Russland: Ukraine greift „russisches Amazon“ an - „Einzige Ebene, die noch Möglichkeiten zur Eskalation birgt“
Bei ukrainischen Angriffen auf Russland wurde am Wochenende ein Logistikzentrum des Versandhändlers Wildberries – dem russischen Pendant zum US-Händler Amazon – getroffen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, die sich auf russische Behördenangaben beruft, sei der Angriff schwerwiegend gewesen: So sollen bei der Attacke auf zwei Einrichtungen des Versandhändlers acht Menschen getötet worden sein. Die unabhängige russische Nachrichtenseite „iStories“ sprach auf Telegram davon, dass eine Fläche von 359.600 Quadratmetern abgebrannt sei. Zudem seien mehr als 50 Personen verletzt worden. Ein Mensch sei getötet worden, erklärte Selenskyj, 16 weitere Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt. Auch in Odessa wurde ein Jugendlicher getötet und zwölf Menschen seien verletzt. In Charkiw seien vier Menschen bei russischen Angriffen getötet worden, erklärte der zuständige Gouverneur. Russland attackiert ukrainischen Logistikkomplex Russland bestreitet, Zivilisten ins Visier zu nehmen. Moskau erklärte, es habe militärische Einrichtungen und Logistikzentren in Kiew sowie Hafeninfrastruktur der ukrainischen Armee in der Schwarzmeerstadt Odessa angegriffen. Der österreichische Militärexperte und Oberst des Bundesheeres, Ulrich Reisner, schilderte gegenüber „ntv“, bei den russischen Attacken handelte es sich um einen gezielten Gegenangriff. Russland habe nämlich das ukrainische Wildberries-Gegestück ins Visier genommen: „Sie haben einen sehr wichtigen Logistikkomplex namens AMTEL angegriffen. Auch hier sind große Lagerhallen mit über 100.000 Quadratmetern beschädigt oder zerstört worden (...) Wir sehen hier, dass beide Seiten bei den strategischen Luftangriffen Schritt für Schritt, Woche für Woche immer weiter eskalieren, weil es die einzige Ebene ist, die noch Möglichkeiten zur Eskalation birgt.“ An der Front könnten nämlich weder die Ukrainer noch die Russen vor oder zurück. Dort herrsche weitgehend Stillstand, so Reisner. Da die russische Armee aber dennoch über ein so großes Potenzial an Raketen verfüge, dass sie über den Winter hinaus einen „massiven strategischen Luftkrieg“ gegen die Ukraine führen könne, versuche die Ukraine, ihren Druck auf Russland „bis zur Unerträglichkeit zu erhöhen“.