„Russland hat leider Kontrolle über Dieselproduktion verloren“: Trump attestiert Putins Wirtschaft schwerwiegende Probleme
Falschinformationen und Übertreibungen gehören bei Donald Trump zum täglichen Geschäft. So behauptete der US-Präsident erst am Montag wieder, dass die USA die besten Wirtschaftszahlen ihrer Geschichte hätten, ohne auf negative Indikatoren wie die hohe Inflationsrate einzugehen. Auf seinem Sprachrohr „Truth Social“ äußerte sich Trump am Montag auch zur Wirtschaft einer anderen Großmacht:
Eine große Zahl Diesel-Raffinerien sei explodiert und zumindest zeitweise außer Betrieb, so Trump weiter. Er verband seine Behauptung mit der Forderung, dass der „endlose Krieg mit der Ukraine beendet werden muss“. Trump und seine Unterhändler bemühen sich seit mehr als anderthalb Jahren darum, den andauernden Konflikt auf diplomatischem Weg zu lösen, nachdem Trump im Wahlkampf ein Ende in 24 Stunden versprochen hatte.
Kein Kontrollverlust, aber große Schäden
Was Trumps Behauptung zur russischen Dieselölindustrie angeht, ist ein Kontrollverlust zwar nicht belegt. Gleichwohl wird tatsächlich von großen Schäden berichtet. Denn in diesem Jahr hat die von Russland überfallene Ukraine ihre Langstreckenangriffe auf die russische Ölindustrie ausgeweitet – zum eindeutigen Nachteil Russlands.
Sankt Petersburg, Moskau, Rostow: Die Ukraine traf Anlagen in unterschiedlichen Landesteilen und teils auch mehr als tausend Kilometer von der Grenze entfernt in Richtung Ural. Im Sommer begrenzte Russland daraufhin die Abgabe von Diesel und Benzin. Es bildeten sich Schlangen an den Tankstellen. Die Knappheit des Treibstoffs zeigte sich auch anhand eines Exportverbots für Diesel. Das betrifft unter anderem Zwischenhändler und gilt bis Ende Januar 2027.
Fakt ist: Die russische Wirtschaft hat Probleme
Das Energieproblem trifft ein wirtschaftlich ohnehin belastetes Land, in dem das Wachstum im Fertigungssektor offenbar nur auf die Militärproduktion zurückgeht, das Haushaltsdefizit wächst und die Inflation hoch ist.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte auf X auf Trumps Beitrag. Er verwies auf den Wunsch der Ukraine nach einem Kriegsende und die Bereitschaft zu Verhandlungen. „Es wird nicht länger so sein, dass nur das angegriffene Land leidet“, schrieb er außerdem in Anspielung auf die ukrainischen Langstreckenangriffe in Russland. Selenskyjs Reaktion dürfte auch als Vorbereitung seines nächsten Treffens mit Trump am Rand der UN-Generalversammlung in New York gedacht sein.
Trump setzt Selenskyj unter Druck
Vor mehr als einer Woche hatte Trump Selenskyj dazu aufgerufen, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen und ihn für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht. Am Montag erreichte der Dieselpreis in den USA die Rekordhöhe von 6,50 Dollar pro Gallone, wie der „Guardian“ berichtet. Es werde erwartet, dass Trump Selenskyj in New York zu einem die Energieanlagen betreffenden Waffenstillstand drängen werde.
Anfang November stehen in den USA die nächsten Parlamentswahlen an. Traditionell bewerten die Wähler zu diesen Halbzeitwahlen auch die Leistung des US‑Präsidenten. Seine Umfragewerte sind schlecht.
Besonders der Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie die kürzliche Eskalation durch die Huthi-Rebellen im Jemen wirken sich auf den globalen Ölmarkt aus. (mit dpa/Reuters)