Russland greift die Ukraine mit immer schnelleren Drohnen an. Für die neuen Systeme braucht Moskau ausgerechnet Triebwerke aus China
Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine zunehmend auf neue Kampfdrohnen. Dabei geht es vor allem um die Modelle Geran-4 und Geran-5, die mit Strahltriebwerken aus China ausgestattet sind. Diese Drohnen sind deutlich schneller als die bisher zum Großteil eingesetzten Varianten mit Propellerantrieb. Für die ukrainische Luftabwehr wird das zum Problem, weil die Zeit zum Reagieren und Abfangen spürbar sinkt. Nach Angaben des stellvertretenden Chefs des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Wadym Skybyzkyj, machten strahlgetriebene Drohnen bei einem der jüngsten Angriffe bereits die Hälfte aller eingesetzten Geräte aus. China liefert das entscheidende Bauteil Der Umbau auf diese neue Drohnengeneration hat für Moskau allerdings einen Haken: Russland ist bei den Triebwerken nach ukrainischen Angaben vollständig von China abhängig. Skybyzkyj sagte in einem Interview mit „RBC-Ukraine“: „Bei Geran-4 und Geran-5 sind die Turbojet-Triebwerke das Problem. Sie versuchen, eigene zu bauen. Derzeit sind sie bei diesen Motoren völlig auf China angewiesen, und sie sind teuer.“ Demnach kostet jedes einzelne Triebwerk zwischen 35.000 und 40.000 Dollar. Laut dem polnischen Nachrichtenportal „Forsal.pl“ werden die aus China bezogenen Motoren formal für zivile Zwecke ausgewiesen. Angriffe auf Industrie, Logistik und Häfen Russland baut nach Angaben aus Kiew nicht nur seine Drohnenproduktion aus, sondern steigert insgesamt den Druck aus der Luft. Im Juli wurden demnach 153 Marschflugkörper sowie 198 ballistische und Hyperschallraketen auf die Ukraine abgefeuert. ANZEIGE ANZEIGE Zu den bevorzugten Zielen gehören nach Angaben Skybyzkyjs die ukrainische Rüstungsindustrie, Bahn- und Transportwege sowie Energieanlagen, die für Logistik und Hafenbetrieb wichtig sind. Hinzu kommen Angriffe auf zivile Infrastruktur. Seit Juli werden laut „Forsal.pl“ auch Hafenanlagen am Schwarzen Meer mit modifizierten Geran-Drohnen attackiert, darunter Standorte in Odessa, Tschornomorsk, Piwdenne und Mykolajiw. Moskau will Schlagkraft weiter erhöhen Für August plant Russland laut Skybyzkyj die Herstellung von 11.000 Angriffsdrohnen verschiedener Typen. Die Produktion wurde zuletzt umgebaut, um mehr strahlgetriebene Modelle fertigen zu können. Eine Pause bei den russischen Angriffen ist aus Sicht des ukrainischen Geheimdienstes nicht zu erwarten. Möglich ist nur, dass Moskau künftig weniger Raketen auf ein einzelnes Ziel richtet und seine Schläge noch breiter verteilt.