Russland setzt wieder Nordkorea-Raketen ein - wovor Kiew jetzt warnt
Russland hat nach monatelanger Pause wieder nordkoreanische ballistische Raketen auf die Ukraine abgefeuert und damit seine weitreichenden Angriffe verstärkt. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, die nordkoreanische Rakete KN-23 sei bei zwei jüngsten Angriffen eingesetzt worden: einem am 30. Juli in der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih und einem weiteren am Dienstag in der südlichen Region Saporischschja. Der letzte bekannte Start davor war im Dezember 2025. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Montag, Russland habe weitere ballistische Raketen aus Nordkorea erhalten. Eine Rakete mit russischer Handschrift Die Hwasong-11A – in den USA als KN-23 bekannt – ist eine nordkoreanische ballistische Kurzstreckenrakete, die offenbar auf dem Design der russischen 9K720 Iskander basiert. Oberst Jurij Ihnat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, sagte, die KN-23 sei im Grunde eine nordkoreanische Kopie der Iskander, allerdings mit einem etwas größeren Sprengkopf. In einer Stellungnahme gegenüber BUSINESS INSIDER (BI) erklärte Ihnat, Russland habe „möglicherweise nicht sämtliche technischen Informationen und das gesamte Know-how an Nordkorea weitergegeben“. Ihnat bezeichnete dies als „gängige Praxis“ bei der Weitergabe sensibler Militärtechnologie. Der ursprüngliche Entwickler halte womöglich absichtlich einige Details zurück, um zu verhindern, dass eine exakte Kopie des Produkts hergestellt werde. „Das könnte erklären, warum die nordkoreanische Version möglicherweise keine hundertprozentig exakte Reproduktion der russischen Iskander ist, insbesondere in Bezug auf ihre Lenktechnik und Fertigungstechnologie“, sagte er. Die KN-23, die am 30. Juli Krywyj Rih traf, wich etwa 15 Kilometer von ihrem Kurs ab und tötete eine ganze Familie, wie Generalmajor Wadym Skibizkyj, der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, nach dem Angriff lokalenMedien erklärte. Der Krieg als Testfeld Wie viele KN-23 Nordkorea bei der jüngsten Waffenlieferung genau an Russland schickte, ist unklar. Pjöngjang hatte diese Raketen bereits früher im Krieg an Moskau geliefert, doch die Zahl der Starts war mit der Zeit versiegt – in der ersten Jahreshälfte wurde kein einziger gemeldet. Konfliktanalysten des Institute for the Study of War, eines US-Thinktanks, kamen diese Woche zu der Einschätzung, dass Russland vermutlich kleine Stückzahlen der KN-23 „in nächtlichen Angriffspaketen“ einsetze, „um die Raketen im Gefecht zu erproben und ihre Treffgenauigkeit zu verbessern“. Die Analysten schrieben in einer Lagebewertung, dass die Lieferung weiterer KN-23 es Russland ermögliche, seine Raketenangriffe zu intensivieren, ohne seine Bestände an anderen Waffen aufzuzehren. Selenskyj sagte am Montag, Russland könne ohne nordkoreanische Unterstützung und Nachschub keinen Krieg führen. „Nordkoreas ballistische Raketen und seine anderen Waffen werden durch die Zusammenarbeit mit Russland verbessert“, sagte Selenskyj in einer Ansprache an die Nation. Er fügte hinzu, je mehr Raketenangriffe es in der Ukraine gebe, desto stärker könne Nordkorea seine Fähigkeiten ausbauen – was letztlich eine größere Bedrohung für die Verbündeten der USA im Pazifik darstellen könnte. Weder das russische Verteidigungsministerium noch die russische Botschaft in den USA reagierten auf eine Bitte um Stellungnahme zu den ukrainischen Einschätzungen. Kiews Kampf um die Luftabwehr Russland hat seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf die Ukraine in diesem Jahr deutlich verstärkt und allein im Juli fast 200 dieser Waffen in verheerenden Bombardements abgefeuert, die vor allem auf Kiew zielten. Die zuverlässigste Verteidigung der Ukraine gegen ballistische Raketen ist das in den USA hergestellte Luftabwehrsystem Patriot. Doch Kiew kämpft mit erschöpften Beständen an Abfangraketen, was es besonders in diesem Sommer erschwert, Russlands Angriffe zu stoppen. Ukrainische Vertreter haben immer wieder auf die dramatische Lage bei der Luftabwehr aufmerksam gemacht und Partnerländer aufgefordert, mehr Patriot-Abfangraketen zu schicken, die weltweit stark nachgefragt sind. Unterdessen entwickelt das Land ein gesamteuropäisches Luftabwehrsystem, um russische ballistische Raketen kostengünstiger als mit der Patriot bekämpfen zu können.