Russland greift Kiew erneut mit ballistischen Raketen an
Russland hat in der Nacht erneut mehrere Regionen der Ukraine mit ballistischen Raketen angegriffen, darunter die Hauptstadt Kiew. Getroffen wurde in der Hauptstadt auch ein Büchermarkt. "Überall, wo die Russen mit ihren Raketen hinreichen, greifen sie die zivile Infrastruktur an", erklärte der ukrainische Präsident Selenskyj. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte in der Nacht auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, in zwei Stadtgebieten seien Feuer ausgebrochen. Er forderte die Einwohner der Millionenstadt auf, in ihren Schutzräumen zu bleiben. Angriff auf Stahlwerk Die russische Armee griff nach ukrainischen Angaben mit Drohnen und Raketen ein Stahlwerk des Konzerns Arcelor Mittal in Krywyj Rih an, der Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dabei wurden zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt. Das Werk musste die Produktion teilweise einstellen. Es gehört zu den größten Stahlwerken in der Ukraine und beliefert die Rüstungsindustrie. Ukrainischen Behörden zufolge töteten russische Raketen zudem zwei Menschen in der Region Saporischschja und einen Menschen in der Grenzregion Sumy. Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram von Angriffen mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen, unter anderem auch auf die Industriestadt Krementschuk. Mangel an Raketenabwehr Weil es den ukrainischen Streitkräften an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte zuletzt verstärkt. Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten "Patriot"-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Abfangraketen, um sie effektiv einzusetzen. Russland meldet mehrere Tote Auch Russland meldete Angriffe in der Nacht. Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, sprach von einem der größten Angriffe auf die Region in jüngster Zeit. In der südrussischen Region Rostow töteten ukrainische Drohnen nach Angaben von Gouverneur Juri Slusar fünf Menschen in einem Wohngebiet. Drei weitere Menschen starben nach Behördenangaben in den Regionen Belgorod, Kursk und Moskau. Zudem wurden in russisch besetzten Gebieten der Ukraine drei Menschen getötet. Außerdem sei in Podolsk ein Lagerhaus des größten russischen Online-Händlers Wildberries getroffen worden. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden. Auch die ukrainischen Nachrichtenseite Kyiv Independent berichtete, die Angriffe hätten unter anderem Industrieeinrichtungen sowie ein Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries getroffen. Die Ukraine wirft Wildberries vor, in den Transport und die Lagerung von Waffen verwickelt zu sein. Angriffe wurden auch die Region Rostow gemeldet - an der Grenze zu von Russland besetzten Gebieten im Osten der Ukraine: Nach Angaben der Behörden wurden fünf Menschen getötet. Kreml spricht von mehr als 800 Drohnen Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge schossen die Streitkräfte landesweit 822 ukrainische Drohnen ab. Etwa 600 davon flogen Richtung der Region Moskau, schrieb Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bei Telegram. Von diesen seien 201 Drohnen abgeschossen worden. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Für Gegenangriffe auf russisches Gebiet nutzt das ukrainische Militär vor allem Drohnen.