Ukraine-Krieg verhaftet Von: Fabian Hartmann Uns auf Google folgen Putin lässt einen weiteren Kritiker verstummen: den Ukraine-Kriegsveteran Alexander Lunin. Er hatte Zustände an der Front jüngst scharf angeprangert. Moskau – Das Kalkül im eng gestrickten Machtsystem Wladimir Putins beruht bekanntermaßen darauf, Kritik am Kreml im Keim zu ersticken. Personen, die diese vorbringen, müssen damit rechnen, unter dem Druck von Repressionen stillgehalten zu werden. Jenes Prinzip kommt nun auch im Falle des ehemaligen russischen Frontsoldaten Alexander Lunin zum Ausdruck, der an der Seite seiner Landsleute jahrelang im Ukraine-Krieg für Putins Belange kämpfte. Noch am Donnerstag (25. Juni) teilte Lunin auf Instagram einen Videobeitrag, in dem er russische Generäle für mutmaßliche Tyranneien an der Front aufs Schärfste anprangerte. Gleichzeitig richtete der russische Kriegsveteran eine allzu direkte Forderung an Regierungschef Putin. Am Sonntagmorgen – keine 72 Stunden nach Veröffentlichung des Instagram-Videos – wurde Lunin in Russland verhaftet. Veteran prangert Ausbeutung durch russische Kommandeure im Ukraine-Krieg in den sozialen Medien an In einem kürzlich auf dem sozialen Medium Instagram veröffentlichten Video kritisierte Lunin, wie seine Kollegen an der Front im Ukraine-Krieg von ihren Kommandeuren ausgebeutet werden. In jenem Beitrag spricht Lunin von „Dutzenden, Hunderten, Tausenden Soldaten“ der russischen Armee, „die im Arrest sitzen und von ihren Kommandeuren bestraft, mit Folter und Gewalt überzogen“ würden. So sagte Lunin, sie säßen aktuell „in Erdlöchern, bestraft von ihren Kommandeuren“. Sie verrotten dort, Folter und Gewalt durch die sogenannte Gestapo ausgesetzt.“ Und das, weil sie sich nach Ansicht des Kriegsveteranen „geweigert haben, dumme, selbstmörderische Befehle zu befolgen, weil sie sich wehrten, ihre finanziellen Mittel abzugeben“. So heißt es im von Lunin veröffentlichten Video im Wortlaut, über das zunächst die unabhängigen russischsprachigen Medien Meduza und The New Voice of Ukraine berichteten. Kritik an Russlands Ukraine-Krieg: Lunin forderte auch ein Live-Treffen mit Putin Betitelt ist das Videomaterial mit den Worten „Mitteilung an W.W. Putin“ (Wladimir Wladimirowitsch Putin, Anm. d. Redaktion) – und Lunin richtet gleich zu Beginn einen gewichtigen Appell an den Kreml-Chef. So sagte der Ex-Soldat darin, an Putin gerichtet: Wenn dieser ihm nicht zeitnah eine live übertragene Audienz im staatlich kontrollierten russischen Fernsehen gewähre, werde er „die volle Wahrheit darüber sagen, was bei uns im Land passiert“. Und dabei beließ es Russlands Kriegsveteran, der nach seinem Fronteinsatz vor allem als Blogger tätig war, noch nicht: „Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml“, drohte er in aller Vehemenz. Lunins Instagram-Video verbreitete sich zügig über viele Kanäle und wurde alleine auf Instagram – das in Russland blockiert ist und nur über VPN abgerufen werden kann – binnen kürzester Zeit zehn Millionen Mal geklickt. Nach nächtlicher Razzia wurde Lunin nun verhaftet – es folgen elf Tage Untersuchungshaft Statt des eingeforderten Termins mit Machthaber Putin im russischen Staatsfernsehen bekam es Lunin nur wenige Tage nach Veröffentlichung seines höchstkritischen Videos mit Russlands Justizbehörden zu tun. Wie Lunins Ehefrau Tatjana in einem Video erklärte, verschaffte sich die Polizei in der Nacht von Samstag auf Sonntag Zugang zum Haus des Ehepaars in Lisinowka, wobei sie sämtliche elektronische Geräte und Speichermedien konfiszierten. Kreml-Kritiker Lunin selbst sei Meduza zufolge zu jenem Zeitpunkt nicht vor Ort gewesen, sondern habe sich im Gefolge eines Bekannten bereits auf dem Weg nach Moskau befunden. Bei selbiger wurde Lunin schließlich von den russischen Behörden verhaftet, wie mitunter die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und n-tv am Sonntagmorgen berichteten. Lunin sei körperlich wohlauf, allerdings für elf Tage in Ordnungshaft genommen worden, wie ein Bekannter des Militärbloggers auf dessen Telegramkanal mitteilte.