DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin -0,04 % 64.285,40 USD 08:14:37 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Russland macht mit Düsen-Drohnen Jagd auf Ukraine-Logistik

Technologie

Die neue Drohnengeneration Geran-4 ist eine Weiterentwicklung der aus dem iranischen Shahed-136 abgeleiteten Kamikaze-Drohnen, die bislang das Rückgrat russischer Angriffswellen bildeten. Die Russen terrorisierten damit bisher vor allem zivile Ziele in der Ukraine. Doch die Ukrainer wurden zuletzt deutlich effektiver darin, diese abzufangen. Ukrainer immer besser im Abfangen der Geran-Drohnen Wie eine Analyse des Nachrichtenmagazins „Forbes“ zur russischen Drohnenstrategie beschreibt, war das ursprüngliche Konzept simpel: Hunderte günstige Geran-2-Drohnen sollten die ukrainische Luftabwehr durch schiere Masse überfordern. Dieses Kalkül ist inzwischen weitgehend aufgegangen – allerdings zugunsten der Ukraine. Denn Kiew hatte zuletzt Erfolg im Kampf gegen die Geran-Drohnen. Dabei nutzt sie unter anderem: Abfangdrohnensystemen wie Sting elektronische Störmaßnahmen Drohnenjagdteams auf Jeeps und mit Gepard-Panzern Flugabwehr wie Iris-T und eine Verfolgung durch Hubschrauber und Kampfjets Dadurch gelingt es der ukrainischen Luftabwehr Berichten zufolge, 92 bis 96 Prozent der anfliegenden Drohnen abzufangen. Die Stückkosten von 1800 Euro pro ukrainischer Abfangdrohne ließen zuletzt den bisherigen ökonomischen Vorteil der Russen wegfallen. Denn die Geran-2 stehen mit mindestens 22.000 Euro zu Buche. Dadurch wurde laut dem Bericht der Krieg für die Russen teurer als für die Ukrainer. ANZEIGE ANZEIGE Russland brauchte lange für Antwort auf Ukraine-Offensive Zuletzt hatte die Ukraine massive Erfolge gegen die Logistik der russischen Streitkräfte gefeiert. Seit Mai 2026 hat die Ukraine mit günstigen Hornet-Drohnen (rund 10.000 Dollar) und den teureren Fire-Point-FP-2-Systemen (45.000 bis 65.000 Euro) gezielt russische Nachschubwege in den besetzten Gebieten sowie Öltanker im Schwarzen Meer angegriffen – mit dem Effekt, dass die Krim logistisch zunehmend isoliert wurde. Der Militäranalyst Michael Bohnert schreibt, Russland habe darauf lange nicht reagiert, teils aus strategischer Entscheidung, vor allem aber, weil dem russischen Militär der Zugang zu Starlink und vergleichbarer Satellitenkommunikation fehlt. Ein Nachteil, den die Geran-4 nun kompensieren soll: Das System navigiert demnach unter anderem über handelsübliche Einplatinencomputer und lokale Mobilfunk- oder Mesh-Netzwerke statt über Satellitenverbindungen. So sind diese deutlich schwerer abzufangen. Klasse statt Masse – Russlands Angriffe werden teurer Statt auf Masse setzt Moskau zunehmend auf spezialisierte Varianten für bestimmte Zielsets. Die strahlgetriebene Geran-3/4-Familie erreicht mit 300 bis 500 km/h deutlich höhere Geschwindigkeiten als die kolbenmotorbetriebene Geran-2 mit 180 km/h, fliegt in größerer Höhe und ist damit für die günstigen Abfangdrohnen erheblich schwerer zu treffen. Neuere Varianten – teils mit optischen und Infrarot-Sensoren ausgestattete „Seeker“-Modelle – können zudem Ziele eigenständig erfassen und verfolgen, statt sich allein auf Satellitennavigation zu verlassen. Nach Bohnerts Einschätzung liegt die Geran-4 preislich bei etwa 88.000 Euro – deutlich über der Standard-Geran-2. Sie eignet sich wegen ihrer eingeschränkten Kommunikationsanbindung derzeit vor allem für Ziele mit „markanten Signaturen“, die sich automatisiert erfassen lassen: Schiffe und Züge vor allem. Ihre Stärke liege weniger in der Sprengkraft als in der Fähigkeit, ukrainische Luftabwehr und Abfangdrohnen wie die Sting zu umgehen – wenn auch, wie ein von einer Abfangdrohne aufgenommenes Foto einer Geran-4 zeigt, nicht unbesiegbar. Russen greifen Schiffe und Loks an Es tauchen daher vermehrt Videos der Angriffe auf. Die Open-Source-Analysegruppe 3BM15 geolokalisierte einen Geran-4-Angriff auf ein mutmaßlich mit Getreide beladenes Schiff im Hafen von Tschornomorsk bei Odessa – ein Fall, über den auch das ukrainische Portal Euromaidan Press berichtete. Laut dieser Auswertung ist die Geran-4 inzwischen die bevorzugte russische Waffe gegen Getreideschiffe, die die Ukraine anlaufen. Weitere Angriffe soll es unter anderem auf Schiffe im Schwarzen Meer und auf Lokomotiven gegeben haben. Auch die Hafeninfrastruktur in ukrainischen Häfen soll weiter ein Ziel sein. Bestätigt sind die Angriffe bisher jedoch nicht. Ukraine weiter deutlich überlegen Der Vergleich der Kampagnen fällt dabei nach wie vor deutlich zugunsten der Ukraine aus: Kiew greift seit Beginn ihrer Kampagne gegen die russischen Schiffe täglich mehrere Tanker der russischen Schattenflotte an, während Russlands Geran-4-Einsätze gegen ukrainische Schiffe bislang eher Einzelfälle darstellen. Als Grund dafür gilt bei Militärexperten vor allem, dass die Ukraine weiterhin auf Starlink zurückgreifen kann, Russland aber nicht. Militäranalyst Bohnert sieht für die Ukraine zudem mehrere mögliche Gegenmaßnahmen: Eine bessere Störung der Mesh-Netzwerke, über die die russischen Drohnen zum Teil gesteuert werden, und größere Kontrolle über Mobilfunknetze im eigenen Land. Nach seiner Einschätzung sei das aber „sehr schwierig“ umzusetzen. Diplomatischer Druck könnte hingegen zur Abschaltung verbliebener Starlink-Zugänge auf russischer Seite führen. Die Ukraine brauche aber auch neue, leistungsfähigere Abfangsysteme. Dazu gehören etwa eine weiterentwickelte Version der Sting-Abfangdrohnen und günstige 70-mm-Raketensysteme, um der schnelleren, sensorgestützten Geran-4 wirksam zu begegnen.

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