Russland setzt immer mehr Jet-Drohnen ein. Die Ukraine entwickelt deshalb schnellere und günstigere Abfangsysteme
Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine zunehmend auf schnelle Drohnen mit Strahltriebwerken. Die Fluggeräte erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 500 km/h und stellen die ukrainische Luftverteidigung damit vor neue Probleme.
Nach ukrainischen Militärdaten, die Reuters vorliegen, stieg die Zahl der russischen Jet-Drohnen von rund 450 im Juni auf etwa 2850 im August. Russland produziert nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes inzwischen rund 3000 dieser Drohnen pro Monat.
Die Entwicklung verändert auch die Abwehr. Gegen die älteren, propellergetriebenen Shahed-Drohnen hatte die Ukraine vergleichsweise günstige Abfangdrohnen eingesetzt. Diese Fluggeräte kosten laut dem Bericht teilweise weniger als 2000 Dollar. Gegen die schnelleren russischen Modelle kommen sie jedoch an ihre Grenzen.
Abfangdrohnen kommen nicht hinterher
Wie groß die Schwierigkeiten sind, zeigte ein Test im Juli. Das ukrainische Militär ließ zahlreiche Hersteller neue Abfangdrohnen gegen die schnelleren russischen Fluggeräte erproben. Nach Angaben zweier mit dem Test vertrauter Quellen ließen sich mehrere Systeme bei Geschwindigkeiten von mehr als 400 km/h nur schwer steuern. Einige stürzten ab.
Auch die russischen Angriffsdrohnen entwickeln sich weiter. Die neuen Geran-Modelle erreichen laut dem finnischen Nachrichtenportal „Verkkouutiset“ mehr als 480 km/h. Neuere Varianten können demnach bis zu rund 90 Kilogramm Nutzlast tragen und ähneln in ihrer Bauweise zunehmend kleinen Marschflugkörpern.
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Einige Modelle können nach den vorliegenden Angaben während des Fluges Ziele erkennen und ihre Flugbahn verändern. Das erschwert die Arbeit der Abwehr zusätzlich. Auch elektronische Störungen sollen bei neueren Drohnen weniger zuverlässig wirken.
Neue Drohnen gegen die schnellen Angreifer
Die Ukraine arbeitet deshalb an schnelleren Abfangdrohnen und weiteren günstigen Abwehrmitteln. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj beschäftigen sich mehr als 60 ukrainische Unternehmen mit der Entwicklung solcher Systeme.
Eine mögliche Lösung sind ebenfalls Drohnen mit Strahltriebwerken. Verkkouutiset berichtet über die in der Ukraine zugelassene Alexa Spatium. Sie soll etwa 600 km/h erreichen und unter anderem gegen die Geran-3-, Geran-4- und Geran-5-Drohnen eingesetzt werden können.
Auch neue Flugkörper werden erprobt
Auch neue Flugkörper werden erprobt. Ukrainische Vertreter setzen dabei auf Systeme, die deutlich günstiger sind als die bislang verwendeten westlichen Flugabwehrraketen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe sind zudem Abfangmanöver geplant, bei denen Drohnen ihre Ziele frontal anfliegen.
Bis diese Systeme in größerer Zahl verfügbar sind, bleibt die Ukraine auf verschiedene Mittel angewiesen. Dazu gehören Flugabwehrraketen, Abfangdrohnen und Kampfflugzeuge. Reuters berichtet, dass ukrainische Piloten wegen begrenzter Bestände an Luft-Luft-Raketen teilweise auch auf Bordkanonen zurückgreifen müssen.