Russland schliesst Grenzübergänge zu Finnland, Estland und Lettland
Russland hat am Mittwoch sieben Bahngrenzübergänge zu Finnland, Estland und Lettland geschlossen. Betroffen ist sowohl der Personen- und Fahrzeug- als auch der Güterverkehr. In der offiziellen Anordnung heisst es, diese Massnahme sei vorübergehend. Es wird aber weder das Ende noch ein Grund für die Schliessungen genannt. In den Nachbarländern wird darüber gerätselt, was der Kreml damit bezweckt. Vor allem der Umstand, dass die Anordnung in nur 48 Stunden in Kraft trat, sorgt für Unsicherheit. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat der Verkehr zwischen den Ländern ohnehin stark abgenommen. Wozu also die Eile? Gerüchte über Mobilmachung In Russland kursieren seit einigen Wochen Gerüchte über eine neue Mobilmachung. Dem Kreml gehen die Soldaten aus, und mit Geld lassen sich immer weniger Männer für den Kriegsdienst gewinnen. Als Russland im September 2022 eine Teilmobilmachung ankündigte, flohen Tausende Männer über die Grenze nach Finnland. Jukka Savolainen vom Europäischen Kompetenzzentrum für hybride Angriffe sagte zur schwedischen Zeitung «Dagens Nyheter», der Kreml wolle den Menschen womöglich signalisieren, dass sie diesmal nicht fliehen könnten. Dazu passt, dass auch die Öffnungszeiten in Iwangorod, dem wichtigsten Grenzübergang für Passagiere aus St. Petersburg, auf russischer Seite verkürzt wurden. Nur: Vor der Dumawahl im Herbst dürfte eine Mobilmachung kaum erfolgen, und über die finnische Grenze wäre eine Flucht ohnehin schon länger nicht mehr möglich gewesen. Der letzte Zug zwischen Helsinki und St. Petersburg verkehrte am 27. März 2022. Als Russland im Herbst 2023 Migranten gezielt nach Finnland drängte, schloss die Regierung in Helsinki die 1340 Kilometer lange Grenze ganz für den Personenverkehr. Für Güter blieb der Grenzübergang Vainikkala-Buslowskaja offen. Dieser ist auch von den jüngsten Schliessungen nicht betroffen. Laut der finnischen Verkehrsbehörde Traficom liegt das Frachtvolumen aber nur noch bei rund einem Viertel des Niveaus von vor der Corona-Pandemie. Und der Verkehr über diesen einzig verbliebenen Grenzpunkt dürfte in den kommenden Wochen nochmals deutlich abnehmen. Der Kreml hat die Zollgebühren nach Finnland zeitgleich mit den Grenzschliessungen um das Achtfache erhöht. Betroffen ist vor allem der Import von Düngemitteln. Um die globale Lebensmittelversorgung sicherzustellen, sind diese von den EU-Sanktionen gegen Russland ausgenommen. Zehn bis fünfzehn Prozent der finnischen Düngerimporte kommen aus Russland. Über den Bahnhof Vainikkala und den Hafen in Kotka wurde das Ammoniak weiter in die Welt transportiert. In Finnland rechnet man nun damit, dass in ein, zwei Wochen Schluss damit ist, weil der Import nicht mehr wirtschaftlich rentabel ist. Seltsame Aktionen Über die Grenzübergänge in Estland und Lettland wurden hauptsächlich Güter und Fracht aus Zentralasien transportiert. Der estnische Logistikexperte Raivo Vare sagte zum Sender ERR, die vom Kreml beschlossenen Grenzschliessungen dürften dazu führen, dass nun wieder mehr Güter über die russischen Häfen an der Ostsee abgewickelt werden. Nach ukrainischen Drohnenangriffen sind die Frachtmengen jüngst stark zurückgegangen. Doch auch Vare wundert sich, weshalb das Dekret ohne Übergangsfrist umgesetzt wurde. Am estnischen Bahnhof Koidula und auf der russischen Seite in Petschory strandeten zwei Züge vor dem geschlossenen Grenzübergang. Die Umleitung ist teuer und bringt die Lieferpläne durcheinander. Ein grösseres Chaos dürfte allerdings ausbleiben, denn über Koidula verkehrte bisher auch nur alle drei Tage ein Zug. Die jüngste Anordnung des Kremls passt zu einer Reihe von seltsamen Aktionen an der Nato-Ostgrenze. Im Mai 2024 entfernten russische Beamte Grenzbojen aus dem Narwa-Fluss, ohne die estnischen Behörden zu informieren. Im Dezember 2025 fuhren drei russische Grenzwächter mit einem Luftkissenboot auf die estnische Seite des Flusses und stiegen dort für zwanzig Minuten aus.