Russland: "Iva" - Mysteriöse Flugabwehrwaffe aufgetaucht
Rätsel um "Iva"
Russlands Soldaten nutzen mysteriöse Waffe
Von t-online, ast
Aktualisiert am 29.09.2026 - 10:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Aufnahmen von russischen Soldaten zeigen sie mit einem bislang unbekannten schultergestützten Flugabwehrsystem. Die Waffe erinnert auffällig an Systeme aus China und dem Iran.
Bei russischen Luftabwehreinheiten ist ein bislang unbekanntes, tragbares Raketensystem aufgetaucht. Aufnahmen des russischen Fernsehens zeigen Soldaten mit der Waffe auf der Schulter bei einer Übung in der an die Ukraine grenzenden Region Rostow. Nach Angaben des Militärportals "The War Zone" (TWZ) gehörten die Soldaten zu einer mobilen Luftabwehrgruppe der russischen 51. Luftverteidigungsdivision.
In dem Beitrag bezeichnen russische Soldaten das System als "Iva". Offiziell bekannt ist unter diesem Namen bislang kein russisches tragbares Flugabwehrsystem. Auch äußerlich unterscheidet sich die Waffe deutlich von den in Russland bisher üblichen Systemen, etwa der Igla- und Verba-Familie.
Das russische Verba-System befindet sich seit 2014 im Dienst, der Name des neuen Systems könnte dennoch eine Anspielung darauf sein: "Iva" bedeutet auf Russisch Weide, auch "Verba" bezeichnet eine Weidenart. Ob die Bezeichnung offiziell ist oder lediglich von der gezeigten Einheit verwendet wird, ist nicht bekannt.
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Spur führt nach China und in den Iran
Auffällig sind vor allem Details des neuen Abschussgeräts. Eine Analyse von "TWZ" kommt zu dem Ergebnis, dass Teile der Waffe Ähnlichkeiten mit dem iranischen Misagh-3 sowie mit mehreren chinesischen Systemen der QW-Reihe aufweisen. Sie alle sind auf der Schulter tragbare Flugabwehrsysteme. Ein kastenförmiges Bauteil im vorderen Bereich der neuen Waffe ähnelt demnach insbesondere den chinesischen Modellen QW-18, QW-18A und QW-19.
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Eine klare Zuordnung ist anhand der Bilder allerdings nicht möglich. Von neueren iranischen Varianten existieren nur wenige öffentlich verfügbare Aufnahmen. Hinzu kommt, dass sich iranische und chinesische Systeme ohnehin ähneln. Hintergrund ist, dass der Iran seit den 1990er-Jahren chinesische Flugabwehrtechnik übernommen und daraus eigene Varianten entwickelt hat. Die Forschungsorganisation Small Arms Survey schreibt etwa, dass der Iran zunächst chinesische QW-Systeme importierte und später eigene Misagh-Versionen fertigte.
Denkbar ist deshalb vieles: Bei "Iva" könnte es sich etwa um eine direkt importierte Waffe oder eine iranische Weiterentwicklung chinesischer Technik handeln. Denkbar ist auch, dass Russland eine eigene Variante eines ausländischen Entwurfs gefertigt hat. Selbst ein erbeutetes System lässt sich bislang nicht ausschließen. Belastbare Hinweise auf den Hersteller oder den Lieferweg gibt es nicht.
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Iran kaufte Hunderte chinesische Systeme
Interessant ist die Entdeckung auch wegen eines Rüstungsgeschäfts zwischen dem Iran und China: Reuters berichtete Ende Juli unter Berufung auf mehrere Quellen, Teheran wolle zwischen 300 und 400 chinesische tragbare Flugabwehrsysteme kaufen. Genannt wurden dabei die Typen QW-12 und FN-16. Das Volumen des Geschäfts wurde auf 60 bis 70 Millionen Dollar beziffert, also etwa 52 bis 61 Millionen Euro. China bezeichnete die Angaben jedoch als haltlos.
Nach Reuters-Informationen waren daneben weitere mögliche Geschäfte über verschiedene QW-Typen im Gespräch. Gerade QW-18 und QW-19 gehören zu jenen Systemen, denen die nun in Russland aufgetauchte Waffe äußerlich ähnelt. Einen Beleg dafür, dass "Iva" aus einem dieser Geschäfte stammt oder über den Iran nach Russland gelangte, gibt es allerdings nicht.
Unbestritten ist aber: Russland und der Iran arbeiten militärisch seit Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine enger zusammen. Russland setzt in großer Zahl Angriffsdrohnen iranischer Bauart ein und produziert Varianten der Shahed-Drohnen inzwischen selbst. Moskau und Teheran schlossen Anfang 2025 zudem einen Vertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft, der auch die militärisch-technische Zusammenarbeit betrifft.
Waffe könnte gegen ukrainische Drohnen gedacht sein
Für Russland wären zusätzliche tragbare Flugabwehrsysteme derzeit besonders nützlich. Ukrainische Drohnen greifen regelmäßig Ziele tief im russischen Hinterland an. Allein am 25. September meldeten russische Behörden Angriffe auf mehrere Regionen und Industrieanlagen.
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Der Vorteil von tragbaren Flugabwehrsystemen wie "Iva", sogenannten Manpads: Kleine Soldatengruppen können sie einsetzen und rasch verlegen. Anders als größere Systeme kommen sie ohne aufwendige Radar- oder Fahrzeugtechnik aus. Damit eignen sie sich etwa zum Schutz von Militäranlagen und anderer wichtiger Infrastruktur vor niedrig fliegenden Zielen.
Ob Russland mehrere der "Iva"-Systeme besitzt oder lediglich einzelne Exemplare erprobt, bleibt offen. Sollten die Aufnahmen sich in Zukunft häufen, spricht vieles dafür, dass Russland tatsächlich einen neuen Typ von Flugabwehrwaffe eingeführt hat.
Verwendete Quellen
twz.com: "Mystery Shoulder-Fired Surface-To-Air Missile Appears In Russian Service" (englisch)
reuters.com: "Iran to get Chinese shoulder-launched missile systems in weeks, sources say" (englisch)
smallarmssurvey.org: "PERSISTENT PERILS: Illicit MANPADS in the MENA Region" (englisch)
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